Der neue MGS9 PHEV wirkt wie ein Angriff auf die Familien-SUV-Klasse: riesig, steckerfähig, üppig ausgestattet. In Deutschland führt MG das Modell offiziell als MGS9 PHEV, während ein aktueller Fahrbericht es als „MG9S PHEV Facelift“ bezeichnet – gemeint ist derselbe große Plug-in-Hybrid-Siebensitzer.

Der Preis ist die Ansage

Der MGS9 PHEV ist in Deutschland ab sofort bestellbar und startet als Comfort bei 44.990 Euro; die besser ausgestattete Premium-Version kostet ab 48.790 Euro. Damit platziert MG einen fast fünf Meter langen Plug-in-Hybrid mit drei Sitzreihen in einem Bereich, in dem viele Familien-SUVs schnell deutlich teurer werden.

MG gehört zum chinesischen SAIC-Konzern, und genau diese Herkunft schwingt bei diesem Auto mit: viel Auto, viele Zahlen, viel Ausstattung – und die klare Botschaft, dass Platz nicht automatisch Luxuspreise bedeuten muss.

„Mit dem MGS9 PHEV gehen wir einen wichtigen nächsten Schritt in unserer Modellstrategie: Wir erschließen ein neues Segment und sprechen gezielt Kunden an, die mehr Raum, Flexibilität und Alltagstauglichkeit erwarten – ohne auf effiziente Antriebstechnologie zu verzichten.“

4,98 Meter Familien-SUV – aber Reihe drei bleibt der Knackpunkt

Der MGS9 PHEV misst 4,98 Meter in der Länge und bietet drei Sitzreihen für bis zu sieben Personen. Bei voller Bestuhlung bleiben 332 Liter Kofferraumvolumen, mit umgeklappter zweiter und dritter Reihe wächst der Stauraum auf bis zu 2.093 Liter.

Das ist die starke Seite des MG: Kinderwagen, Einkauf, Urlaubsgepäck oder Sporttaschen dürften hier selten das Problem sein. Kritischer wird es ganz hinten, denn der ADAC beschreibt die dritte Reihe für Erwachsene als wenig langstreckentauglich, vor allem wegen eingeschränkter Fuß- und Kniefreiheit.

Kurz gesagt: Für Familien mit Kindern ist das Konzept stark, für sieben erwachsene Mitfahrer eher ein Kompromiss.

299 PS, 100 km elektrisch – auf dem Papier richtig stark

Der Plug-in-Hybrid kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem Elektromotor und kommt auf 220 kW beziehungsweise 299 PS Systemleistung sowie 390 Nm Drehmoment. Den Sprint von 0 auf 100 km/h gibt MG mit 9,6 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h.

Die 24,7-kWh-Batterie soll bis zu 100 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite ermöglichen. Geladen wird per Typ-2-Anschluss mit bis zu 11 kW; unter optimalen Bedingungen nennt MG rund drei Stunden für eine vollständige Ladung.

Für die Langstrecke bleibt ein 65-Liter-Tank an Bord, außerdem darf der MGS9 PHEV gebremst bis zu 2.000 Kilogramm ziehen. Die offiziellen Verbrauchswerte liegen gewichtet kombiniert bei 21,3 kWh/100 km und 2,4 l/100 km; bei entladener Batterie nennt MG 6,7 l/100 km.

Wo der Preis spürbar wird

Der MGS9 PHEV ist kein Sport-SUV, und genau das zeigen die ersten Fahreindrücke. Auto Bild kritisiert die Serienbereifung auf nasser Fahrbahn wegen mangelnder Traktion und Rubbeln.

Wenn der Akku leer ist und der Benziner allein mehr Arbeit übernehmen muss, soll sich der 1,5-Liter-Motor mit dem rund 2,2 Tonnen schweren SUV spürbar schwerer tun und akustisch deutlicher in den Vordergrund treten. Auch beim Laden bleibt MG konservativ, denn mehr als 11 kW AC sind laut Herstellerangabe nicht vorgesehen.

Ein weiterer Schwachpunkt sitzt im Cockpit: Auto Bild bemängelt, dass beim Infotainment alte Software zum Einsatz komme, das Navi zögerlich reagiere und die Menüführung nicht das Niveau neuerer MG-Modelle erreiche. Dazu kommen Fahrwerkskritik über Stöße an der Hinterachse und einfach wirkende Kunststofftasten im Innenraum.

Ausstattung: Hier spielt MG seine Preis-Karte aus

Auf der Habenseite steht eine lange Serien- und Komfortliste. MG nennt zwei 12,3-Zoll-Displays, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie physische Bedienelemente für zentrale Funktionen.

Das Assistenzpaket MG Pilot bündelt bis zu 16 Systeme, darunter adaptiven Abstandstempomat, Spurhalteassistent und Notbremsassistent. Im Euro-NCAP-Crashtest erreichte der MGS9 PHEV fünf Sterne, zusätzlich nennt MG sieben Airbags.

In der Premium-Version kommen unter anderem eine sensorgesteuerte elektrische Heckklappe, ein Bose-Audiosystem mit zwölf Lautsprechern sowie belüftete Vordersitze mit Massagefunktion hinzu. Eine beige Innenausstattung ist für das Premium-Modell gegen 650 Euro Aufpreis verfügbar.

Für wen lohnt sich der China-Riese?

Der MGS9 PHEV trifft genau jene Käufer, die ein großes Familienauto suchen, aber keinen klassischen Diesel-Van mehr wollen und bei reinen Elektro-Sieben­sitzern vor Preis oder Ladeplanung zurückschrecken. Mit 100 Kilometern WLTP-E-Reichweite kann der MG viele Alltagsfahrten elektrisch erledigen, behält aber mit Benzintank und Anhängelast die Langstrecken- und Urlaubslogik eines Verbrenners.

Die nüchterne Wahrheit: Wer Premium-Haptik, perfekte Software und dynamisches Fahrverhalten erwartet, wird beim MGS9 PHEV Schwächen finden. Wer dagegen sehr viel Platz, sieben Sitze, 299 PS, 100 Kilometer E-Reichweite und einen Einstieg unter 45.000 Euro priorisiert, bekommt ein ungewöhnlich starkes Paket.

Dazu gibt MG sieben Jahre Garantie beziehungsweise 150.000 Kilometer, die Serviceintervalle liegen bei jährlich oder alle 24.000 Kilometer. Genau das macht den MGS9 PHEV spannend: Er ist nicht perfekt – aber als Preis-Leistungs-Angriff auf große Familien-SUVs ist er schwer zu ignorieren.