Die Revolution im Cockpit hat begonnen. Wer künftig in den aktualisierten Mercedes-Benz EQS steigt, wird vergeblich nach einer klassischen mechanischen Verbindung zu den Vorderrädern suchen. Die Stuttgarter machen ernst und führen die sogenannte Steer-by-Wire-Technologie als Option in die Serienproduktion ein.

Weg mit der Mechanik, her mit dem Datenkabel

Bei diesem System gibt es keine physische Lenksäule mehr. Stattdessen werden die Lenkbefehle des Fahrers rein elektronisch über Sensoren an Elektromotoren übertragen, welche die Räder in den gewünschten Winkel drehen. Was zunächst nach Videospiel klingt, bringt im Alltag enorme Vorteile:

  • Kein Übergreifen mehr: Die Lenkübersetzung passt sich der Geschwindigkeit und Fahrsituation dynamisch an. Beim Einparken oder in engen Gassen genügen minimale Lenkbewegungen (nur rund 170 Grad), um voll einzuschlagen.
  • Ruhe im Cockpit: Lästige Vibrationen durch Schlaglöcher oder rauen Asphalt werden elektronisch herausgefiltert und erreichen die Hände des Fahrers gar nicht erst.
  • Maximale Wendigkeit: In perfektem Zusammenspiel mit der serienmäßigen Hinterachslenkung, die bis zu 10 Grad mitlenkt, wird die gut fünf Meter lange Limousine überraschend agil.

Das Lenkrad der Zukunft ist nicht mehr rund

Da das klassische Kurbeln beim Wenden entfällt, wurde das Lenkrad gleich mit neu erfunden. Mercedes setzt auf ein radikal abgeflachtes Design, das an ein Yoke aus der Luftfahrt erinnert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man genießt eine völlig freie Sicht auf das große Instrumenten-Display und profitiert von deutlich mehr Beinfreiheit beim Ein- und Aussteigen.

Die ungewohnte Formgebung stellte die Entwickler jedoch vor große Herausforderungen in Sachen Insassenschutz. Weil ein extrem abgeflachtes Lenkrad dem Airbag bei der Auslösung nicht mehr den gewohnten Halt bietet, musste eine komplett neue Airbag-Architektur mit internen Stützstrukturen entwickelt werden, die sich selbst in Form hält.

"Der Verzicht auf die Lenksäule eröffnet völlig neue Freiheiten im Innenraumdesign und transformiert die Art und Weise, wie Mensch und Maschine miteinander interagieren."

Sicherheit durch doppelte Netze

Wer Bedenken hat, seinem Auto ohne mechanische Verbindung zu vertrauen, kann aufatmen. Die neue Lenk-Architektur ist strikt redundant ausgelegt und verfügt über doppelte Signalwege, zusätzliche Aktuatoren sowie eine Notstromversorgung. Sollte das Hauptsystem tatsächlich ausfallen, lassen sich über die Hinterachslenkung und gezielte Bremseingriffe weiterhin sichere Ausweichmanöver fahren. Über eine Million Testkilometer auf Prüfständen und öffentlichen Straßen hat die Technologie bereits erfolgreich absolviert, bevor sie nun im neuen EQS ihre große Premiere feiert.