Einleitung

Der Mercedes EQE schickt sich an, das Erbe der legendären E-Klasse in das elektrische Zeitalter zu überführen. Als kleinerer Bruder des Luxus-Liners EQS nutzt er dieselbe technische Plattform, kommt jedoch in kompakteren Abmessungen und zu einem attraktiveren Einstiegspreis daher. Mit seinem Fokus auf Komfort und modernste Technologie zielt er direkt auf anspruchsvolle Vielfahrer ab, die den klassischen Mercedes-Luxus ohne lokale Emissionen suchen.

Design & Verarbeitung

Optisch prägt das radikale "One-Bow-Design" die Silhouette des EQE. Die fließende, fast bogenförmige Linie sorgt für einen exzellenten Cw-Wert von 0,22, was der Effizienz zugutekommt. Während die Karosserie hochwertig wirkt, gibt es Kritik im Detail: Die Spaltmaße an der fest verschlossenen Fronthaube und der Einsatz von Hartplastik im unteren Innenraumbereich entsprechen nicht immer dem hohen Preisniveau von über 70.000 Euro. Auffällig sind zudem die bündig versenkten Türgriffe, die zwar aerodynamisch sinnvoll sind, in der Praxis jedoch teils unhandlich wirken.

Innenraum & Komfort

Der Innenraum des EQE ist eine Wohlfühloase. Dank opulenter Geräuschdämmung und Akustik-Schaum in den Hohlräumen bleibt es bei Autobahntempo flüsterleise. Fahrer bis zwei Meter Körpergröße finden bequem Platz, und im Fond ist die Beinfreiheit großzügig, wenngleich die Knie durch den hohen Batterieboden etwas stärker angewinkelt werden müssen. Ein großer Wermutstropfen bleibt die Praktikabilität: Der Kofferraum bietet mit 380 bis 430 Litern nur Kompaktklasse-Niveau und verfügt zudem über eine kleine, stufenhecktypische Öffnung. Ein "Frunk" unter der Fronthaube fehlt komplett.

Infotainmentsystem

Das MBUX-System mit dem brillanten 12,8-Zoll-OLED-Display (oder optionalem Hyperscreen) setzt Maßstäbe bei Rechenpower und Navigationsintelligenz. Die Ladeplanung arbeitet vorbildlich und zeigt freie Säulen sowie deren Leistung in Echtzeit an. Dennoch ist die Bedienung zweischneidig: Das überfrachtete Multifunktionslenkrad und das Fehlen physischer Tasten für Lautstärke oder Klima erschweren die intuitive Handhabung. Die exzellente Sprachsteuerung bietet hier oft den sichereren Ausweg während der Fahrt.

Antrieb & Fahrverhalten

Mit 215 kW (292 PS) ist der EQE 350+ souverän motorisiert. Er sprintet in knapp über sechs Sekunden auf 100 km/h und liegt dank des tiefen Schwerpunktes satt auf der Straße. Besonders beeindruckt das optionale Luftfederfahrwerk, das Unebenheiten förmlich wegbügelt. Die Hinterachslenkung ist ein Muss-Extra: Sie reduziert den Wendekreis massiv und macht den fast fünf Meter langen Wagen spürbar agiler. Kritik erntet lediglich das Bremspedal, dessen Gefühl zwischen Rekuperation und mechanischem Bremsen oft künstlich und schwer dosierbar wirkt.

Reichweite & Verbrauch

In Sachen Effizienz spielt der EQE seine Stärken aus. Im ADAC Ecotest erreicht er eine Reichweite von beachtlichen 530 Kilometern. Das ausgeklügelte Thermomanagement nutzt Abwärme effizient und bereitet den 90,6-kWh-Akku optimal auf Schnellladevorgänge vor. Am DC-Lader zieht der Benz bis zu 170 kW, was den Akku in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllt. Das ist gut, im Vergleich zur 800-Volt-Konkurrenz jedoch nicht mehr die absolute Spitze. Der reale Testverbrauch pendelt sich zwischen 20 und 26 kWh/100 km ein, je nach Fahrprofil.

Sicherheit & Assistenzsysteme

Mercedes lässt bei der Sicherheit nichts anbrennen. Die Assistenzsysteme, inklusive aktiver Spurführung in Baustellen, arbeiten hochpräzise. Highlights wie das "Digital Light", das Symbole auf die Straße projizieren kann, erhöhen die Sicherheit bei Nachtfahrten enorm. Da die Rundumsicht durch die massiven Säulen und die kleine Heckscheibe eingeschränkt ist, sollte das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera definitiv zur Ausstattung gehören.

Fazit

Der Mercedes EQE ist eines der derzeit besten elektrischen Reiseautos. Er glänzt mit überragendem Komfort, niedrigen Fahrgeräuschen und einer extrem intelligenten Software. Wer über den kleinen Kofferraum und die teils komplexe Touch-Bedienung hinwegsehen kann, erhält eine technisch brillante Limousine. Allerdings treiben die umfangreichen Optionspakete den Grundpreis schnell in sechsstellige Regionen.