Die angespannte Marktlage beim einstigen Rendite-König der Autobranche fordert drastische Maßnahmen. Nachdem die Verkaufszahlen zuletzt schwächelten und die Gewinne spürbar einbrachen, verordnet die Chefetage dem Sportwagenhersteller nun eine radikale Schrumpfkur. Der Fokus soll künftig wieder voll und ganz auf dem klassischen Kerngeschäft liegen – auf Kosten von teuren Zukunftsprojekten, die noch vor wenigen Jahren als unverzichtbar galten.
Aus für den „Brennraum der Zukunft“
Das wohl prominenteste Opfer dieses strikten Sparkurses ist die Cellforce Group im schwäbischen Kirchentellinsfurt. Einst wurde das Unternehmen großspurig gegründet, um maßgeschneiderte Hochleistungs-Batteriezellen für die kommenden Elektro-Sportwagen aus Zuffenhausen zu entwickeln und zu produzieren. Doch der Traum vom starken europäischen Gegengewicht zur asiatischen Batterie-Übermacht ist nun endgültig geplatzt.
Nachdem das ambitionierte Projekt bereits im vergangenen Jahr stark zusammengestrichen wurde und etliche Mitarbeiter das Unternehmen verlassen mussten, folgt nun die endgültige Abwicklung. Für die verbliebenen rund 50 Angestellten bedeutet dies das Aus. Konzernintern wird dieser scharfe Schnitt mit einer veränderten, technologieoffeneren Antriebsstrategie begründet. In einem sich merklich abkühlenden Markt für Premium-Elektroautos fehlte für die eigene Zellfertigung schlichtweg die wirtschaftliche und langfristige Perspektive.
Kahlschlag trifft auch E-Bikes und Software
Die Schließungswelle beschränkt sich jedoch keineswegs nur auf die Batterieforschung. Insgesamt fallen den aktuellen Umstrukturierungen branchenweit rund 500 Arbeitsplätze zum Opfer. Neben Cellforce zieht der Konzern bei zwei weiteren Bereichen konsequent den Stecker:
- Porsche eBike Performance: Die groß angekündigte Entwicklung eigener, extrem leistungsstarker E-Bike-Antriebssysteme wird aufgrund veränderter Marktbedingungen gestoppt. Allein hier fallen Hunderte Stellen in Deutschland und Kroatien weg.
- Cetitec: Auch bei der Software-Tochter für Fahrzeugvernetzung gehen die Lichter aus, da sich die Entwicklungsspielräume massiv verschoben haben.
Rückbesinnung auf das Kerngeschäft
Das Top-Management verteidigt diesen harten, aber unumgänglichen Schnitt. Angesichts schrumpfender Margen sei eine schonungslose Konzentration auf das profitable Fahrzeuggeschäft zwingend erforderlich, um den Autobauer wieder auf einen stabilen Kurs zu bringen. Die Geschäftsführung wird in den kommenden Tagen die Gespräche mit den zuständigen Betriebsräten aufnehmen, um die Abwicklung der betroffenen Gesellschaften sozialverträglich zu regeln.
„Das zwingt uns zu schmerzhaften Einschnitten – auch bei unseren Tochtergesellschaften.“
Ob dieser drastische Befreiungsschlag ausreicht, um die Stuttgarter aus dem aktuellen Krisenmodus zu holen, wird sich in den nächsten Quartalen zeigen müssen. Für den Technologie- und Innovationsstandort Deutschland ist das ersatzlose Ende der hauseigenen Batteriezellen-Fertigung jedoch schon heute ein fatales Signal.