Die Zahlen lesen sich wie das Drehbuch für einen Wirtschaftsthriller: Die Gewinne der weltgrößten Autobauer sind im vergangenen Jahr um fast 60 Prozent eingebrochen, die Gewinnmargen auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gerauscht. Eine umfassende Auswertung der Branche zeigt nun schwarz auf weiß, wie sich die einstige Zukunftshoffnung Elektromobilität für viele Hersteller zu einem wahren Milliardengrab entwickelt hat. Besonders bitter: Die einst so stolzen deutschen Autokonzerne gehören zu den größten Verlierern dieses globalen Bebens.
Wenn die Elektro-Strategie zum Bumerang wird
Viele Hersteller hatten ihre milliardenschweren Investitionen auf einen rasanten Hochlauf der E-Mobilität und stetig wachsende Absatzmärkte ausgerichtet. Doch die Realität in den Autohäusern sieht anders aus. Die Kundschaft in Europa und den USA hält sich beim Kauf von Stromern massiv zurück. Die Nachfrage entwickelt sich deutlich schwächer als in allen rosaroten Prognosen vorhergesagt. Die Folge: Statt sprudelnder Einnahmen gibt es nun gigantische Abschreibungen auf Elektro-Technologien und Werke, die längst nicht ausgelastet sind.
Deutsche Autobauer im freien Fall
Während die weltweiten Umsätze der 19 größten Branchenriesen im vergangenen Jahr immerhin noch leicht im Plus lagen, ging es für die deutschen Hersteller spürbar bergab. Mit einem Umsatzminus von rund vier Prozent und einem geradezu desaströsen Einbruch beim operativen Ergebnis um fast 44 Prozent, geraten die heimischen Premiummarken massiv unter Druck. Die Gründe dafür sind vielschichtig:
- Fehlende E-Auto-Nachfrage: Die teuren Stromer bleiben bei den Händlern stehen.
- Hohe Standortkosten: Die Produktion in der Heimat verschlingt im internationalen Vergleich schlicht zu viel Geld.
- Zoll-Hürden und Währungseffekte: Die US-Zollpolitik und ungünstige Wechselkurse fressen die restlichen Margen auf.
- Schwäche im Premiumsegment: Die allgemeine Kaufzurückhaltung trifft besonders die teuren Modelle.
Die asiatische Konkurrenz zieht vorbei
Der Blick auf die internationale Konkurrenz dürfte die Sorgenfalten in den hiesigen Vorstandsetagen weiter vertiefen. Während in Deutschland reihenweise der Rotstift angesetzt wird, konnten chinesische Hersteller ihren Umsatz um über neun Prozent steigern. Auch die japanischen Marken fuhren ein solides Plus ein. Unter den 19 untersuchten Weltkonzernen gab es im vergangenen Jahr ohnehin nur ein einziges Unternehmen, das beim Gewinn überhaupt noch zulegen konnte. Die Lage ist ernst.
"Die Autoindustrie steckt in einer tiefen, für einige Unternehmen sogar potenziell existenzbedrohenden Krise."
Dieser drastische Befund der Analysten lässt erahnen, dass der Branche ein beispielloser und schmerzhafter Umbruch bevorsteht. Ob drastische Sparprogramme, bilanzielle Bereinigungen und rasante Strategieschwenks ausreichen, um das Ruder herumzureißen, müssen die kommenden Monate zeigen. Klar ist nur: Das Elektroauto ist für die Hersteller derzeit eher Fluch als Segen.