Wer an Range Rover denkt, hat meist majestätische, hoch aufragende Allrad-Könige vor Augen. Doch mit dem GT – dem mittlerweile fünften Mitglied der Markenfamilie – wagt der britische Hersteller einen radikalen Kurswechsel. Das Crossover-Modell vereint sportliche Coupé-Proportionen mit einer fließenden Dachlinie und nähert sich optisch einer klassischen Limousine an, ohne jedoch die typische Geländetauglichkeit der Marke aufzugeben.
Martin Limpert, Managing Director von Range Rover, betont die völlig neue Ausrichtung:
"Das Ergebnis ist der autoähnlichste und zugleich unverkennbar leistungsfähige Range Rover, der je geschaffen wurde."
Neue EMA-Plattform und 800-Volt-Architektur
Unter dem Blech des flachen GT steckt das neue technologische Rückgrat des JLR-Konzerns: die „Electrified Modular Architecture“ (EMA). Diese „Electric-first“-Plattform wurde von Grund auf für hocheffiziente Elektroantriebe konzipiert, bietet jedoch ausreichend Flexibilität, um später im Lebenszyklus auch Vollhybrid-Antriebe (HEV) zu integrieren. Zum Marktstart im Jahr 2027 wird der Grand Tourer jedoch zunächst ausschließlich rein elektrisch anrollen.
Da JLR offizielle Leistungsdaten und Spezifikationen noch unter Verschluss hält, stützen sich die technischen Angaben derzeit auf Branchenprognosen:
- Batterie und Reichweite: Experten spekulieren über eine Netto-Batteriekapazität von rund 119 bis 120 kWh. Damit soll eine geschätzte WLTP-Reichweite von bis zu 700 oder gar 800 Kilometern ermöglicht werden, um dem anspruchsvollen Langstrecken-Charakter gerecht zu werden.
- 800-Volt-Schnellladen: Dank der modernen 800-Volt-Architektur sind Ladeleistungen von bis zu 350 kW im Gespräch. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent an einer entsprechenden Ultra-Schnellladesäule könnte so in deutlich unter 25 Minuten erledigt sein.
- Antriebsleistung: Während Range Rover noch keine exakten Werte bestätigt hat, wird in Medienberichten von zwei Elektromotoren und Allradantrieb ausgegangen, die je nach Ausstattungsvariante zwischen 331 kW (450 PS) und etwa 405 kW (550 PS) leisten könnten.
„Digital Detox“: Das luxuriöse Wohlfühl-Cockpit
Im Gegensatz zu vielen asiatischen und deutschen Wettbewerbern, die ihre Cockpits mit riesigen Monitorwänden überfrachten, geht Range Rover im Innenraum einen erfrischend minimalistischen Weg. Das Konzept trägt den passenden Namen „Digital Detox“ und soll für eine visuelle und akustische Ruhe sorgen.
Statt vieler Bildschirme gibt es nur ein einziges, zentrales Infotainment-Display in der Mitte des Armaturenbretts, ergänzt durch eine schlanke digitale Anzeige direkt hinter dem Lenkrad sowie ein hochauflösendes Head-up-Display. Weder für den Beifahrer noch im Fond sind zusätzliche feste Bildschirme vorgesehen.
Besonders raffiniert gelöst:
- Ein verdeckter Luftauslass erstreckt sich als feine horizontale Linie über die gesamte Breite des Armaturenbretts.
- Ein edles, gewebtes Textil umschließt den Armaturenträger harmonisch und verbirgt die Lautsprecher des High-End-Audiosystems unsichtbar in seiner Struktur.
- Dank der neuen Plattform-Architektur verspricht der Hersteller zudem eine Beinfreiheit in der zweiten Sitzreihe, die in dieser Fahrzeugklasse führend sein soll.
Eine neue Nische im Luxussegment
Mit dem Range Rover GT stößt die Marke in ein völlig neues Segment vor, das zwischen traditionellen SUVs und klassischen Reiselimousinen liegt. Damit visieren die Briten anspruchsvolle Kunden an, die bisher eher bei sportlichen Wettbewerbern wie dem Porsche Macan Electric oder dem Lotus Eletre suchten.
Da der Hersteller bisher keinerlei Preisangaben offiziell bestätigt hat, bleibt die Preisgestaltung Gegenstand von Spekulationen. Branchenkenner sind sich jedoch einig, dass sich der luxuriöse Brite tief im sechsstelligen Euro-Bereich ansiedeln wird – ein Einstiegspreis von über 100.000 Euro gilt als nahezu sicher.
Die offizielle Weltpremiere des ungetarnten Serienmodells wird noch im Laufe des Jahres 2026 erwartet, bevor der im englischen JLR-Werk Halewood produzierte Luxusliner im Jahr 2027 auf den Straßen debütiert.