Es ist das zweite eigenständige Modell auf der neuen AMG.EA-Architektur nach dem AMG GT 4-Türer Coupé. Die Weltpremiere ist noch für den Herbst 2026 geplant, die ersten Auslieferungen sollen Anfang 2027 starten.
Die 1.360-PS-Keule aus Affalterbach
Technisch zieht AMG alle Register, um die ikonische Performance-DNA der Marke in das Elektrozeitalter zu retten. Das Super-SUV wurde von Grund auf in Affalterbach als rein elektrisches High-Performance-Fahrzeug entwickelt. Die Eckdaten lesen sich wie eine Kampfansage an die etablierte Konkurrenz:
- Sensationell leichte Axialflussmotoren: Die innovative Axialfluss-Technologie wurde gemeinsam mit dem britischen Spezialisten YASA (einem Oxford-Spin-off) entwickelt. Diese scheibenförmigen E-Maschinen wiegen nur rund 13 Kilogramm, leisten in aktuellen Prototypen-Stufen aber bereits phänomenale Spitzenwerte von über 700 PS.
- Extreme Systemleistung: Die Plattform ist in der Spitze für eine Leistung von bis zu 1.360 PS (1.000 kW) ausgelegt. Erwartet werden ein Einstiegsmodell GT 55 4MATIC+ mit 816 PS sowie ein vorläufiges Topmodell GT 63 4MATIC+ mit 1.169 PS.
- Formel-1-Technik im Akku: Die im Fahrzeug verbauten zylindrischen Hochleistungs-Batteriezellen basieren direkt auf der Formel-1-Zellchemie von Mercedes. Durch die höhere Bauweise des SUVs im Vergleich zum flachen Coupé entfallen zudem die sogenannten „Fußgaragen“ im Fond. Branchenberichten zufolge könnte die nutzbare Akkukapazität dadurch auf knapp 130 kWh (rund 129,5 kWh netto) ansteigen. Genaue Details dazu dürften bei der Weltpremiere im Herbst 2026 folgen.
- Enorme Reichweite: Die Reichweite soll trotz der mächtigen Stirnfläche des sportlichen Kolosses bei rund 700 Kilometern nach WLTP liegen.
- Hyperschnelles Laden: Dank einer hochmodernen 800-Volt-Architektur soll das SUV mit über 600 kW laden können – Strom für mehr als 460 Kilometer fließt so in nur zehn Minuten in den Akku.
Chinas Medien gespalten: Mechanik hui, Software pfui?
In chinesischen Automobilkreisen und Medien wird die schiere mechanische Gewalt des AMG-Konzepts durchaus mit Respekt registriert. Die ultra-kompakten YASA-Motoren gelten in der Branche als ingenieurtechnische Meisterwerke. Doch die Begeisterung der chinesischen Kunden hat enge Grenzen.
In China wird die Definition von Premium-Elektromobilität längst nicht mehr über reine Beschleunigungswerte und Rundenzeiten definiert. Junge, betuchte Käufer fordern hochmoderne Smart-Cockpits, perfekt integrierte Displays und hochentwickelte, autonome Fahrfunktionen. Hier genau liegt das Problem: Während AMG mit künstlichem V8-Sound („AMGFORCE S+“ basierend auf echten Motoraufnahmen eines AMG GT R) und simulierten Gangwechseln versucht, europäische Petrolheads emotional abzuholen, wirkt dieses Konzept auf viele technologiebegeisterte Kunden im Reich der Mitte eher rückwärtsgewandt.
Hinzu kommt, dass Mercedes in China gerade ein E-Auto-Debakel nach dem anderen erlebt. Jüngstes Beispiel ist die Langversion des elektrischen CLA L, die speziell für den chinesischen Markt entwickelt und als großer Hoffnungsträger gefeiert wurde. Berichten zufolge wurden im ersten Halbjahr 2026 gerade einmal 627 Einheiten verkauft, woraufhin das Joint Venture die Produktion vorerst gestoppt haben soll. Ein verheerendes Signal für künftige Luxus-Stromer mit dem Stern.
Die Milliarden-Wette: Riskanter Kurs in Affalterbach
Dass der radikale E-Kurs von AMG auch intern umstritten ist, sickerte unlängst durch. Wie aus Berichten über die Konzernspitze hervorging, herrscht selbst unter Mercedes-Managern teilweise großer Unmut über die extremen Entwicklungskosten der sportlichen Stromer. Allein die AMG-Elektromodelle sollen Mercedes rund eine Milliarden Euro kosten – Geld, das angesichts schmelzender Margen schmerzhaft fehlt.
AMG-Chef Michael Schiebe gibt sich dennoch kämpferisch. Er verweist auf das erste Feedback von Händlern, die Prototypen bereits fahren durften:
„Als sie aus dem Auto stiegen, lächelten sie alle. Sie sagten, dass dies ihre Meinung über Elektroautos völlig verändert.“
Ob dieses Lächeln auch den anspruchsvollen chinesischen Kunden ins Gesicht gezaubert werden kann, bleibt abzuwarten. Das AMG GT SUV bringt zwar die stärkste Performance-Technologie mit, die Deutschland aktuell zu bieten hat. Doch in einem Markt, in dem etablierte Konkurrenten wie der Lotus Eletre oder lokale Luxus-Gegner die Spielregeln neu schreiben, könnte der emotionale V8-Elektro-Zwitter aus Affalterbach für Mercedes-AMG entweder zum genialen Befreiungsschlag oder zu einem extrem teuren Missverständnis werden.