Einleitung
Der Mercedes-AMG GT der zweiten Generation (Baureihe 192) vollzieht einen mutigen Wandel vom radikalen Sportwagen zum luxuriösen High-Performance-Coupé. Während der Vorgänger als lautstarker Transaxle-Athlet den Porsche 911 direkt attackierte, setzt das neue Modell auf eine breitere Spreizung. Die Kooperation mit dem SL-Roadster bringt eine neue Plattform, mehr Gewicht, aber auch signifikant mehr Komfort und Technologie.
Design & Verarbeitung
Optisch bleibt der GT seinen Wurzeln mit der extrem langen Motorhaube und dem markanten Panamericana-Grill treu. Die Linienführung wirkt jedoch eleganter und weniger aggressiv. Die aktive Aerodynamik, darunter ein verstecktes Luftregelsystem im Unterboden und ein ausfahrbarer Heckflügel, sorgt für Stabilität ohne aufgesetztes Spoiler-Werk. Die Verarbeitung im Interieur ist auf höchstem Niveau, wobei Materialien wie Nappa-Leder und offenporige Hölzer den luxuriösen Anspruch unterstreichen.
Innenraum & Komfort
Die größte Neuerung ist das 2+2-Sitzkonzept. Zwar sind die hinteren Plätze nur für Personen bis 1,50 Meter Körpergröße geeignet, doch sie erhöhen die Flexibilität im Alltag erheblich. Der Kofferraum bietet durch die umklappbaren Lehnen ein Volumen von bis zu 675 Litern – ein Rekordwert in dieser Klasse. Die Sitzposition ist etwas nach vorne gerückt, bietet aber exzellenten Seitenhalt und Komfort für lange Autobahnetappen.
Infotainmentsystem
Das Cockpit wird durch den vertikalen 11,9-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole dominiert. Das MBUX-System überzeugt durch intuitive Bedienung, auch wenn die Eingewöhnung einige Tage in Anspruch nimmt. Besonders hervorzuheben sind die AMG-spezifischen Telemetrie-Funktionen (Track Pace), die präzise Daten für Rennstrecken-Enthusiasten liefern. Ein optionales Head-up-Display und das Burmester-Soundsystem runden das digitale Erlebnis ab.
Antrieb & Fahrverhalten
Die Antriebspalette reicht vom effizienten Vierzylinder im GT 43 bis zum monströsen Hybrid im GT 63 S E Performance mit 816 PS. Das Herzstück bleibt jedoch der 4,0-Liter-V8-Biturbo, der im GT 63 mit 585 PS für Gänsehaut sorgt. Dank serienmäßiger Hinterachslenkung und aktiver Wankstabilisierung kaschiert der GT sein Gewicht von fast zwei Tonnen beeindruckend gut. Der variable Allradantrieb ermöglicht zudem sowohl wintertaugliche Traktion als auch spektakuläre Drifts.
Verbrauch & Unterhalt
Ein AMG GT ist ein kostspieliges Vergnügen. Realistische Verbräuche bewegen sich zwischen 12 und 15 Litern Super Plus pro 100 Kilometer. Einzig der Hybrid bietet auf Kurzstrecken Sparpotenzial. Hinzu kommen astronomische Kosten für Versicherung, exklusive Inspektionen und Verschleißteile wie die Carbon-Keramik-Bremse oder die teuren Performance-Reifen. Wer dieses Auto fährt, sollte die Unterhaltskosten im Budget einplanen.
Sicherheit & Assistenzsysteme
Mercedes stattet den GT mit modernster Sicherheitsarchitektur aus. Von adaptiven LED-Scheinwerfern bis hin zu hochsensiblen Notbrems- und Spurhalteassistenten ist alles an Bord, was die Marke auszeichnet. Das Fahrverhalten bleibt dank der Elektronik auch im Grenzbereich berechenbar, was besonders den weniger erfahrenen Fahrern auf der Rennstrecke zugutekommt.
Fazit
Der Mercedes-AMG GT ist erwachsen geworden. Er ist weniger Rennwagen, dafür mehr Gran Turismo als je zuvor. Trotz des deutlichen Gewichts-Plus bietet er Fahrleistungen auf Supercar-Niveau. Er ist die perfekte Wahl für Enthusiasten, die ein emotionales V8-Erlebnis suchen, ohne auf den Luxus und die Praktikabilität eines modernen Reise-Coupés verzichten zu wollen.