Der anlaufende Rückruf für den Hyundai Inster wiegt dabei besonders schwer. Die Ursache für das Problem liegt tief im Thermomanagementsystem des elektrischen Hoffnungsträgers vergraben: Betroffen ist das sogenannte Drei-Wege-Ventil, das den Kühlmittelkreislauf des Hochvoltsystems regelt. Nach offiziellen Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) kann im Inneren dieses Bauteils eine mechanische Beschädigung auftreten. Die Folge ist ein schleichender Kühlmittelaustritt.

Das birgt erhebliche Risiken für die Fahrzeugelektrik:

  • Sobald die austretende Flüssigkeit an stromführende Komponenten gelangt, kann ein Kurzschluss ausgelöst werden.
  • Ein solcher Kurzschluss kann im schlimmsten Fall eine starke Hitzeentwicklung zur Folge haben und eine akute Brandgefahr darstellen.

Unter der KBA-Referenznummer 16829R und dem herstellerinternen Aktionscode „61D127“ läuft die Aktion nun offiziell an. Glücklicherweise sind dem KBA im Zusammenhang mit diesem Fehler bisher keine Vorfälle gemeldet worden, bei denen es zu Sach- oder Personenschäden kam. Die Behörde warnt in ihrer Datenbank dennoch unmissverständlich:

„Beschädigung im Inneren des 3-Wege-Ventils kann zu Kühlmittelaustritt führen. In der Folge besteht Kurzschluss- und Brandgefahr.“

Welche Hyundai-Inster-Modelle sind betroffen?

Der weltweite Umfang dieses Rückrufs ist beträchtlich: Insgesamt müssen 40.045 Einheiten des Hyundai Inster zur Überprüfung. Für den deutschen Markt meldet das KBA exakt 14.610 betroffene Fahrzeuge. Eingegrenzt wird die fehlerhafte Charge auf den Produktionszeitraum vom 14. Februar 2024 bis zum 14. April 2026. Aufgrund des Seewegs aus dem südkoreanischen Werk betrifft dies auch viele Fahrzeuge, die erst kürzlich an Kunden ausgeliefert wurden.

Der Inster gilt eigentlich als künftiger Volumenbringer für Hyundai und soll insbesondere über ein starkes Preis-Reichweiten-Verhältnis Kunden gewinnen. Um die Preisangaben im Rahmen dieses Rückrufs korrekt einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die offizielle Preisliste von Hyundai Deutschland:

  • Das Einstiegsmodell in der Ausstattungslinie Select mit der 42-kWh-Batterie, 71 kW (97 PS) Leistung und bis zu 327 Kilometern Reichweite nach WLTP steht ab 24.400 Euro in den Listen.
  • Wer sich für das Select-Modell mit der größeren 49-kWh-Batterie (85 kW / 115 PS, bis zu 370 Kilometer Reichweite) entscheidet, zahlt mindestens 25.900 Euro.
  • Die mittlere Ausstattungslinie Trend startet mit dem kleinen 42-kWh-Akku ab 26.400 Euro.
  • Für die Trend-Variante mit der großen 49-kWh-Batterie werden wiederum mindestens 27.900 Euro fällig.

Diese offiziellen Tarife lassen sich transparent im aktuellen Online-Konfigurator von Hyundai Deutschland einsehen. Nun müssen sich die frisch ausgelieferten Elektro-Minis flächendeckend einer Überprüfung und Reparatur stellen.

Was betroffene Besitzer jetzt wissen müssen

Besitzer eines potenziell betroffenen Hyundai Inster müssen nicht in Hektik verfallen. Der Ablauf ist behördlich klar geregelt:

  1. Anschreiben abwarten: Die Halter der betroffenen Fahrzeuge werden über das KBA ermittelt und direkt von Hyundai per Post benachrichtigt, sobald die Halterdaten vorliegen.
  2. Kostenloser Austausch: In einer autorisierten Hyundai-Vertragswerkstatt wird das fehlerhafte Drei-Wege-Ventil gegen ein technisch optimiertes, absolut dichtes Bauteil ausgetauscht.
  3. Keine Kosten für Kunden: Da es sich um einen sicherheitsrelevanten Herstellermangel handelt, ist die gesamte Reparatur für die Besitzer vollkommen kostenlos.

Wer nicht auf Post warten möchte, kann auch proaktiv handeln. Über die Hyundai-Kundenhotline unter der Telefonnummer 069 – 3807 67212 lässt sich mithilfe der 17-stelligen Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) schnell klären, ob der eigene Stromer betroffen ist.

Zweiter Rückruf: Software-Sorgen bei Ioniq & Co.

Als wäre der Kühlmittel-Albtraum beim Inster nicht schon genug, läuft bei Hyundai zeitgleich noch eine zweite, separate Rückrufaktion. Unter den Herstellercodes „61DC02“ und „61D052“ (KBA-Referenznummer „16445R“) müssen weltweit 36.316 Fahrzeuge wegen eines Softwarefehlers im Cockpit zurückgerufen werden. Allein in Deutschland betrifft das 4.271 Autos.

Betroffen sind Modelle wie der Ioniq 5, Ioniq 6, Ioniq 9, der Kona (einschließlich Kona EV) sowie der Tucson und Santa Fe, die im Zeitraum vom 30. Juni 2025 bis zum 14. November 2025 produziert wurden. Bei diesen Fahrzeugen kann es während der Fahrt zu sporadischen Neustarts des Kombiinstruments (dem digitalen Display hinter dem Lenkrad) kommen.

For einen kurzen Moment bleibt der Bildschirm komplett schwarz. Die Gefahr dabei: Wichtige Fahrdaten wie die aktuelle Geschwindigkeit oder sicherheitsrelevante Warnhinweise werden zeitweise nicht angezeigt, was das Unfallrisiko erhöht. In der Werkstatt wird dieser Fehler durch ein kurzes Software-Update des Instrumenten-Clusters (Cluster-Software-Update) behoben. Auch diese Maßnahme ist für die Kunden selbstverständlich kostenlos.