Ein neuer Herausforderer mischt die elektrische Kompaktklasse massiv auf. Mit dem frisch enthüllten Ioniq 3 schicken die Koreaner ein Fahrzeug ins Rennen, das speziell auf den urbanen europäischen Markt zugeschnitten ist. Das auf der Milan Design Week präsentierte Modell zeigt eindrucksvoll, wie viel Elektroauto man künftig für weniger als 30.000 Euro erwarten darf. Gerade etablierte europäische Hersteller, die mit Modellen wie dem kommenden VW ID. Polo den Markt dominieren wollen, dürften bei diesen Spezifikationen sehr genau hinsehen.
Der Ioniq 3 zielt zielgenau auf die typischen Schwachstellen bisheriger Kompakt-Stromer: Reichweitenangst und eine eingeschränkte Alltagstauglichkeit. Mit seiner aerodynamischen "Aero Hatch"-Karosserieform holt das Fahrzeug das Maximum aus dem Akku heraus und hebt sich optisch deutlich von den oft sehr kastenförmigen Konkurrenten ab.
Ein Schaf im Wolfspelz mit Retro-Charme
Optisch bleibt Hyundai seiner gefeierten "Art of Steel"-Designsprache absolut treu. Typische Pixel-Leuchteinheiten, deren vier Lichtpunkte im Morse-Code den Buchstaben "H" signalisieren, prägen die schnittige Front. Mit einer Länge von 4,15 Metern und einer eher gedrungenen Fahrzeughöhe von 1,50 Metern duckt sich der Wagen sportlich auf den Asphalt. Der Radstand von 2,68 Metern sorgt derweil für kurze Überhänge und maximiert die Beinfreiheit im Innenraum.
Wer allerdings aufgrund der sportlichen Optik – besonders in der markanten N-Line-Ausstattung mit massiven Heckspoiler und schwarzen Kontrastelementen – einen Kurvenräuber erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Der Fokus liegt bei diesem Modell ganz klar auf Effizienz und Reichweite, nicht auf rasanter Fahrdynamik.
Bis zu 496 Kilometer – und ein kurioses Detail
Technisch baut der Kleinwagen auf der bewährten E-GMP-Plattform auf, nutzt hier aus Kostengründen jedoch eine 400-Volt-Architektur anstelle des teuren 800-Volt-Systems der größeren Geschwistermodelle. Zwei Akkugrößen stehen künftig zur Auswahl:
- Standard Range (42,2 kWh): Bietet alltagstaugliche rund 340 Kilometer Reichweite nach WLTP.
- Long Range (61 kWh): Knackt fast die magische Grenze und liefert beeindruckende 496 Kilometer.
Kurios wird es allerdings bei der Leistungsverteilung: Das Basismodell mit dem kleinen Akku bekommt mit 147 PS (108 kW) überraschenderweise den stärkeren Elektromotor. Wer sich für die große Batterie entscheidet, muss sich mit 135 PS (99,5 kW) begnügen. Beide Varianten benötigen rund neun Sekunden für den Sprint auf Landstraßentempo – das ist vernünftig, aber eben kein Rennwagen-Niveau.
An der Schnellladesäule fließen maximal 119 kW Gleichstrom in den Akku, was eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in knapp 30 Minuten ermöglicht. Ein echtes Highlight für Laternengreifer und Stadtbewohner: Optional lässt sich ein 22-kW-Bordlader bestellen, was die Ladezeiten an öffentlichen AC-Säulen drastisch verkürzt.
"Der eigentliche Trumpf offenbart sich jedoch erst, wenn man hinter dem Lenkrad Platz nimmt. Hier verabschiedet man sich vom klinischen Touchscreen-Zwang."
Tesla-Style trifft auf analoge Tasten
Im Innenraum geht Hyundai neue Wege und hat offensichtlich auf das Feedback der europäischen Kundschaft gehört. Statt einer gigantischen Bildschirmlandschaft gibt es nun ein kleines, fahrernahes Display für die wichtigsten Fahrdaten und einen großen 14,6-Zoll-Monitor in der Mitte.
Besonders erfreulich: Physische Tasten feiern ein starkes Comeback! Egal ob die Klimaanlage, der Start-Stopp-Knopf oder die Schnellauswahl der Radiosender – viele wichtige Funktionen lassen sich wieder intuitiv und blind ertasten. Angetrieben wird das Infotainment vom völlig neuen "Pleos OS", das auf Android Automotive basiert und eine blitzschnelle, Smartphone-ähnliche Bedienung verspricht.
Auch beim Platzangebot sammelt der Ioniq 3 kräftig Punkte. Ein Frunk unter der vorderen Haube fehlt zwar (hier sitzt nun praktisch platziert der Ladeanschluss), dafür bietet der eigentliche Kofferraum starke 441 Liter Volumen. Dies wird durch eine clevere 119 Liter fassende "Megabox" tief unter dem Ladeboden erreicht.
Für einen geschätzten Basispreis von rund 27.500 Euro schnürt Hyundai hier ein überaus attraktives Paket, das im Spätsommer 2026 den hart umkämpften Markt der elektrischen Kleinwagen gehörig unter Strom setzen dürfte.