Der Preiskampf und der Wandel zur Elektromobilität wirbeln die Pläne der etablierten Autobauer gehörig durcheinander. Im Juli 2023 lief in Köln-Niehl der letzte Ford Fiesta vom Band – ein emotionaler Tiefschlag für Millionen von Fans und ein radikaler strategischer Schritt. Ford wollte sich in Europa neu erfinden, strich die volumenstarken, aber margenschwachen Klein- und Kompaktwagen komplett zusammen und setzte stattdessen auf große, teurere Elektro-SUVs. Doch diese Strategie stieß an ihre Grenzen.
Der europäische Markt verlangt nach bezahlbaren und zugleich emotionalen Elektroautos. Während Konkurrenten wie Renault mit dem neuen Renault 5 E-Tech große Erfolge feiern, klaffte im Ford-Portfolio eine gewaltige Lücke. Ford hat schmerzhaft begreifen müssen, dass das Aus für den Fiesta eine Lücke hinterlassen hat, die dringend gefüllt werden muss. Um in Europa wieder im B-Segment anzugreifen, ohne Jahre für die Entwicklung einer eigenen, kostengünstigen Kleinwagenplattform zu verlieren, geht der Autobauer nun einen ungewöhnlichen Weg: Man kauft die Technik beim französischen Konkurrenten Renault ein.
Herzstück aus Frankreich: Die Alpine-A290-Plattform
Als technische Basis für den neuen elektrischen Fiesta, der voraussichtlich ab Anfang 2028 auf den Straßen rollen soll, dient die hocheffiziente „AmpR Small“-Plattform von Renault (ehemals CMF-B EV). Diese flexible Plattform bildet auch das Fundament für den Renault 5 und den neuen Renault 4.
Doch für sportlich ambitionierte Fahrer wird es erst richtig spannend: Ford plant nicht nur einen braven City-Stromer, sondern will auch das sportliche Erbe des legendären ST-Modells in das Elektrozeitalter retten. Christian Weingartner, Produktchef von Ford in Europa, betonte in einem Interview mit dem Magazin Auto Express die Notwendigkeit von sportlichen Ablegern:
„Wir haben noch keine Entscheidung über die Namensgebung getroffen, aber es ist ganz klar: Wenn es um den Einsatz auf der Straße geht, wollen wir wirklich leistungsfähige Fahrzeuge anbieten. Um glaubwürdig und authentisch zu sein, brauchen wir eine Performance-Serie unserer Fahrzeuge; das ist unerlässlich.“
Die perfekte technische Vorlage für einen elektrischen Fiesta ST liefert die französische Sportwagenmarke Alpine mit dem A290, der ebenfalls auf der AmpR Small-Architektur basiert. Dessen Topversion leistet stolze 218 PS (160 kW) und mobilisiert ein Drehmoment von 300 Nm. Dank einer breiteren Spur, reduzierter Bodenfreiheit und einer sportlich abgestimmten Aufhängung würde der elektrische Fiesta ST damit zu einer echten Fahrmaschine werden. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dürfte in rund 6,4 Sekunden gelingen.
Was das für die Fans bedeutet
Die Sorge vieler Puristen, dass der neue Fiesta ST lediglich ein umgelabeltes französisches Auto werden könnte, versucht Ford im Keim zu ersticken. Zwar wird die Plattform mitsamt Batterie- und Motorentechnologie aus Frankreich geliefert, doch Karosserie, Design und vor allem die Feinabstimmung sollen die unverwechselbare Ford-Handschrift tragen.
Hier sind die wichtigsten Eckpunkte des geplanten Comebacks:
- Eigenständiges Design: Optisch soll sich der Fiesta deutlich an seiner eigenen Historie orientieren und mit modernen Retro-Zitaten an legendäre Ahnen erinnern.
- Fahrdynamik: Die Ford-Ingenieure werden das Fahrwerk und die Lenkung selbst abstimmen, um das für die Marke typische, agile Go-Kart-Gefühl zu garantieren.
- Zwei Akku-Größen: Für die Standardmodelle werden Batterien mit 40 kWh und 52 kWh erwartet, was alltagstaugliche WLTP-Reichweiten von bis zu 410 Kilometern ermöglichen dürfte.
- Produktion in Frankreich: Gebaut wird der elektrische Kleinwagen allerdings nicht mehr in Köln, sondern in Renaults hochmodernem Fertigungszentrum „ElectriCity“ in Nordfrankreich.
Auch wenn die Kooperation mit einem einstigen Rivalen für manche Ford-Enthusiasten zunächst gewöhnungsbedürftig sein mag: Ohne diese strategische Allianz gäbe es wohl überhaupt keine Zukunft für den Fiesta. So dürfen sich Autofans auf ein echtes Performance-Highlight freuen, das frischen Wind in das Segment der elektrischen Hot Hatches bringt.