Einleitung

Mit dem Polestar 4 präsentiert die schwedisch-chinesische Marke ein Fahrzeug, das Konventionen bricht. Als SUV-Coupé zwischen dem kompakten Polestar 2 und dem Oberklasse-SUV Polestar 3 positioniert, sticht es vor allem durch den Verzicht auf eine Heckscheibe hervor. Das Modell verspricht eine Symbiose aus skandinavischem Minimalismus, hoher Effizienz und moderner Technik.

Design & Verarbeitung

Das auffälligste Merkmal des Polestar 4 ist das geschlossene Heck. Was zunächst wie ein Design-Gag wirkt, soll die Aerodynamik verbessern und eine flachere Silhouette ermöglichen. An der Front zeigt der Wagen die neue „Dual Blade“-Lichtsignatur, eine Weiterentwicklung des bekannten Hammer-Designs. Die Verarbeitung ist auf Premium-Niveau: Klare Linien und bündige Türgriffe unterstreichen den futuristischen Anspruch des 4,84 Meter langen Crossovers.

Innenraum & Komfort

Im Interieur setzt Polestar auf Nachhaltigkeit und Raumgefühl. Dank des Radstandes von drei Metern genießen besonders Fondpassagiere eine Beinfreiheit, die normalerweise der Oberklasse vorbehalten ist. Die Sitze bestehen wahlweise aus recycelten PET-Flaschen oder biozertifiziertem Leder und bieten exzellenten Komfort. Da die Heckscheibe fehlt, zieht sich das serienmäßige Glasdach weit nach hinten, was für eine luftige Atmosphäre sorgt. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Steuerung fast aller Funktionen, inklusive der Spiegel- und Lenkradverstellung, erfolgt über den Touchscreen.

Infotainmentsystem

Das Herzstück des Cockpits ist der 15,4 Zoll große Touchscreen im Querformat. Das auf Android Automotive basierende System überzeugt durch flüssige Bedienung, native Google Maps Integration und eine wache Sprachsteuerung. Apps wie Spotify oder YouTube sind direkt verfügbar. Kritik gibt es jedoch für die starke Ablenkung, da physische Tasten für Klimaanlage oder Licht fast vollständig fehlen.

Antrieb & Fahrverhalten

Kunden haben die Wahl zwischen dem „Single Motor“ mit 272 PS (Hinterradantrieb) und dem „Dual Motor“ mit 544 PS (Allrad). Während die Basisversion solide Fahrleistungen bietet, beschleunigt das Topmodell in beeindruckenden 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Das Fahrverhalten ist dank des niedrigen Schwerpunkts stabil und direkt. Das hohe Leergewicht von über 2,2 Tonnen macht sich jedoch in engen Kurven durch eine leichte Untersteuerneigung bemerkbar. Die semiaktiven Dämpfer der Allradversion sorgen für einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort.

Reichweite & Verbrauch

Die 100-kWh-Batterie (94 kWh netto) ermöglicht laut WLTP-Zyklus Reichweiten von bis zu 620 Kilometern. Im realen Testalltag sind bei normaler Fahrweise Werte um die 535 Kilometer realistisch. Mit einer maximalen DC-Ladeleistung von 200 kW erstarkt der Akku in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Ein nützliches Extra ist der optionale 22-kW-Bordlader, der die Ladezeit an öffentlichen AC-Säulen im Vergleich zum Standardlader halbiert.

Sicherheit & Assistenzsysteme

Polestar nutzt die umfangreiche Sensorik der Konzernmutter Volvo. Elf Außenkameras und zwölf Ultraschallsensoren überwachen das Umfeld lückenlos. Den fehlenden Blick durch die Heckscheibe ersetzt ein hochauflösender Kameraspiegel, der bei Nacht oder schlechtem Wetter sogar eine bessere Sicht bietet als ein konventionelles Glasfenster. Die Assistenzsysteme, inklusive Pilot Assist, arbeiten weitgehend zuverlässig und unterstützen den Fahrer effektiv.

Fazit

Der Polestar 4 ist ein mutiges Statement für Ästheten und Technik-Liebhaber. Er bietet massig Platz, starke Fahrleistungen und eines der besten Infotainmentsysteme am Markt. Der Verzicht auf die Heckscheibe und die radikale Digitalisierung der Bedienung erfordern jedoch eine gewisse Umgewöhnung. Wer ein exzentrisches, aber gleichzeitig praktisches Elektroauto mit hoher Reichweite sucht, findet hier eine erstklassige Alternative zum Tesla Model Y oder Audi Q6 e-tron.