Einleitung

Mit dem Mazda 6e meldet sich die Marke in der elektrischen Mittelklasse zurück. Der Nachfolger des legendären Mazda 6 entstand in Kooperation mit Changan Automotive und bricht radikal mit alten Konventionen. Als elegante Fließhecklimousine positioniert, zielt er direkt auf Konkurrenten wie den VW ID.7 oder das Tesla Model 3, punktet dabei jedoch mit einem deutlich niedrigeren Einstiegspreis von rund 44.900 Euro.

Design & Verarbeitung

Optisch besticht der 6e durch eine athletische Silhouette und die markante Frontpartie mit dem leuchtenden "Signature Wing". Die bündig abschließenden Türgriffe und der aktive Heckspoiler sorgen für eine moderne Aerodynamik. In Sachen Verarbeitung liefert Mazda ein Meisterstück ab: Während europäische Mitbewerber oft an Kunststoffen sparen, bietet der Mazda 6e im Innenraum hochwertige Metallapplikationen und weiche Oberflächen, die auf Premium-Niveau agieren. Kleine Abzüge gibt es lediglich für Details wie knarzende Mittelarmlehnen oder scharfe Kanten im nicht sichtbaren Bereich.

Innenraum & Komfort

Dank 2,90 Metern Radstand genießen Passagiere im Fond eine überdurchschnittliche Beinfreiheit. Die Sitze, besonders in der "Takumi Plus"-Ausstattung mit Nappaleder und Velours, sind langstreckentauglich und bieten guten Halt. Trotz der flachen Bauweise ist die Kopffreiheit auch für größere Personen angemessen. Der Kofferraum fällt mit 345 bis 466 Litern (je nach Messung) für ein 4,92 Meter langes Auto jedoch eher knapp aus und das Umlegen der Rückbank erfordert den Weg um das Fahrzeug herum.

Infotainmentsystem

Mazda setzt beim 6e fast vollständig auf digitale Steuerung. Der imposante 14,6-Zoll-Touchscreen reagiert flüssig und bietet eine kabellose Smartphone-Integration. Kritisch zu hinterfragen ist jedoch die Entscheidung, essenzielle Funktionen wie die Scheibenwischer-Steuerung oder die Spiegelverstellung in Untermenüs des Bildschirms zu verbannen. Ein 50 Zoll großes Augmented-Reality-Head-up-Display und eine hochauflösende 360-Grad-Kamera ergänzen das technologische Paket sinnvoll.

Antrieb & Fahrverhalten

Der 190 kW (258 PS) starke Heckantrieb sorgt für souveräne Fahrleistungen und einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden. Das Fahrwerk ist primär auf Komfort ausgelegt und schluckt Bodenwellen gelassen weg. Zwar wirkt die Lenkung etwas künstlich und das Bremsgefühl entkoppelt, doch in Kurven überzeugt die Limousine durch stabilen Grip und eine geringe Wankneigung. Der Mazda 6e ist kein radikaler Sportler, sondern ein entspannter Gleiter.

Reichweite & Verbrauch

Zwei Akku-Optionen stehen zur Wahl: Ein 68,8-kWh-LFP-Akku und eine 80-kWh-NMC-Batterie. Im ADAC-Test erreichte die Basisversion eine solide Reichweite von 420 Kilometern bei einem Durchschnittsverbrauch von 18,5 kWh/100 km. Paradox: Während die kleinere Batterie mit bis zu 165 kW schnell lädt (10-80% in 24 Min.), ist die Long-Range-Variante mit nur 90 kW Ladeleistung deutlich langsamer und benötigt fast 50 Minuten für denselben Vorgang.

Sicherheit & Assistenzsysteme

Die Ausstattung an Assistenzsystemen ist bereits serienmäßig sehr umfangreich. Allerdings neigen einige Systeme, wie der Spurhalteassistent oder die Aufmerksamkeitswarner, zu einer teils übervorsichtigen Bevormundung. Positiv hervorzuheben sind die exzellenten LED-Matrix-Scheinwerfer und die robusten Bremswerte, die im Test für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Fazit

Der Mazda 6e ist eine stilvolle und komfortable Alternative im Elektro-Dschungel. Er bietet mehr Luxus und Ambiente als viele teurere Konkurrenten. Wer mit dem kleinen Kofferraum und der gewöhnungsbedürftigen Touch-Bedienung leben kann, erhält ein exzellent verarbeitetes Fahrzeug mit großzügiger 6-Jahres-Garantie. Käufer sollten jedoch genau abwägen, ob sie die höhere Reichweite des Long Range gegen die deutlich langsamere Ladegeschwindigkeit eintauschen möchten.