Das lange Warten hat ein Ende: Volkswagen bringt mit dem ID. Polo endlich den lang versprochenen Elektro-Kleinwagen für unter 25.000 Euro auf den Markt. Das neue Einstiegsmodell, das optisch an das Erbe des legendären Verbrenner-Klassikers anknüpft, soll nicht nur preislich eine echte Kampfansage an die Konkurrenz sein, sondern auch die ungeliebte Ära der unbeleuchteten Touchslider-Flächen endgültig beenden. Mit der offiziellen Premiere und dem bevorstehenden Verkaufsstart steht fest: Die Wolfsburger meinen es ernst. Doch wie schlägt sich der E-Polo im ersten Fahrbericht auf der Straße? Wir haben das neue Volks-Elektroauto genau unter die Lupe genommen.

Platzwunder dank MEB+ Plattform

Der ID. Polo basiert auf der neu entwickelten MEB+-Plattform (auch MEB Entry genannt), die speziell für kompakte E-Autos mit Frontantrieb konzipiert wurde. Weil der Elektromotor im Gegensatz zu Modellen wie dem ID.3 vorne sitzt, ergibt sich ein hervorragendes Packaging mit unschlagbar viel Nutzwert im Heck.

Trotz einer knackigen Außenlänge von nur 4,05 Metern bietet der ID. Polo einen erstaunlich großzügigen Radstand von 2,60 Metern. Zudem ist der Wagen mit 1,82 Metern Breite rund sieben Zentimeter breiter als ein klassischer Verbrenner-Polo. Das sorgt für Golf-ähnliche Platzverhältnisse im Innenraum. Ein absolutes Ausrufezeichen setzt der Kofferraum: Er fasst stattliche 435 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.243 Liter erweitern. Unter dem variablen Ladeboden befindet sich zudem ein riesiges Fach, das mühelos mehrere Einkaufskisten aufnimmt. Einen Frunk (Kofferraum unter der Motorhaube) gibt es zwar nicht, dafür überzeugt der ID. Polo mit einer echten Seltenheit in dieser Klasse: Er bietet eine Anhängelast von bis zu 1.200 Kilogramm bei der großen Batterie (500 kg beim Basismodell) und eine Stützlast von 75 Kilogramm – ideal für den Transport schwerer E-Bikes.

Agile Reife auf der Straße: So fährt sich der neue E-Polo

Bei unserer ersten Ausfahrt zeigt der rund 1,5 Tonnen schwere Kleinwagen eine beeindruckende Reife, die man sonst eher aus höheren Fahrzeugklassen kennt. Durch die flach im Unterboden integrierte Batterie liegt der Schwerpunkt extrem tief. Das verleiht dem ID. Polo ein überaus agiles und handliches Fahrverhalten in Kurven.

Das Fahrwerk – eine Kombination aus MacPherson-Federbeinen an der Vorderachse und einer Verbundlenkerachse hinten – ist hervorragend abgestimmt. Es federt grobe Unebenheiten, Querfugen und Kopfsteinpflaster sehr harmonisch ab, ohne dabei schwammig zu wirken. Die Lenkung arbeitet präzise und bietet ein gutes Gefühl für die Straße.

Besonders positiv fällt das neue One-Box-Bremssystem auf: Der Übergang zwischen der rein elektrischen Rekuperation und der mechanischen Scheibenbremse verläuft absolut linear. Das oft kritisierte, teigige Pedalgefühl älterer Elektroautos gehört hier der Vergangenheit an. Wer möchte, kann zudem das One-Pedal-Driving aktivieren. Im B-Modus verzögert der E-Polo so stark und harmonisch, dass das Bremspedal im Stadtverkehr fast überflüssig wird. Für sportliche Naturen setzt der ID. Polo GTI dem Ganzen die Krone auf: Mit 226 PS (166 kW), adaptivem DCC-Sportfahrwerk und einer elektronischen Vorderachsquersperre sprintet er in nur 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und fährt bis zu 175 km/h schnell. Die Standardmodelle sind elektronisch auf 160 km/h begrenzt.

LFP- und NMC-Batterien: Reichweite und Ladeleistung

Unter dem Blech haben Käufer die Wahl zwischen zwei Batterie-Zellchemien, die perfekt auf unterschiedliche Nutzungsprofile abgestimmt sind:

  • 37 kWh LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat): Das robuste und langlebige Einstiegsmodell bietet eine WLTP-Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Die Ladeleistung beträgt an der AC-Wallbox serienmäßig 11 kW, am DC-Schnelllader zieht der Basis-Polo mit bis zu 90 kW. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent gelingt so in rund 27 Minuten. Als Antrieb dienen wahlweise 116 PS (85 kW) oder 135 PS (99 kW).
  • 52 kWh NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt): Die größere Batterie sorgt für eine alltagstaugliche WLTP-Reichweite von bis zu 455 Kilometern. Geladen wird hier am Schnelllader mit bis zu 130 kW, wodurch die Batterie in nur 23 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt ist. Kombiniert wird dieser Akku mit einem kräftigen Elektromotor, der im Pro-Modell stolze 211 PS (155 kW) leistet. Beide Akkugrößen unterstützen zudem das bidirektionale Laden (Vehicle-to-Load) mit bis zu 3,6 kW.

Die Cockpit-Revolution: VW lernt aus Fehlern

Das größte Highlight für viele Kunden wartet jedoch im Innenraum. Volkswagen hat die heftige Kritik an der Ergonomie der ersten ID-Modelle konsequent umgesetzt. Im ID. Polo gibt es keine unbeleuchteten Touchslider mehr. Am neu gestalteten Lenkrad sowie für die Steuerung der Klimaanlage kommen wieder echte, physische Tasten und griffige Drehregler zum Einsatz.

Auch qualitativ macht der E-Kleinwagen einen riesigen Sprung nach vorn. Statt karger Hartplastik-Wüsten ist das Armaturenbrett mit wohnlichem Stoff bezogen, und weiche Oberflächen dominieren die Berührungspunkte. Hinter dem Lenkrad blickt der Fahrer auf ein 10,25 Zoll großes Digital Cockpit, das mit einem genialen Detail aufwartet: Über verschiedene Retro-Skins lässt sich die Grafik im Stil klassischer VW-Klassiker wie dem Ur-Golf (Golf I) oder dem legendären Käfer darstellen. Das zentrale Infotainmentsystem mit 13-Zoll-Bildschirm basiert auf einer neuen Android-Software, die im Test extrem flüssig lief und blitzschnell auf Eingaben reagierte.

„Der ID. Polo fühlt sich endlich wieder an wie ein echter Volkswagen – qualitativ hochwertig, durchdacht und unkompliziert im Alltag.“

Preise und Marktstart: Was kostet der Volks-Stromer?

Der Einstiegspreis für das Basismodell „Trend“ mit der 37-kWh-Batterie und 116 PS liegt bei exakt 24.995 Euro. Die Bestellbücher für diese günstige Variante öffnen im Laufe des Sommers 2026.

Wer nicht so lange warten möchte oder mehr Reichweite benötigt, kann bereits seit Ende April die reichweitenstärkere 52-kWh-Version ordern. Der Einstieg beginnt hier mit der Ausstattungslinie „Life“ ab 33.795 Euro, die unter anderem bereits eine Einparkhilfe vorn und elektrisch anklappbare Außenspiegel bietet. Die offizielle Auslieferung der ersten Fahrzeuge soll Ende August 2026 starten. Als einzige aufpreisfreie Lackierung bietet VW das auffällige Pythongelb-Uni an – andere Farben wie Candy-Weiß, Tornadorot oder edle Metallic-Töne kosten extra.

Unser Fazit nach der ersten Fahrt

Der VW ID. Polo ist genau das Auto, das Volkswagen jetzt braucht. Er beweist im ersten Fahrtest nicht nur hervorragende, erwachsene Fahreigenschaften und ein überragendes Platzangebot auf dem Niveau eines Golfs, sondern korrigiert auch die schmerzhaften Ergonomie-Fehler der Vergangenheit. Für unter 25.000 Euro ist der Einstiegs-Polo eine echte Ansage an die elektrische Konkurrenz und ein würdiger Träger des traditionsreichen Namens.