Der Toyota Hilux gilt weltweit als das unkaputtbare Nutztier schlechthin. Seit seiner Einführung im Jahr 1968 wurde der japanische Pickup über 27 Millionen Mal verkauft und meistert härteste Einsätze in Minen, Wüsten und auf Baustellen. Doch auch eine Legende muss mit der Zeit gehen. Nach über einem Jahrzehnt Bauzeit der achten Generation bringt Toyota nun die grundlegend erneuerte neunte Auflage nach Deutschland. Und die bricht mit einer eisernen Tradition: Neben dem klassischen Selbstzünder gibt es den Hilux erstmals mit reinem Batterieantrieb.

Toyota verfolgt damit konsequent seine Multi-Path-Strategie. Das bedeutet für deutsche Kunden maximale Wahlfreiheit – allerdings mit deutlichen Unterschieden bei den praktischen Talenten der beiden Antriebskonstruktionen.

Ein neuer Look für das unzerstörbare Arbeitstier

Optisch macht die neunte Generation einen gewaltigen Sprung nach vorn. Unter dem Designkonzept „Tough x Agile“ (robust und agil) präsentiert sich der 5,32 Meter lange Pickup deutlich moderner und fast schon wie ein Lifestyle-SUV. Die Frontpartie wirkt bulliger, geschmückt mit scharf geschnittenen LED-Scheinwerfern. Während die Diesel-Variante über einen dominanten, offenen Kühlergrill verfügt, kommt der elektrische Hilux BEV mit einer aerodynamisch geschlossenen Maske daher.

Praktisches Detail für den Arbeitsalltag: Toyota hat clevere Trittstufen direkt in die Seitenwände der Ladefläche integriert, was das Be- und Entladen erleichtert. In Europa wird der neue Hilux übrigens ausschließlich als viertürige Doppelkabine (Double Cab) angeboten, da dies der klaren Kundennachfrage entspricht.

Auch im Innenraum ist die Zeit des kargen Nutzfahrzeug-Chics vorbei. Das Cockpit orientiert sich spürbar am aktuellen Toyota Land Cruiser. Neben einem horizontal gestalteten Armaturenbrett blickt der Fahrer auf volldigitale Instrumente und steuert Navigation sowie Medien über einen bis zu 12,3 Zoll großen Touchscreen. Trotz aller Digitalisierung bleiben wichtige Funktionen wie die Allrad- und Geländeeinstellungen über physische, robuste Kipp- und Drehschalter bedienbar.

Diesel vs. Elektro: Welcher Antrieb passt zu wem?

Unter der Haube trennen sich die Wege der beiden Hilux-Geschwister deutlich. Die Unterschiede bei Nutzlast, Anhängelast und Reichweite bestimmen maßgeblich das jeweilige Einsatzgebiet:

  • Der Dauerläufer: 2.8 Hybrid 48V (Diesel-Mildhybrid) Hier arbeitet der bewährte 2,8-Liter-Dieselmotor mit 150 kW (204 PS) und satten 500 Nm Drehmoment, der nun von einem 48-Volt-Mildhybrid-System unterstützt wird. Das System sorgt für eine sanftere Beschleunigung, ein geschmeidigeres Start-Stopp-Verhalten und fängt beim Bremsen Energie wieder auf. Mit einer Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen und einer vollen Tonne Nutzlast auf der Pritsche bleibt dieser Hilux der unangefochtene Champion für schwere Arbeitseinsätze und Langstrecken. Der Einstiegspreis liegt bei 53.490 Euro.

  • Der Pionier: Hilux BEV (Vollelektrisch) Die rein elektrische Variante leistet 144 kW (196 PS) und verfügt über einen permanenten Allradantrieb mit zwei Elektromotoren. Gespeist wird der E-Antrieb aus einer im Leiterrahmen integrierten 59,2-kWh-Lithium-Ionen-Batterie. Die Reichweite beträgt laut Hersteller kombiniert bis zu 257 Kilometer (im reinen Stadtverkehr bis zu 380 Kilometer). Beim Schnellladen an einer DC-Säule zieht der Stromer mit bis zu 130 bis 150 kW Leistung, womit der Akku in etwa 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent gefüllt ist.

Allerdings fordert die schwere Batterie ihren Tribut beim Nutzwert: Die Anhängelast sinkt drastisch auf 1.600 Kilogramm, und auch die maximale Nutzlast geht auf 715 Kilogramm zurück. Zudem startet der Hilux BEV erst bei stolzen 70.210 Euro.

Unangetastete Geländekompetenz im harten Alltag

Eines haben jedoch beide Versionen gemeinsam: Sie sind echte Geländegänger. Toyota hält unbeirrt an der robusten Leiterrahmen-Konstruktion fest. Um die empfindliche Batterie der Elektro-Version im harten Offroad-Einsatz vor Beschädigungen durch Felsen oder Baumstämme zu schützen, spendieren die Japaner dem BEV einen speziellen, massiven Unterfahrschutz und einen patentierten Batterieträger.

Mit einer Bodenfreiheit von über 20 Zentimetern und exzellenten Böschungswinkeln wühlt sich auch der lautlose Hilux mühelos durch tiefen Matsch. Unterstützt wird er dabei durch das weiterentwickelte Multi-Terrain-Select-System, das mit speziellen Offroad-Fahrmodi wie „Sand“, „Schlamm“ oder „Fels“ die Traktion vollautomatisch regelt.

Fazit: Die Qual der Wahl für Handwerk und Forst

Mit der neunten Generation führt Toyota den Hilux erfolgreich in die Ära der Elektromobilität, ohne die treue Diesel-Kundschaft zu verprellen. Während der Mildhybrid-Diesel weiterhin die erste Wahl für schwere Anhänger, weite Autobahnetappen und maximale Zuladung bleibt, bietet der Hilux BEV eine hochinteressante Alternative für kommunale Betriebe, Forstämter oder Handwerker mit planbaren, regionalen Routen, die lokal emissionsfrei und nahezu geräuschlos arbeiten wollen. Und wer noch weiter in die Zukunft blicken möchte: Für das Jahr 2028 hat Toyota bereits eine Variante mit Wasserstoff-Brennstoffzelle angekündigt.