Es ist selten, dass ein Auto schon vor dem ersten gefahrenen Meter so viel Sympathie weckt wie die Neuauflage des Renault Twingo. Die Kulleraugen sind zurück, das freundliche „Lächeln“ an der Front ebenso, und vor allem das Versprechen, Mobilität wieder bezahlbar zu machen. Während Volkswagen noch am ID.1 tüftelt und viele Elektro-Kleinwagen preislich eher in der Mittelklasse wildern, macht Renault ernst: Die Bestellbücher für die Basisversion „Evolution“ sind geöffnet, und das Datenblatt liest sich für Pendler überraschend vernünftig.

262 Kilometer, die zählen

Das wichtigste Argument für den Stadtflitzer ist nicht nur der Preis, sondern was man dafür bekommt. Statt einer Alibi-Reichweite spendiert Renault dem Twingo Evolution einen 27,5-kWh-Akku, der laut WLTP bis zu 262 Kilometer schaffen soll. Im reinen Stadtverkehr dürfte dieser Wert sogar noch realistischer sein als bei großen SUVs, da der kleine Franzose mit einem Normverbrauch von gut 13 kWh auf 100 Kilometer äußerst sparsam mit der Energie umgeht.

Für die Langstrecke ist der Twingo zwar nicht gebaut, aber auch kein Hindernis: Mit serienmäßigen 50 kW Gleichstrom-Ladeleistung füllt sich der Akku in etwa 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Wer zu Hause oder an der städtischen Säule lädt, freut sich über den 11-kW-AC-Lader – ein Feature, das bei der Konkurrenz oft aufpreispflichtig oder gar nicht verfügbar ist.

Ein Raumwunder wie in den 90ern

Was den ersten Twingo zur Legende machte, war sein Innenraumkonzept. Renault hat gut daran getan, genau dieses Feature wiederzubeleben. Auch im elektrischen Evolution-Modell lassen sich die Rücksitze separat verschieben. Braucht man Platz für den Wocheneinkauf, schiebt man die Sitze nach vorne; fahren Freunde mit, gibt es im Fond erstaunlich viel Beinfreiheit. Bis zu 1.000 Liter Ladevolumen bei umgeklappten Sitzen sind in dieser Fahrzeugklasse eine echte Ansage.

Ausstattung: Basis, aber nicht billig

Wer bei einem Einstiegspreis von 19.990 Euro nacktes Blech erwartet, wird enttäuscht – im positiven Sinne. Die Evolution-Ausstattung kommt bereits mit:

  • Klimaanlage
  • Einparksensoren hinten
  • 10-Zoll-Touchscreen mit Smartphone-Integration
  • Tempomat

Verzichten muss man in der Basis auf Spielereien wie die großen Google-Dienste oder Alufelgen, die der teureren „Techno“-Linie vorbehalten sind. Doch für den urbanen Alltag bietet die Evolution-Variante genau das, was wirklich zählt: Konnektivität und Komfort ohne unnötigen Ballast.

Fazit: Der Volkswagen, der nicht von VW kommt

Mit dem Twingo Evolution zeigt Renault, wie Elektromobilität in der Breite funktionieren kann. Zieht man potenzielle Förderungen ab, landet der Wagen rechnerisch in Bereichen, die bisher Verbrennern vorbehalten waren. Für die Konkurrenz, insbesondere den Dacia Spring oder den kommenden Fiat Grande Panda, wird die Luft dünner. Der Twingo punktet mit Charme, Variabilität und einer Technik, die für 90 Prozent aller Alltagsfahrten völlig ausreicht. Wenn die Auslieferungen im Sommer starten, werden wir wohl wieder viele bunte Farbtupfer in unseren grauen Innenstädten sehen.