Die Zeiten, in denen deutsche Premium-Hersteller die globale Transformation im Alleingang und im Rekordtempo diktieren konnten, sind vorerst vorbei. Das bekommt auch der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche schmerzhaft zu spüren. Nachdem die Gewinne eingebrochen sind und das wichtige China-Geschäft stark schwächelt, zieht die Chefetage die Reißleine. Michael Leiters, der im Januar 2026 den Posten an der Spitze von Oliver Blume übernahm (welcher sich nun voll auf die Führung des VW-Mutterkonzerns konzentriert), hat in einem vielbeachteten Interview im Juli 2026 die geopolitischen und wirtschaftlichen Realitäten schonungslos eingeordnet:

„Porsche kann allein in der heutigen Form nicht überleben.“

Diese Aussage ist jedoch keine existenzielle Panikmeldung, sondern ein klarer Appell zur strukturellen Reform. Leiters verdeutlicht damit, dass Porsche zwingend von den gemeinsamen Investitionen und Größenvorteilen des Volkswagen-Konzerns profitieren muss. Gleichzeitig fordert er im eigenen Haus ein Umdenken: Porsche müsse künftig wieder wie ein agiler, bodenständiger Mittelständler agieren und jeden Euro hinterfragen.

Drei Phasen für eine krisenfeste Zukunft

Mit dem neuen Strategieplan „Sportwagenschmiede 2035“ will der neue CEO die Rendite sichern und das Unternehmen deutlich krisenfester aufstellen. Die Neuausrichtung ist langfristig angelegt und gliedert sich in drei klare Phasen:

  1. Konsolidierung und Einsparungen (Phase 1): In den kommenden zwei Jahren geht es primär um harte Kostensenkungen. Ein mit dem Betriebsrat ausgehandeltes „Zukunftspaket“ sieht den sozialverträglichen Abbau von weiteren 5.000 Stellen bis 2035 in der Region Stuttgart (Zuffenhausen und Weissach) vor. Zusammen mit bereits beschlossenen Kürzungen schrumpft die Belegschaft damit um fast 8.900 Arbeitsplätze. Im Gegenzug investiert Porsche jedoch rund 2,1 Milliarden Euro in die deutschen Standorte und garantiert eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2035. Allerdings müssen die Mitarbeiter dafür harte Einschnitte hinnehmen: Tariferhöhungen werden bis 2035 zeitweise um insgesamt 3,5 Prozent einbehalten, das Weihnachtsgeld sinkt drastisch auf 60 Prozent eines Monatsgehalts und mobiles Arbeiten wird auf maximal acht Tage im Monat begrenzt.
  2. Die Produkt-Kehrtwende (Phase 2): Weil die Nachfrage nach reinen Stromern schwächelt, rückt der Verbrennungsmotor wieder stärker in den Fokus. So soll voraussichtlich ab 2028 oder 2029 ein neues Verbrenner-Pendant zum aktuell rein elektrischen Macan auf den Markt kommen, um Umsatz und Profitabilität abzusichern. Als Basis dient dafür eine angepasste Plattform des Audi Q5.
  3. Fokus auf Luxus-Segmente (Phase 3): Um globale Krisenherde – insbesondere drohende Importzölle in den USA – abzufedern, plant Porsche neue, extrem margenstarke Modelle oberhalb des Cayenne und oberhalb des legendären 911. Höhere Verkaufspreise in Nordamerika sollen die dortigen Importzölle kompensieren.

Taycan-Modellpalette wird drastisch gestrafft

Die neue Strategie der Komplexitätsreduktion trifft auch das bisherige elektrische Aushängeschild der Marke: den Porsche Taycan. Der innovative Stromer, der einst als Pionier gefeiert wurde, leidet unter spürbarer Nachfrageschwäche. Leiters kündigte an, die Zahl der Derivate deutlich zu verringern, um Entwicklungskosten einzusparen und die Produktion zu vereinfachen. Ein komplettes Aus für den Taycan steht kurzfristig zwar nicht auf der Agenda, doch die Botschaft ist eindeutig:

„Beim Taycan werden wir die Zahl der Modelle weiter verringern und so Komplexität reduzieren. Kurzfristig planen wir nicht, den Taycan einzustellen. Wir haben viel in das Modell investiert und wollen beobachten, wie sich die Nachfrage entwickelt.“

Interessanterweise hält Porsche trotz Leiters' ursprünglicher Zweifel am vollelektrischen Nachfolger des Einstiegs-Sportlers 718 (Boxster/Cayman) fest. Das Auto soll nun doch gebaut werden, da es laut dem Porsche-Chef wirtschaftlich die beste Option darstellt und ein „phantastisches Auto“ werden wird.

Ein Weckruf für die deutsche Autoindustrie

Der radikale Kurswechsel bei Porsche zeigt deutlich, dass der Traum von einer schnellen, rein elektrischen Transformation im Luxussegment vorerst geplatzt ist. Indem die Stuttgarter den Verbrenner-Macan reaktivieren und die Taycan-Modellpalette eindampfen, passen sie sich der harten Realität an. Die deutsche Autoindustrie muss flexibel bleiben, um im globalen Machtkampf zwischen den USA, China und Europa nicht ins Hintertreffen zu geraten. Für Porsche-Fans bedeutet das immerhin: Der emotionale Verbrennersound bleibt der Marke noch weit über das Ende dieses Jahrzehnts hinaus erhalten.