Der Erlkönig-Wahnsinn am Nürburgring geht in die heiße Phase. Fotografen und Carspotter trauten ihren Augen kaum, als die neuen Prototypen des Audi S6 fast gänzlich ohne die typische schwarz-weiße Tarnfolie über die Nordschleife jagten. Während die elegante Limousine völlig hüllenlos die Muskeln spielen ließ, war beim praktischen Avant-Kombi lediglich der Schriftzug auf der Heckklappe mit einem Streifen schwarzem Klebeband abgeklebt. Audi macht kein Geheimnis mehr aus seinem neuen Sportmodell, das kurz vor der Serienreife steht.

Besonders spannend für alle potenziellen Käufer: Die Erlkönige enttarnen nicht nur das aggressive Design, sondern bestätigen auch den endgültigen Schwenk zum Plug-in-Hybrid (PHEV). Ein gelber Hochvolt-Warnaufkleber in der Heckscheibe sowie die zusätzliche Ladeklappe am linken hinteren Kotflügel lassen keine Zweifel mehr offen.

Der strategische U-Turn: Warum der S6 nicht S7 heißt

Noch bis vor Kurzem herrschte in Ingolstadt ein Namenschaos, das bei Kunden und Händlern weltweit für rauchende Köpfe sorgte. Eigentlich hatte Audi im Jahr 2023 beschlossen, seine Modellpalette strikt neu zu ordnen: Gerade Zahlen sollten künftig ausschließlich reinen Elektroautos (wie dem S6 e-tron) vorbehalten sein, während Verbrenner und Hybride auf ungerade Zahlen ausweichen mussten. Der neue S6-Hybrid hätte demnach eigentlich als S7 auf den Markt kommen müssen – und wurde auf frühen Testfahrten auch so betitelt.

Doch der Gegenwind aus den extrem wichtigen und prestigeträchtigen Schlüsselmärkten USA und China sowie von internationalen Vertriebspartnern war gigantisch. Die etablierten Bezeichnungen „A6“ und „S6“ besitzen in diesen Ländern einen unschätzbaren Markenwert, den man im harten Konkurrenzkampf gegen BMW und Mercedes nicht einfach kampflos aufgeben wollte. Audi-Vertriebsvorstand Marco Schubert musste schließlich einräumen, dass die Händler und Kunden die Neuerung schlichtweg ablehnten. Anfang 2025 zog Audi die Notbremse und verwarf die ungerade Nomenklatur für Verbrenner wieder:

"Die Entscheidung ist das Ergebnis intensiver Diskussionen und folgt auch dem Wunsch unserer Kunden sowie dem Feedback unseres internationalen Handels."

Die Folge: Verbrenner, Hybride und reine Stromer teilen sich nun wieder die bekannten Größenbezeichnungen. Der neue Teilzeit-Stromer darf seinen legendären Namen behalten und startet offiziell als Audi S6.

V6-Biturbo plus E-Power: Die Technik des neuen Power-Hybrids

Unter der Haube des neuen S6 PHEV schlägt künftig ein Herz, das wir bereits aus der Performance-Schmiede von Audi Sport kennen. Es gilt als so gut wie sicher, dass der S6 den elektrifizierten Antriebsstrang des brandneuen Audi RS 5 übernimmt. Dieser kombiniert einen hochentwickelten 2,9-Liter-V6-Biturbo-Benziner mit einem kraftvollen Elektromotor.

Während der RS 5 als radikaler Leistungsträger brutale 639 PS und 825 Nm Systemleistung mobilisiert, wird Audi den S6 etwas drosseln. Um dem künftigen Über-Kombi RS 6 (der als V8-Hybrid mit rund 730 PS erwartet wird) genügend Respektabstand zu gewähren, rechnen Experten beim S6 mit einer Systemleistung von etwa 500 bis 550 PS. Damit bewegt er sich auf Augenhöhe mit dem vollelektrischen Bruder S6 e-tron (551 PS).

Dank der aus dem RS 5 bekannten Lithium-Ionen-Batterie mit 22 kWh nutzbarer Kapazität (25,9 kWh brutto) verspricht der S6 PHEV eine hervorragende elektrische Effizienz. Beim RS 5 sorgt dieser Akku für eine rein elektrische Reichweite von bis zu 84 Kilometern nach WLTP. Für den S6 dürfte sich ein ähnlich alltagstauglicher Wert ergeben. In Kombination mit dem klassischen Benzintank resultiert das in einer hervorragenden Gesamtreichweite für lange Strecken. Für Vielfahrer bedeutet das: maximale Performance ohne jede Reichweitenangst und ohne ständigen Ladedruck an der Autobahn-Säule.

Endlich echte Endrohre: Ein Detail atmet Erleichterung

Ein optisches Detail dürfte bei Audi-Enthusiasten in ganz Europa für kollektive Erleichterung sorgen: Die Ära der peinlichen Fake-Auspuffblenden ist bei Audi Sport endgültig vorbei. Wer sich an den aktuellen S6 mit seinem V6-TDI erinnert, denkt unweigerlich an die zugestopften Plastik-Attrappen am Heck, während die echten Abgase unsichtbar nach unten geleitet wurden.

Der ungetarnte Erlkönig auf der Nordschleife zeigt nun stolz vier echte, markante runde Endrohre, die fest in den sportlichen Heckdiffusor integriert sind. Audi Sport hat verstanden, dass zu einem echten S-Modell auch ein ehrlicher, akustisch untermalter Auftritt gehört.

Die ungetarnten Prototypen zeigen zudem, dass die offizielle Weltpremiere unmittelbar bevorsteht. Brancheninsider erwarten die feierliche Enthüllung des neuen Audi S6 noch im Laufe des Jahres 2026, dicht gefolgt vom offiziellen Marktstart für die Limousine und den Avant-Kombi in Europa.