Mercedes-Benz spendiert seinem absoluten Kronjuwel, der Maybach S-Klasse, ein tiefgreifendes Facelift. Doch für anspruchsvolle Kunden in Europa bringt die Modellpflege eine bittere Nachricht mit sich: Der prestigeträchtige V12-Motor wird aufgrund immer strengerer Abgasvorschriften in Europa komplett aus dem regulären Modellprogramm gestrichen. Wer künftig das ultimative Flaggschiff der Schwaben bewegen möchte, muss sich mit einem hochmodernen V8 anfreunden. Ein Fahrtest klärt die Frage, ob der neue Maybach mit V8-Antrieb für stolze 234.953,60 Euro seinen royalen Status behalten kann oder ob ihm ohne die zwölf Zylinder die Seele fehlt.
Der Abschied vom V12: Ein schmerzhafter Schritt für Europa
Es ist das Ende einer Ära auf europäischen Straßen. Der legendäre 6,0-Liter-V12-Biturbo, der über Jahrzehnte hinweg als Inbegriff für seidenweichen Lauf und unendliche Kraftreserven stand, wandert in den Ruhestand – zumindest für den hiesigen Markt. Lediglich die schwer gepanzerte Sonderschutz-Version S 680 Guard wird in Europa weiterhin den Zwölfzylinder unter der Haube tragen. Außerhalb der europäischen Grenzen, etwa in den USA, China oder dem Nahen Osten, darf das majestätische Triebwerk dagegen auch nach dem Facelift weitersäuseln. Für hiesige Kunden bedeutet das: Das neue Spitzenmodell, das weiterhin den prestigeträchtigen Namen S 680 am Heck trägt, wird nun von einem hochmodernen V8 angetrieben.
Neuer V8-Biturbo: Kraftvoll und elektrifiziert
Der neue Platzhirsch im S 680 ist der intern als M177 Evo bekannte 4,0-Liter-V8-Biturbo, der dank eines integrierten Startergenerators (ISG) und eines 48-Volt-Bordnetzes elektrifiziert wurde. Mit einer Leistung von 612 PS (450 kW) und einem maximalen Drehmoment von bis zu 850 Nm – die E-Maschine steuert kurzzeitig zusätzliche 17 kW (23 PS) und 205 Nm bei – erreicht der V8 exakt die Leistungswerte des alten V12.
Das Fahrerlebnis ist schlichtweg erhaben. Bereits beim sanften Starten des Triebwerks wird klar, dass beim Komfort keine Kompromisse eingegangen wurden. Spezielle Lanchester-Ausgleichswellen beruhigen die Schwingungen des Motors so perfekt, dass im Innenraum absolut nichts von den mechanischen Vorgängen unter der Haube zu spüren ist. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in atemberaubenden 4,0 Sekunden – ein physikalisches Wunder für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse.
Schweben statt fahren auf 5,48 Metern Länge
Mit einer stattlichen Länge von 5,48 Metern und einem Radstand von 3,40 Metern bleibt der Maybach ein wahrer Gigant auf Rädern. Doch wer befürchtet, die Limousine sei unhandlich, wird schnell eines Besseren belehrt: Dank der serienmäßigen Allradlenkung schrumpft der Wendekreis auf überraschend handliche 12,4 Meter zusammen.
Das Fahrverhalten gleicht eher einem Schweben über den Dingen. Die serienmäßige Airmatic-Luftfederung arbeitet mit einer vorausschauenden Dämpferregelung, die auf modernste Car-to-X-Kommunikation setzt. Unebenheiten, Schlaglöcher oder Querfugen werden so geschmeidig weggebügelt, dass die Insassen das Gefühl haben, in einer luxuriösen Yacht über stilles Gewässer zu gleiten. Unterstützt wird dieser Eindruck durch massive zusätzliche Dämmmaßnahmen, die störende Außengeräusche noch besser abschirmen und den Innenraum in eine Oase der Ruhe verwandeln.
Ein Cockpit der Superlative: Technik trifft feinstes Handwerk
Optisch schindet die überarbeitete Luxuslimousine mächtig Eindruck: Ein um 20 Prozent vergrößerter Kühlergrill mit feiner, beleuchteter Chromstruktur, neue Scheinwerfer mit roségoldenen Akzenten und Sternmotive in den Rückleuchten sorgen für ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Im Innenraum weicht die klassische Eleganz teilweise futuristischer High-Tech. Das MBUX Superscreen-Cockpit vereint das Instrumenten-Display, das große Zentraldisplay und ein Beifahrerdisplay unter einer riesigen, durchgehenden Glasscheibe. Dahinter arbeitet das neue Mercedes-Benz Operating System (MB.OS), das eine noch intelligentere Vernetzung und künstliche Intelligenz für das digitale Kundenerlebnis ermöglicht.
Für die Passagiere im Fond, die traditionell im Fokus eines Maybach stehen, gibt es First-Class-Luxus pur:
- Zwei 13,1-Zoll-Entertainment-Displays mit neu gestalteten Fernbedienungen.
- Eine integrierte Wadenmassage in den Beinauflagen der Komfortsitze.
- Edle Halterungen für die standesgemäßen, versilberten Champagnerkelche der Manufaktur Robbe & Berking.
- Erstmals ist auf Wunsch eine komplett lederfreie, vegane Luxus-Ausstattung aus Leinen und recyceltem Polyester bestellbar.
Die Preise für die königliche Oberklasse
Luxus auf diesem Niveau hat seinen Preis, und der Hersteller lässt sich das Flaggschiff fürstlich entlohnen:
- Das Einstiegsmodell S 580 4MATIC (ebenfalls ein V8, allerdings mit 537 PS) startet bei 197.480,50 Euro.
- Der Plug-in-Hybrid S 580e 4MATIC mit Sechszylinder und rund 98 Kilometern elektrischer Reichweite steht ab 202.359,50 Euro in der Liste.
- Das absolute Topmodell, der S 680 4MATIC mit dem 612 PS starken V8, schlägt mit mindestens 234.953,60 Euro zu Buche.
"Der Mercedes-Maybach bleibt der unbestrittene König des sanften Gleitens. Auch wenn das V12-Aus in Europa schmerzt – der neue V8 kompensiert den Verlust mit moderner Technik und unerschütterlicher Souveränität."
Die überarbeitete Luxuslimousine wird im hochmodernen Werk 56 in Sindelfingen gefertigt und kann in Deutschland bereits bestellt werden. Für alle, die nach dem absoluten Gipfel des automobilen Luxus suchen, bleibt der Maybach damit auch ohne Zwölfzylinder ein faszinierendes Statement.