Mercedes zieht in Europa endgültig den Stecker bei seinem wohl prestigeträchtigsten Antrieb: Der legendäre Sechsliter-V12-Biturbo wird für Kunden in der Europäischen Union und weiteren angeschlossenen Märkten komplett aus dem Programm genommen. Betroffen ist das absolute Flaggschiff der Marke, der Mercedes-Maybach S 680. Im Zuge einer umfassenden Modellpflege müssen europäische Luxuskäufer Abschied vom Zwölfzylinder nehmen. Doch ganz ohne adäquaten Ersatz lässt die schwäbische Edelschmiede ihre anspruchsvolle Kundschaft nicht zurück – unter der Haube übernimmt nun ein technisch hochgerüsteter Achtzylinder das Zepter.
Warum der V12 in Europa sterben muss
Die Entscheidung ist eine schmerzhafte Zäsur für Liebhaber klassischer Ingenieurskunst. Als Grund für das europäische Aus nennt Mercedes die verschärften Hürden der kommenden Euro-7-Abgasnorm. Um das monumentale Triebwerk mit dem internen Code M 279 fit für die neuen Vorschriften zu machen, wären immense Entwicklungskosten nötig gewesen. Bei den geringen Stückzahlen ist dieser Schritt für Mercedes schlicht nicht mehr wirtschaftlich darstellbar.
Wie exklusiv der V12 zuletzt war, belegen die Zulassungszahlen: Im gesamten Jahr 2024 wurden in Deutschland gerade einmal 136 Exemplare des Maybach S 680 mit Zwölfzylinder neu zugelassen. Damit machte der V12 selbst innerhalb der Maybach-Familie nur rund 14 Prozent der Verkäufe aus, während der herkömmliche V8-Biturbo mit 63 Prozent klarer Favorit der Kunden war. Betroffen von der Streichung sind neben den EU-Ländern auch Märkte wie Norwegen, Island, Liechtenstein und Indien. Die einzige winzige Ausnahme in Europa bleibt die gepanzerte Sonderschutz-Limousine S 680 Guard mit VR10-Panzerung, die das Triebwerk weiterhin nutzen darf.
Der neue König: V8 mit 612 PS und künstlicher V12-Laufruhe
Unter der Haube des modifizierten Mercedes-Maybach S 680 schlägt künftig ein überarbeiteter V8-Biturbo mit dem Kürzel M 177 Evo. Dieser leistet stolze 450 kW (612 PS) und steht dem scheidenden V12 in Sachen schierer Kraft in nichts nach. Damit die anspruchsvollen Passagiere im Fond den Unterschied mechanisch kaum spüren, haben die Ingenieure tief in die Trickkiste gegriffen:
- Zwei zusätzliche Ausgleichswellen sorgen im überarbeiteten V8 für eine extrem hohe Vibrationsarmut.
- Die Kraftentfaltung wurde speziell auf ein seidenweiches und flüsterleises Maybach-Gefühl abgestimmt.
- Leistungstechnisch herrscht Gleichstand, auch wenn Puristen die emotionale Aura des Zwölfzylinders vermissen werden.
"Aus Sicht des Herstellers ist der V8 in Europa der logische Nachfolger des V12, da er den extrem hohen Ansprüchen der Maybach-Kunden an Komfort und Performance vollauf gerecht wird."
In den USA und China lebt der V12 weiter
Ganz einmotten wird Mercedes den Prestige-Motor allerdings noch nicht. Auf den wichtigsten außereuropäischen Märkten – allen voran in China, den USA und im Nahen Osten – bleibt der V12 im Maybach S 680 weiterhin im offiziellen Programm. Dort leistet das Aggregat sogar bis zu 630 PS und stemmt mächtige 900 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle.
MBUX-Superscreen und Roségold: Das bringt das Luxus-Update noch
Abgesehen vom Motorentausch spendiert Mercedes der Maybach S-Klasse ein feines Optik- und Technik-Update. Der markante Kühlergrill wächst um rund 20 Prozent und ist künftig ebenso wie der Haubenstern und die C-Säulen-Logos illuminierbar. In den Scheinwerfern glänzen feine Roségold-Akzente, und neue zweifarbige Manufaktur-Lackierungen wie Opalithweiß mit Verdesilber-Metallic unterstreichen den eleganten Auftritt der 5,48 Meter langen Limousine.
Im Innenraum hält das neue MB.OS-Betriebssystem mitsamt dem gigantischen MBUX-Superscreen Einzug, der die Armaturentafel dominiert. Wer auf Tierleder verzichten möchte, kann nun erstmals eine vegane Innenausstattung aus hochwertigem Leinen und recyceltem Polyester ordern. Unverändert luxuriös bleibt das Heckabteil: Hier warten weiterhin klimatisierte Executive-Sitze, ein integriertes Kühlfach und auf Wunsch die legendären, versilberten Champagnerkelche auf die gut betuchte Kundschaft, die für dieses automobile Statement auch künftig deutlich über 200.000 Euro investieren muss.