Die Angst vor dem Reichweitenverlust im Winter ist der ständige Begleiter vieler E-Auto-Fahrer. Zurecht, wie der neueste „El Prix“-Test des norwegischen Automobilverbands (NAF) beweist. Doch während viele Modelle bei den extremen Bedingungen in die Knie gingen, zeigte ein Hersteller, dass reine Physik und massive Batteriekapazität auch bei arktischer Kälte siegen: Der Lucid Air Grand Touring hat den prestigeträchtigen Wintertest für sich entschieden und die Messlatte für die Konkurrenz unerreichbar hoch gelegt.

100 Kilometer Vorsprung vor dem Zweitplatzierten

Die Bedingungen hätten härter kaum sein können. Mit Temperaturen, die auf bis zu minus 31 Grad Celsius fielen, war dies der kälteste Test in der Geschichte des NAF. 24 Elektrofahrzeuge traten an, um von Oslo aus so weit wie möglich in die norwegische Bergwelt zu fahren – bis der Akku leer war.

Das Ergebnis ist eine Machtdemonstration: Der Lucid Air Grand Touring schaffte beachtliche 520 Kilometer, bevor er liegen blieb. Damit fuhr die US-Limousine fast 100 Kilometer weiter als der Zweitplatzierte, der Mercedes-Benz CLA, der nach 421 Kilometern aufgeben musste. Andere Volumenmodelle wie das Tesla Model Y landeten mit rund 359 Kilometern weit abgeschlagen im Feld.

Die bittere Wahrheit hinter dem WLTP-Wert

Doch der Jubel über den Sieg hat einen Dämpfer, der die physikalischen Grenzen der E-Mobilität aufzeigt. Auf dem Papier wirbt der Lucid Air Grand Touring mit einer Fabel-Reichweite von 960 Kilometern nach WLTP-Norm. Die real erreichten 520 Kilometer entsprechen einem massiven Reichweitenverlust von rund 46 Prozent.

Das zeigt eindrücklich: Selbst modernste 800-Volt-Architektur und ausgeklügeltes Thermomanagement können die Physik nicht überlisten. Wenn die elektrochemischen Prozesse im Akku bei minus 30 Grad erstarren und die Heizung gegen die polare Kälte ankämpft, schmilzt die Reichweite dahin. Der entscheidende Vorteil von Lucid war schlichtweg, dass man von einem so extrem hohen Niveau startete, dass selbst nach Abzug des „Winter-Malus“ noch eine urlaubsfähige Distanz übrig blieb.

„King of Range“ trotz Kälte-Einbruch

Für Lucid ist das Ergebnis dennoch ein Triumph. Lawrence Hamilton, Europa-Chef der Marke, ließ es sich nicht nehmen, das Modell erneut als „King of Range“ zu bezeichnen. Zurecht, denn im direkten Vergleich zeigt sich, dass Effizienz im Sommer zwar nett ist, im Winter aber schiere Kapazität und aerodynamische Exzellenz über das Ankommen entscheiden.

„Der Test liefert wertvolle Erkenntnisse über die Leistung unter realen Bedingungen und unterstreicht, dass wir selbst bei extremstem Wetter die Nase vorn haben.“

Für deutsche Käufer bleibt die Erkenntnis: Wer im tiefsten Winter Langstrecke fahren will, braucht entweder viel Geduld an der Ladesäule – oder ein Auto, das so viel Reichweite „auf Vorrat“ hat, dass selbst der norwegische Winter es nicht stoppen kann.