Die Autowelt stand Kopf, als Fiat im Jahr 2020 den vollelektrischen 500e präsentierte. Der Plan von Mutterkonzern Stellantis war so ehrgeizig wie unmissverständlich: Die Ikone sollte gänzlich elektrisch werden. Doch die Realität hat diesen Traum eingeholt. Weil die Verkaufszahlen von E-Autos europaweit einbrachen, stand die Produktion im Turiner Werk Mirafiori monatelang still. Gleichzeitig mussten die Bänder im polnischen Tychy, wo der alte Verbrenner-500 gebaut wurde, im Sommer 2024 wegen neuer EU-Sicherheitsrichtlinien (GSR II) gestoppt werden. Ein dramatisches Dilemma, das nun zu einer sensationellen Rolle rückwärts führt.

Eine Herkulesaufgabe: Vom Elektroauto zurück zum Verbrenner

Für die Ingenieure bei Fiat glich das Projekt einer Operation am offenen Herzen. Erstmals musste eine reine Elektro-Plattform so zurückentwickelt werden, dass darauf auch wieder ein klassischer Verbrennungsmotor Platz findet. Eine echte technische Herkulesaufgabe, in die Stellantis immense Summen investiert hat, um das unausgelastete Werk in Mirafiori zu retten. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Mit dem neuen Fiat 500 Hybrid schlägt der Hersteller die Brücke zwischen moderner Plattform-Technologie und bezahlbarem Benzinantrieb.

Der Chef der Marke Fiat, Olivier François, bringt den strategischen Kraftakt auf den Punkt:

„Der neue Fiat 500 Hybrid bietet neben seinem ikonischen Design auch einen erschwinglichen Zugang zur Welt der elektrifizierten Fahrzeuge. Mit dem 500 Hybrid stärken wir die Produktion in Mirafiori, um die Produktivität der Anlage auszulasten und die Nachfrage zu bedienen.“

Das steckt unter der Haube des neuen Mildhybrids

Angetrieben wird der neue Fünfhunderter von einem bewährten, aber modernisierten 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner aus der FireFly-Motorenfamilie. Unterstützt wird das Aggregat von einem 12-Volt-Elektromotor, der als Mildhybrid-System beim Anfahren und Beschleunigen unter die Arme greift.

Hier sind die wichtigsten technischen Eckdaten im Überblick:

  • Leistung: Das System liefert eine Systemleistung von 48 kW (65 PS).
  • Getriebe: Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe an die Vorderräder.
  • Fahrleistungen: Der Standardsprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 16,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 155 km/h.
  • Effizienz: Der kombinierte Verbrauch wird von Fiat mit sehr alltagstauglichen 5,3 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometer angegeben.

Dabei bleibt Fiat der bewährten Karosserievielfalt treu. Der kleine Italiener rollt in drei Varianten auf die Straße: als klassische zweitürige Limousine (Hatchback), als schickes Cabriolet mit elektrisch betätigtem Stoffverdeck sowie als praktische „3+1“-Variante, die dank einer zusätzlichen, gegenläufig öffnenden Tür auf der Beifahrerseite den Einstieg in den Fond erheblich erleichtert.

Vier Ausstattungslinien: Von puristisch bis exklusiv

Zum Marktstart staffelt Fiat das Angebot in vier Linien, um jeden Geldbeutel anzusprechen. Den Einstieg macht die Version POP ab 19.990 Euro. Trotz des Kampfpreises sind bereits nützliche Features wie eine manuelle Klimaanlage, ein 7-Zoll-Digital-Display im Kombiinstrument, Parksensoren hinten sowie ein autonomer Notbremsassistent an Bord.

Wer mehr Luxus sucht, greift zu den höheren Ausstattungslinien:

  • ICON (ab 21.990 Euro): Bietet zusätzlich ein modernes 10,25-Zoll-Infotainmentsystem mit digitalem Radio (DAB+), Smartphone-Spiegelung, eine Klimaautomatik und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen.
  • TORINO (ab 21.990 Euro): Dieses Sondermodell feiert die Heimatstadt Turin. Es glänzt mit exklusiven Details wie einer Silhouette der berühmten Mole Antonelliana auf den Seitenfenstern, LED-Scheinwerfern und der exklusiven Launch-Farbe „Sun of Italy“.
  • LA PRIMA (ab 24.990 Euro): Die absolute Topversion verwöhnt die Insassen unter anderem mit einem festen Glasdach (bei der Limousine), Voll-LED-Scheinwerfern, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und edlen Design-Akzenten im Innenraum.

Ein Weckruf für die gesamte Autobranche

Das Comeback des Verbrenners beim Fiat 500 ist weit mehr als nur ein geschickter Marketingschachzug – es ist ein handfester Offenbarungseid für die ehrgeizigen Elektrifizierungspläne der europäischen Automobilkonzerne. Der Fall zeigt schmerzhaft, dass die Hersteller die Kontrolle über das Transformationstempo verloren haben. Nicht die theoretischen Flottenziele aus den Konzernzentralen bestimmen den Markt, sondern das reale Kaufverhalten der Kunden.

Die Autofahrer fordern bezahlbare und unkomplizierte Fahrzeuge. Indem Fiat den 500er nun unter der 20.000-Euro-Marke als Mildhybrid anbietet, beugen sich die Italiener der Macht des Faktischen – und sichern gleichzeitig das Überleben des traditionsreichen Werks in Mirafiori.