Die nackten Zahlen klingen zunächst alarmierend. Lediglich 87.458 vollelektrische Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce wurden von Januar bis März weltweit an die Kundschaft übergeben – ein satter Rückgang von 20,1 Prozent im Vergleich zum starken Vorjahreszeitraum. Auch über alle Antriebsarten hinweg verzeichnete das Unternehmen mit 565.748 ausgelieferten Autos ein leichtes Minus von 3,5 Prozent.

Besonders in China und den USA stottert der Motor. Während in Nordamerika der Wegfall von staatlichen Förderungen die Elektro-Nachfrage drückte, schwächelte das Geschäft auf dem hart umkämpften asiatischen Markt generell. Ein großer Lichtblick bleibt hingegen der deutsche Heimatmarkt: Hier konnte der Konzern überraschend um fast elf Prozent zulegen.

Das Warten auf den Heilsbringer

Der eigentliche Grund für den massiven Rückgang bei den E-Autos ist jedoch keine generelle Kaufzurückhaltung, sondern ein strategischer Modellwechsel. Die viel beschworene neue Fahrzeuggeneration steht in den Startlöchern – und die Kundschaft übt sich schlichtweg in Geduld. Die bayerischen Autobauer befinden sich in einer extremen Übergangsphase.

Statt Auslaufmodelle zu kaufen, greifen die europäischen Käufer lieber zu den neuen Hoffnungsträgern. Das zeigt sich eindrucksvoll an den Auftragsbüchern:

  • Die Auftragseingänge für Elektroautos sind in Europa im ersten Quartal 2026 um rund 40 Prozent in die Höhe geschossen.
  • Für das erste Modell der neuen Architektur, den neuen BMW iX3, liegen bereits deutlich mehr als 50.000 Bestellungen vor.
  • Mittlerweile ist mehr als jeder zweite bestellte X3 ein reiner Stromer.

"Die scheinbare Delle bei den Auslieferungen ist in Wahrheit nur das Luftholen vor dem ganz großen Sprung. Das überwältigende Interesse an der neuen Generation übertrifft alle Erwartungen und beweist, dass der technologische Weitsprung funktioniert."

Ein riskantes, aber lohnendes Spiel

Der Konzern nimmt den kurzfristigen Dämpfer bei den Auslieferungszahlen offensichtlich gelassen in Kauf. Sobald die Produktionsbänder für den neuen iX3 und den ebenfalls kürzlich angekündigten i3 auf Hochtouren laufen, dürfte sich der aufgestaute Bestell-Boom in den Bilanzen entladen. Bis dahin stabilisieren klassische Verbrenner und die unerwartet starke Marke Mini das Gesamtgeschäft. Der aktuelle Rückgang ist also weniger eine Krise, sondern vielmehr die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.