Der deutsche Automarkt steht kopf. Während klassische Verbrenner im bezahlbaren Einstiegssegment immer rarer werden, zeigt sich bei den Elektroautos eine verblüffende Gegenbewegung. Wer heute mit einem Budget von maximal 20.000 Euro einen Neuwagen sucht, muss zwar mit einer drastisch geschrumpften Auswahl leben – doch gleichzeitig öffnet sich die Tür zur E-Mobilität so günstig wie nie zuvor. Eine aktuelle Auswertung des ADAC legt den Finger in die Wunde eines sich rasant verändernden Marktes.

Die nackten Zahlen der ADAC-Studie beschreiben einen regelrechten Kahlschlag: Aktuell gibt es auf dem deutschen Markt nur noch 16 Neuwagen-Modelle gängiger Marken, die für unter 20.000 Euro zu haben sind. Vor fünf Jahren, im Jahr 2021, sah die Welt noch ganz anders aus: Damals konnten preisbewusste Käufer noch aus stolzen 35 Modellen in dieser Preisklasse wählen. Das Angebot hat sich also in kürzester Zeit mehr als halbiert. Noch dramatischer ist der Blick aufs absolute Tiefpreissegment. Autos für rund 10.000 Euro sind mittlerweile komplett ausgestorben. Als billigster Neuwagen im Land verbleibt der Dacia Sandero TCe 100 Essential, der mit 13.590 Euro das letzte echte Schnäppchen unter den Verbrennern markiert.

Deutsche Hersteller im Billig-Sektor komplett ausgestorben

Wer beim Neuwagenkauf Wert auf ein deutsches oder japanisches Markenemblem legt und gleichzeitig unter der 20.000-Euro-Grenze bleiben möchte, sucht vergebens. Unter den verbliebenen 16 günstigen Modellen ist kein einziger deutscher oder japanischer Hersteller mehr vertreten. Im Jahr 2021 bauten hiesige Autobauer immerhin noch fünf Modelle für unter 20.000 Euro.

Heute ist das günstigste deutsche Auto der VW Polo, der mit einem Einstiegspreis von 20.380 Euro die magische Schwelle um exakt 380 Euro reißt. Für den ADAC liegen die Gründe für diesen rasanten Preisanstieg auf der Hand:

"Autos sind insgesamt teurer geworden, weil die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette gestiegen sind und gleichzeitig mehr Technik vorgeschrieben oder erwartet wird."

Vor allem neue EU-Sicherheitsvorschriften und gestiegene Materialkosten machen die Produktion von günstigen Kleinstwagen für etablierte Marken wirtschaftlich kaum noch darstellbar.

Die E-Auto-Sensation: Drei Stromer unterbieten die magische Grenze

Doch mitten in diesem Frust für Sparer gibt es eine historische Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte der Elektromobilität stehen gleich drei vollelektrische Modelle für unter 20.000 Euro in den Preislisten der Händler. Vor fünf Jahren gab es in dieser Preisklasse noch kein einziges reines E-Auto.

Die drei Elektromodelle, die dem Trend trotzen, sind:

  • Dacia Spring: Mit einem Basispreis von lediglich 16.900 Euro für die Variante Electric 70 Essential ist der rumänische Stromer das mit Abstand günstigste Elektroauto auf dem deutschen Markt. Mit seinen 52 kW (71 PS) ist er perfekt für den urbanen Alltag gerüstet.
  • Leapmotor T03: Der kompakte City-Flitzer bietet für 18.900 Euro ordentliche 70 kW (95 PS) Leistung und eine überraschend solide Basisausstattung.
  • Renault Twingo E-Tech Electric: Der französische Klassiker in der Evolution-Ausstattung schrammt mit 19.990 Euro und einer Leistung von 60 kW (82 PS) haarscharf an der magischen Preisgrenze vorbei.

Käufer müssen sich jedoch im Klaren darüber sein, dass es sich bei diesen Fahrzeugen um die absoluten Basisversionen handelt. Großen Luxus darf man nicht erwarten, doch für den täglichen Pendelverkehr bieten die drei Elektro-Zwerge eine absolut taugliche Mobilität. Dass günstig nicht gleich unzuverlässig bedeutet, beweist übrigens der Dacia Spring: In der ADAC-Pannenstatistik belegt der kleine Stromer einen hervorragenden zweiten Platz in seiner Klasse.

Zwei Konzerne teilen sich den Billig-Markt auf

Wie dünn das Eis im bezahlbaren Segment geworden ist, zeigt auch ein Blick auf die Verteilung der verbliebenen 16 günstigen Modelle. Satte elf davon stammen von nur zwei großen Autokonzernen: der Renault-Gruppe (mit den Marken Renault und Dacia) und Stellantis (mit Fiat und Citroën).

Wer also ein günstiges, familientaugliches Auto sucht, kommt an Marken wie Dacia kaum noch vorbei – hier stehen neben dem Sandero und dem elektrischen Spring auch noch der geräumige Van Jogger (ab 17.990 Euro) und das SUV-Modell Duster (ab 18.990 Euro) in der ADAC-Liste der Autos unter 20.000 Euro. Doch für die breite Masse der Käufer zeigt die ADAC-Auswertung vor allem eines: Wer beim Autokauf sparen will, muss in Zukunft wohl oder übel elektrisch fahren.