Lange wurde spekuliert, jetzt hat das Warten ein Ende: Mercedes-AMG zieht das Tuch von seinem ersten rein elektrischen Sportwagen auf der neuen AMG.EA-Plattform. Das neue GT 4-Türer Coupé bricht mit alten Traditionen, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Mit fast 1.200 PS, revolutionärer Ladetechnik und einem künstlichen V8-Soundgewitter wollen die Affalterbacher beweisen, dass die Zukunft der Driving Performance extrem schnell und elektrisch ist.

Die Geheimwaffe: Axialflussmotoren

Unter der schicken, aerodynamisch perfektionierten Karosserie arbeitet ein Antriebskonzept, das es so noch in keinem Serienfahrzeug gab. Anstatt auf herkömmliche Elektromotoren zu vertrauen, setzt die Sportwagenschmiede auf drei sogenannte Axialflussmotoren. Zwei dieser extrem schmalen und leichten Kraftwerke sitzen an der Hinterachse, ein weiterer treibt die Vorderachse an.

Das Resultat ist schlichtweg atemberaubend: In der Topversion zerren bis zu 860 kW (1.169 PS) und wahnwitzige 2.000 Newtonmeter Drehmoment an den Rädern.

  • Beschleunigung: Von 0 auf 100 km/h geht es in nur 2,1 Sekunden.
  • Top-Speed: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei autobahntauglichen 300 km/h.
  • Einstiegsversion: Selbst das schwächere Modell liefert bereits mächtige 600 kW (816 PS).

Laden im Formel-1-Tempo

Wer so viel leistet, muss auch schnell wieder zu Kräften kommen. Hier setzt das viertürige Elektromonster völlig neue Maßstäbe. Die 106 kWh große Batterie basiert auf einer 800-Volt-Architektur und nutzt direkt gekühlte Rundzellen, deren Technologie direkt aus dem Formel-1-Rennsport abgeleitet wurde.

An einer entsprechenden Ladesäule zieht der Hochleistungssportler den Strom mit unfassbaren 600 kW Peak-Leistung in den Speicher. Das bedeutet in der Praxis: In gerade einmal zehn Minuten wird Reichweite für 460 Kilometer nachgeladen. Die Gesamtreichweite gibt der Hersteller mit bis zu 700 Kilometern an.

V8-Brüllen aus dem Lautsprecher

Die größte Herausforderung für die Entwickler war es jedoch, den emotionalen Faktor in die neue Ära zu retten. Schließlich lieben die Fans das dreckige Bollern der großvolumigen Verbrenner. Die Antwort ist ein spezieller Fahrmodus.

"Statt einfach nur einen künstlichen Raumschiff-Sound zu imitieren, erfasste man den Klang eines echten V8-Motors in all seinen Facetten."

Beim Druck aufs Fahrpedal gibt es nun das vertraute Gänsehaut-Grollen. Sogar Gangwechsel, das typische Spätzünd-Spratzeln und simulierte Zugkraftunterbrechungen werden inszeniert, um selbst hartgesottene Petrolheads zu überzeugen.

Platz nehmen in der Kommandozentrale

Auch im Innenraum weht ein frischer Wind. Auf der fließenden Carbon-Mittelkonsole thronen drei kühle Metallregler. Über diese massiven Drehsteller können Fahrer blind auf das Ansprechverhalten, die Agilität und die Traktion zugreifen – ganz ohne lästiges Wischen auf einem Touchscreen. Damit auch die Passagiere in der zweiten Reihe trotz der flach abfallenden Coupé-Dachlinie bequem sitzen, haben die Ingenieure sogenannte "Fußgaragen" in das Batteriepaket im Unterboden integriert.

Ab Sommer 2026 rollt der Elektro-Athlet in Sindelfingen vom Band. Ein Schnäppchen wird die neue Benchmark der Elektromobilität allerdings nicht: Die Preise dürften sich eng an den ohnehin schon kostspieligen Verbrenner-Vorgängern orientieren.