Einleitung
Der Citroën Ami ist kein klassisches Auto, sondern ein elektrisches Leichtkraftfahrzeug, das frischen Wind in die urbane Mobilität bringt. Da er bereits ab 15 Jahren mit dem AM-Führerschein gesteuert werden darf, positioniert er sich als wetterfeste Alternative zu Mofas oder E-Scootern. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Einsatz in der Großstadt, wo Platzmangel und kurze Distanzen den Alltag bestimmen. Trotz seiner minimalistischen Herangehensweise bietet er zwei Personen ein geschütztes Dach über dem Kopf. Er teilt sich die technische Basis mit Modellen wie dem Opel e-Rocks und dem Fiat Topolino, was seine Zugehörigkeit zum Stellantis-Konzern unterstreicht. In Deutschland ist der kleine Franzose seit Sommer 2024 erhältlich und sorgt seitdem für Aufsehen im Straßenverkehr.
Design & Verarbeitung
Optisch besticht der Ami durch seine symmetrische Bauweise, die Produktionskosten spart und ihm einen unverwechselbaren Charakter verleiht. Viele Bauteile an Front und Heck sind identisch, was das Design sehr funktional und fast schon spielerisch wirken lässt. Die Verarbeitung ist zweckmäßig und robust, wobei großflächig harter Kunststoff zum Einsatz kommt, der pflegeleicht im Alltag ist. Die gegenläufig öffnenden Türen sind ein markantes Designmerkmal, das den Einstieg in engen Parklücken erleichtern soll. Insgesamt wirkt das Fahrzeug wie ein moderner Würfel auf Rädern, der sich bewusst von herkömmlichen Pkw-Designs abhebt. Trotz des günstigen Preises wirkt das Äußere pfiffig und keineswegs billig verarbeitet.
Innenraum & Komfort
Im Inneren herrscht Minimalismus pur, da Citroën konsequent auf teure Komfort-Extras verzichtet hat. Statt weicher Polster finden sich einfache Kunststoffschalen mit minimaler Dämpfung, die auf längeren Fahrten wenig Unterstützung bieten. Der Platz für die Passagiere ist überraschend großzügig, was vor allem an der hohen Dachlinie und dem versetzten Beifahrersitz liegt. Ein klassischer Kofferraum fehlt jedoch komplett, stattdessen dient der Fußraum vor dem Beifahrer als wertvoller Stauraum für Taschen. Besonders kritisch ist das Fehlen einer Heizung zu bewerten, da im Winter lediglich ein schwaches Gebläse für die Scheibe vorhanden ist. Das Glasdach sorgt zwar für ein luftiges Raumgefühl, verstärkt aber auch die Aufheizung im Sommer.
Infotainmentsystem
Ein integriertes Navigations- oder Soundsystem sucht man im Citroën Ami vergeblich, stattdessen dient das eigene Smartphone als Zentrale. Rechts neben dem Lenkrad ist eine Halterung fest installiert, an der das Handy befestigt und per USB-Port geladen werden kann. Die akustische Wiedergabe erfolgt entweder über das Smartphone selbst oder über eine optionale Bluetooth-Box des Nutzers. Dieses Konzept ist zwar simpel, entspricht aber der Zielgruppe der Digital Natives, die ohnehin ihr eigenes Gerät bevorzugen. Weitere fahrzeugspezifische Tasten sind auf ein absolutes Minimum reduziert und übersichtlich angeordnet. Es gibt keine komplizierten Menüstrukturen, da das Fahrzeug schlicht keine digitale Benutzeroberfläche besitzt.
Antrieb & Fahrverhalten
Mit einer Motorleistung von lediglich acht PS ist der Ami auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h begrenzt. Dies reicht für den reinen Stadtverkehr völlig aus, macht Fahrten auf Schnellstraßen jedoch zu einer sehr ungemütlichen Angelegenheit. Die Beschleunigung ist in den ersten Sekunden spritzig genug, um im Ampelverkehr problemlos mitzuschwimmen. Das Fahrwerk ist sehr straff abgestimmt und gibt Unebenheiten der Straße fast ungefiltert an das Kreuz der Insassen weiter. Ein winziger Wendekreis von nur 7,20 Metern sorgt dafür, dass man den Ami spielend leicht durch engste Gassen manövrieren kann. In Tempo-30-Zonen fühlt sich der kleine Flitzer am wohlsten und spielt dort seine Wendigkeit voll aus.
Reichweite & Verbrauch
Die Energie bezieht der Kleinstwagen aus einer 5,4 kWh fassenden Batterie, die für eine Reichweite von rund 75 Kilometern sorgt. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei etwa acht Kilowattstunden pro 100 Kilometer, was ihn zu einem äußerst sparsamen Fortbewegungsmittel macht. Geladen wird ausschließlich über eine haushaltsübliche Steckdose, wobei eine volle Ladung etwa vier Stunden in Anspruch nimmt. Für öffentliche Ladesäulen ist zwingend ein separater Adapter notwendig, da das fest installierte Ladekabel nur einen Schukostecker besitzt. Die Ladekosten sind mit weniger als zwei Euro für eine komplette Füllung der Batterie konkurrenzlos günstig. Wer täglich nur kurze Pendelstrecken zurücklegt, kommt mit diesem Energievorrat problemlos durch die Woche.
Sicherheit & Assistenzsysteme
Da der Ami als Leichtfahrzeug eingestuft ist, gelten deutlich weniger strenge Sicherheitsvorgaben als für herkömmliche Personenwagen. Es fehlen moderne Helfer wie ABS, ESP oder Airbags, und auch Knautschzonen sind konstruktionsbedingt kaum vorhanden. Ein einfacher Stahlrohrrahmen bietet zwar einen gewissen Schutz, kann bei schwereren Kollisionen aber keine ausreichende Sicherheit garantieren. Fahrer sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass sie in diesem Fahrzeug deutlich verwundbarer sind als in einem normalen Pkw. Immerhin sind Dreipunktgurte serienmäßig an Bord, um die Insassen bei kleineren Unfällen zu sichern. Das Fehlen jeglicher Assistenzsysteme erfordert vom Fahrer eine besonders aufmerksame und vorausschauende Fahrweise.
Fazit
Der Citroën Ami ist ein mutiges Konzept für die urbane Mobilität, das konsequenten Minimalismus mit extremer Kompaktheit kombiniert. Er eignet sich hervorragend für Jugendliche oder Stadtbewohner, die eine günstige und wettergeschützte Alternative zum Roller suchen. Wer jedoch Komfort, eine echte Heizung oder ein hohes Sicherheitsniveau erwartet, wird von dem spartanischen Franzosen enttäuscht sein. In seinem speziellen Einsatzgebiet als reiner City-Flitzer ohne Parkplatzsorgen spielt er seine spezifischen Stärken jedoch voll aus. Letztlich bleibt er ein interessantes Nischenprodukt für eine ganz spezielle Zielgruppe mit klarem Fokus auf extrem niedrige Betriebskosten.