Einleitung
Die Alpine A390 markiert einen Wendepunkt für die französische Traditionsmarke und wagt den Schritt in das Segment der vollelektrischen Crossover. Das Modell basiert auf einer modernen Konzernplattform, wurde jedoch von den Alpine-Ingenieuren massiv auf Dynamik und Fahrspaß getrimmt. Ziel war es, die Agilität der legendären A110 in ein familientaugliches Format zu übersetzen, das im Alltag ebenso überzeugt wie auf kurvigen Landstraßen. Dabei spricht Alpine eine neue Zielgruppe an, die Wert auf Exklusivität und sportliche Fahrleistungen legt, ohne auf Nutzwert verzichten zu wollen. Es ist der gelungene Versuch, den Markenkern der Leichtfüßigkeit in das Zeitalter der schweren Elektromobilität zu retten.
Design & Verarbeitung
Das äußere Erscheinungsbild der A390 ist geprägt von einer fließenden Aerodynamik und einem cw-Wert von beeindruckenden 0,25 für effizientes Vorankommen. Muskulöse Kurven und ein geschlossener Kühlergrill signalisieren sofort den elektrischen Antrieb sowie die sportlichen Ambitionen des Fahrzeugs. Im Innenraum setzt sich dieser Anspruch fort, wobei Alpine hier deutlich über das Materialniveau gewöhnlicher Großserien-Modelle hinausgeht. Feinstes Alcantara, Nappaleder und hochwertige Kunststoffe schaffen eine Atmosphäre, die sowohl behaglich als auch technisch hochwertig wirkt. Die Verarbeitung wirkt solide und dem hohen Grundpreis angemessen, was den Premium-Anspruch der Marke unterstreicht. Alpine schafft es hier, ein eigenständiges Design-Statement zu setzen, das sich wohltuend vom Einheitsbrei vieler anderer Elektro-SUVs abhebt.
Innenraum & Komfort
Der Innenraum empfängt Fahrer und Beifahrer mit eng geschnittenen Sportsitzen, die einen hervorragenden Seitenhalt in schnellen Kurven bieten. Dennoch bleibt die Polsterung komfortabel genug für lange Autobahnetappen, auch wenn die Sitze für kräftiger gebaute Personen etwas schmal ausfallen könnten. Ein echtes Manko zeigt sich jedoch im Fond, wo Erwachsene aufgrund der tiefen Sitzbank eine eher unbequeme Haltung einnehmen müssen. Die Beinfreiheit ist zwar vorhanden, doch der steile Kniewinkel trübt den Komfort auf Langstrecken für Passagiere über 1,80 Meter. Der Kofferraum ist mit 532 Litern hingegen großzügig bemessen und bietet ausreichend Platz für das Gepäck einer kleinen Familie. Dank einer sorgfältigen Dämmung bleiben Wind- und Abrollgeräusche weitgehend draußen und sorgen für eine angenehme Ruhe im Cockpit.
Infotainmentsystem
Technologisch setzt die A390 auf eine moderne Architektur mit einem großen, fahrerorientierten Touchdisplay und einer intuitiven Benutzeroberfläche. Besonders lobenswert sind die physischen Regler für die Klimaanlage, die eine schnelle Bedienung während der Fahrt ohne Ablenkung ermöglichen. Die Software integriert spezielle Performance-Widgets, mit denen Enthusiasten Telemetriedaten und Rundenzeiten direkt abrufen können. Über die praktische My-Safety-Switch-Taste lassen sich unerwünschte Assistenzsysteme mit nur zwei Klicks deaktivieren, was den Bedienkomfort erheblich steigert. Am Lenkrad finden sich zudem spezifische Regler für die Rekuperation sowie der markante rote Overtake-Knopf für kurzfristige Leistungsschübe. Das Soundsystem erfüllt hohe Ansprüche und rundet das digitale Erlebnis in der Alpine stimmig ab.
Antrieb & Fahrverhalten
Mit einer Systemleistung von bis zu 470 PS in der GTS-Variante bietet die A390 Fahrleistungen auf Sportwagen-Niveau. Herzstück ist der innovative Allradantrieb mit zwei separaten Motoren an der Hinterachse, der ein extrem feinfühliges Torque Vectoring ermöglicht. In Kurven fühlt sich der Wagen trotz seines Gewichts von über zwei Tonnen überraschend leichtfüßig und agil an. Die präzise Lenkung und das straffe, aber nicht unkomfortable Fahrwerk vermitteln ein hohes Maß an Kontrolle und Sicherheit. Dank hydraulischer Anschlagpuffer werden selbst grobe Schlaglöcher souverän weggefiltert, ohne dass die sportliche Rückmeldung verloren geht. Das Fahrzeug folgt jedem Lenkbefehl willig und bietet beim Herausbeschleunigen aus Kehren eine beeindruckende Traktion.
Reichweite & Verbrauch
Die 89 kWh große Batterie ermöglicht laut WLTP-Zyklus eine Reichweite von bis zu 551 Kilometern, was für die meisten Alltagsszenarien völlig ausreicht. Im realen Testbetrieb steigt der Verbrauch auf etwa 23 kWh pro 100 Kilometer, was die Reichweite auf Langstrecken etwas reduziert. Dank der 400-Volt-Architektur sind Ladegeschwindigkeiten von bis zu 190 kW möglich, sofern die äußeren Bedingungen optimal sind. Damit lassen sich Ladestopps zeitlich effizient gestalten, auch wenn Alpine hier nicht ganz die Spitzenwerte einiger Konkurrenten erreicht. Ein spezielles Kühlsystem sorgt dafür, dass die Batterie auch bei intensiver Beanspruchung im optimalen Temperaturfenster bleibt. Zukünftig soll auch die Fähigkeit zum bidirektionalen Laden das Angebot ergänzen und den Wagen netzdienlich nutzbar machen.
Sicherheit & Assistenzsysteme
In puncto Sicherheit bietet die A390 ein umfassendes Paket an modernen Helfern, die den Fahrer unaufdringlich unterstützen. Besonders hervorzuheben sind der Ausstiegswarner für Radfahrer und der Rückfahr-Notbremsassistent, die typische Gefahrensituationen im Alltag entschärfen. Die massiven Sechskolben-Bremsanlagen sorgen für eine zuverlässige und kraftvolle Verzögerung aus hohen Geschwindigkeiten heraus. Ein kleiner Schwachpunkt ist die durch die breite A-Säule und große Spiegel eingeschränkte Sicht schräg nach vorne, was beim Abbiegen etwas mehr Aufmerksamkeit erfordert. Die Assistenzsysteme lassen sich jedoch sehr einfach konfigurieren und überfordern den Fahrer nicht mit ständigen Warnmeldungen. Die stabile Karosserie und die moderne Sensorik vermitteln insgesamt ein sehr hohes Sicherheitsgefühl für alle Insassen.
Fazit
Die Alpine A390 ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Sportlichkeit und Elektromobilität in einem Crossover-Format harmonieren können. Sie überzeugt durch ihr außergewöhnliches Fahrwerk und die hohe Agilität, die man in dieser Gewichtsklasse nur selten findet. Erkauft wird dieser Fahrspaß durch einen anspruchsvollen Preis und ein etwas eingeschränktes Platzangebot für erwachsene Passagiere im Fondbereich. Dennoch ist sie die perfekte Wahl für Individualisten, die ein fahraktives Elektroauto suchen, das sich deutlich vom Massenmarkt abhebt. Als Imageträger für Alpine gelingt der Spagat zwischen Tradition und Moderne hervorragend. Wer bereit ist, kleine Kompromisse im Alltag einzugehen, erhält ein technisch faszinierendes Fahrzeug mit Seele.