Nach über zwei Jahrzehnten als treuer Begleiter für Familien, Flottenbetreiber und das Taxigewerbe geht eine echte Ära zu Ende. Am 29. April 2026 wurde in Wolfsburg sang- und klanglos das letzte Exemplar des VW Touran produziert. Ein leiser Abschied für ein Erfolgsmodell, von dem seit seinem Debüt mehr als 2,3 Millionen Einheiten gebaut wurden.

Warum VW den Stecker zieht

Dass der Touran genau jetzt das Feld räumen muss, liegt weniger an mangelnder Beliebtheit als vielmehr an strengen EU-Vorschriften. Ab dem 6. Juli 2026 gilt die neue „General Safety Regulation II“ (GSR II, Stufe C), die weitreichende Assistenz- und Sicherheitssysteme für Neuwagen zur Pflicht macht.

Für den in die Jahre gekommenen Kompakt-Van, dessen zweite Generation bereits 2015 auf den Markt kam, wäre ein technisches Update schlichtweg zu teuer gewesen. Eine wirtschaftlich sinnvolle Umrüstung der Plattform war nicht mehr darstellbar.

"Die Nachrüstung der veralteten Architektur hätte Unsummen verschlungen – wirtschaftlich war das endgültige Aus damit unausweichlich."

Von einem Job-Wunder zum Bestseller

Die Geschichte des Touran begann Ende 2002 mit einem innovativen Ansatz. Im Rahmen der eigens gegründeten „Auto 5000 GmbH“ wurde der Van in Wolfsburg produziert, um neue Tarifmodelle zu testen und Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Konzept ging auf und bescherte den Wolfsburgern einen Riesenhit. Sein Rekordjahr erlebte das Raumwunder 2004 mit über 95.000 Neuzulassungen allein in Deutschland.

Besonders Taxifahrer und kinderreiche Familien schätzten die unschlagbaren Vorzüge des Modells:

  • Viel Platz auf einer überaus kompakten Grundfläche
  • Hohe Variabilität durch die Option auf bis zu sieben Sitze
  • Langlebige und sparsame Dieselmotoren

Zuletzt waren die Zulassungszahlen jedoch auf rund 14.000 Fahrzeuge pro Jahr geschrumpft, da das Segment der klassischen Vans zunehmend von der SUV-Welle überrollt wurde.

Wer tritt jetzt in die Fußstapfen?

Einen direkten Nachfolger wird es nicht geben. Wer bei Volkswagen heute nach einem geräumigen Familienauto sucht, wird gezielt in andere Fahrzeugklassen gelenkt. SUVs wie der Tiguan oder der größere Tayron sollen die Lücke füllen.

Wer den pragmatischen Van-Charakter sucht, muss künftig auf den Hochdachkombi Caddy ausweichen – oder den Schritt in die Elektromobilität wagen und zum ID. Buzz greifen. Fest steht jedenfalls: Der klassische Familien-Van mit Verbrennungsmotor ist bei VW endgültig Geschichte.