Während in Wolfsburg noch an den Details des ID.2 gefeilt wird, schafft Kia Tatsachen. Mit dem neuen EV2 präsentieren die Koreaner nicht nur einen schicken City-SUV, sondern liefern genau das, worauf der deutsche Markt wartet: Bezahlbare E-Mobilität mit langstreckentauglicher Reichweite. Ein echter Albtraum für die europäische Konkurrenz?
Die Ansage aus Korea könnte deutlicher kaum sein. Pünktlich zum Jahresbeginn rollt Kia den EV2 ins Rampenlicht – ein kompaktes Elektro-SUV, das in Sachen Preis-Leistung neue Maßstäbe setzen will. Das Design erinnert bewusst an den großen Bruder EV9: kantig, selbstbewusst und mit der typischen „Tiger Nose“-Front, die aber nun futuristisch interpretiert wird. Doch viel spannender als die Optik ist das, was unter dem Blech steckt.
Reichweite, die die Angst nimmt
Das größte Manko günstiger Elektroautos war bislang die Reichweite. Wer weniger zahlt, kommt nicht weit – so die alte Regel. Der EV2 bricht damit. In der „Long Range“-Version mit einem 61-kWh-Akku verspricht Kia eine WLTP-Reichweite von bis zu 448 Kilometern. Das ist ein Wert, der selbst manche Mittelklasse-Stromer alt aussehen lässt und für den Alltag mehr als ausreichend ist. Selbst die Basisversion mit 42,2 kWh schafft noch respektable 317 Kilometer.
Und wenn der Saft doch mal ausgeht? Dann fließt der Strom zügig nach. Dank der bewährten E-GMP-Architektur lädt der EV2 in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Ein besonderes Highlight für Laternenparker und Stadtbewohner: Kia bietet erstmals optional einen 22-kW-Onboard-Lader an. Damit ist der Akku an städtischen AC-Ladesäulen in Rekordzeit wieder voll – ein Feature, das man bei der Konkurrenz in dieser Klasse oft vergeblich sucht.
Innenraum: Die „Picnic Box“
Auch im Innenraum zeigt Kia, dass „klein“ nicht „eng“ bedeuten muss. Das Konzept nennt sich „Picnic Box“ und zielt auf maximale Flexibilität ab. Die Rücksitzbank ist verschiebbar, was je nach Bedarf mehr Beinfreiheit oder mehr Kofferraumvolumen schafft. Wer die Lehnen umklappt, erhält eine fast ebene Ladefläche – ideal für den Großeinkauf oder eben das namensgebende Picknick im Grünen.
Technologisch gibt es keine Abstriche: Das bekannte Panorama-Display aus den größeren Modellen findet auch hier seinen Platz. Zudem verbaut Kia nachhaltige Materialien im Innenraum, um den ökologischen Fußabdruck weiter zu senken. Ein nettes Detail für Camper und Outdoor-Fans: Die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) ist an Bord, mit der sich externe Geräte wie E-Bikes oder Kaffeemaschinen direkt am Auto betreiben lassen.
Angriff auf VW, Renault und Co.
Die Positionierung ist klar: Der EV2 zielt direkt auf die Lücke, die der VW ID.2 erst in Zukunft füllen soll. Während man in Deutschland noch über Studien und Starttermine diskutiert, wird der EV2 bereits im slowakischen Werk in Zilina produziert. Der Marktstart steht unmittelbar bevor.
Preislich dürfte sich das Basismodell zwischen 25.000 und 30.000 Euro einpendeln. Sollte Kia diesen Preispunkt halten, wird es für den kommenden Renault 5 oder den Citroën ë-C3 eng. Denn der EV2 bietet nicht nur den beliebten SUV-Look, sondern mit der großen Batterie auch eine Erstwagentauglichkeit, die vielen Kleinwagen-Stromern fehlt.
Fazit: Der Weckruf für Europa
Der Kia EV2 ist mehr als nur ein weiteres Elektroauto. Er ist der Beweis, dass man für unter 30.000 Euro (Basis) ein vollwertiges Fahrzeug bauen kann, das keine Angst vor der Autobahn haben muss. Für die deutschen Hersteller ist das Modell ein schmerzhafter Nadelstich: Die Koreaner sind nicht nur schneller, sie liefern auch genau das Paket, das die breite Masse jetzt braucht.