Mit dem Produktionsstopp von Model S und Model X geht bei Tesla in diesen Tagen eine Ära zu Ende. Die Limousine revolutionierte 2012 den weltweiten Automobilmarkt und bewies erstmals, dass Elektroautos alltagstauglich, rasend schnell und begehrenswert sein können. Das wuchtige SUV Model X legte einige Jahre später mit seinen spektakulären Flügeltüren nach. Doch in letzter Zeit spielten die beiden in die Jahre gekommenen Pioniere bei den weltweiten Verkaufszahlen nur noch eine absolute Nebenrolle, weshalb nun konsequent der Stecker gezogen wurde.
Platz da für Roboter und Robotaxis
Der offizielle Grund für das Auslaufen der beiden teuersten Baureihen ist klarer strategischer Natur: Der amerikanische Autobauer richtet seinen Fokus drastisch neu aus. Die gigantischen, nun frei gewordenen Produktionsflächen in der Fabrik sollen künftig für den Bau von autonomen Taxis und humanoiden Robotern genutzt werden.
Gleichzeitig gab es enorme regulatorische Hürden. Crash-Test-Standards und Sicherheitsvorgaben ändern sich rasant. Eine umfassende Nachbesserung der über 14 Jahre alten Grundplattform der Luxus-Modelle hätte immense Kapazitäten verschlungen, die das Unternehmen derzeit lieber in Zukunftsprojekte steckt. Dennoch scheint das letzte Kapitel der beiden Fahrzeuge noch nicht geschrieben zu sein.
Sag niemals nie: Die Hintertür bleibt offen
Dass ein Comeback der Oberklasse-Stromer alles andere als unwahrscheinlich ist, bestätigte kürzlich die Chefetage der Entwicklungsabteilung. In Branchengesprächen machten die Führungskräfte deutlich, dass die aktuelle Entscheidung zwar hart, aber zwingend notwendig war, um alle Ingenieure auf die nächste Fahrzeuggeneration anzusetzen.
"Es war einfach so: Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um das weiterzuführen. Das heißt aber nicht, dass es für immer vorbei ist. Ich sage nie 'nie'."
Diese Aussage lässt tief blicken. Tesla weiß ganz genau, dass der lukrative Premium-Sektor von etablierten Herstellern und frischen Start-ups derzeit massiv umkämpft wird. Sobald die Produktionslinien für die Massenmodelle und die neue Robotik-Sparte reibungslos laufen, könnte sich ein Zeitfenster für ein völlig neues Flaggschiff-Projekt in der Luxusklasse öffnen.
Was eine Neuauflage mitbringen müsste
Sollte es tatsächlich zu einer spektakulären Neuauflage der beiden Legenden kommen, darf der kalifornische Hersteller nicht bloß alte Konzepte aufwärmen. Um in ein paar Jahren wieder den Ton anzugeben, erwarten Branchenkenner handfeste Innovationen:
- 800-Volt-Architektur: Was bei der Konkurrenz in der automobilen Oberklasse längst zum Standard reift, müsste bei einem neuen Modell für extrem kurze Ladezeiten sorgen.
- Steer-by-Wire-Technologie: Die komplett elektronische Lenkung, die bereits bei anderen Modellen des Hauses im Einsatz ist, wäre für eine futuristische Premium-Limousine der logische nächste Schritt.
- Konkurrenzloses Premium-Interieur: Ein neu gedachtes Fahrzeug müsste nicht nur mit wahnwitzigen Beschleunigungswerten punkten, sondern vor allem beim Fahrkomfort, der Geräuschdämmung und der Materialauswahl wieder neue Branchenmaßstäbe definieren.
Fest steht: Das vorläufige Aus für Model S und Model X markiert einen historischen Wendepunkt in der Elektromobilität. Doch wer die Geschichte des unkonventionellen Autobauers kennt, weiß, dass Totgesagte oft lauter und stärker zurückkehren als jemals zuvor.