Die Opel-Mutter Stellantis wagt einen radikalen Kurswechsel, der die Autowelt aufhorchen lässt. Der europäische Autogigant verabschiedet sich im Segment der Kleinstwagen komplett von seiner bisherigen „Multi-Energy-Strategie“. Anstatt wie bei aktuellen Modellen wie dem Fiat 500 flexibel auf Elektro, Hybrid oder Verbrenner zu setzen, wird die kommende Generation von City-Flitzern ausschließlich mit reinem Elektroantrieb vom Band rollen. Mit diesem harten Schnitt will der Konzern den extremen Preisdruck durch chinesische Konkurrenten abfedern und ein fast vergessenes Versprechen einlösen: Elektromobilität für jedermann.

Warum Stellantis die Reißleine zieht

In der Vergangenheit betonte die Stellantis-Chefetage immer wieder, wie wichtig maximale Flexibilität bei den Antriebsarten sei. Doch im hart umkämpften Einstiegssegment lässt sich dieses Prinzip wirtschaftlich nicht mehr halten. Die parallele Entwicklung verschiedener Antriebsplattformen verschlingt Unmengen an Ressourcen – Geld, das beim Bau eines extrem günstigen Autos an allen Ecken und Enden fehlt.

Wie die Leitung der Region Enlarged Europe bei Stellantis kürzlich auf einem Branchenkongress verriet, liegt der Fokus nun einzig und allein darauf, die kleinen Stromer so erschwinglich wie möglich zu machen. Das erklärte Ziel ist ein sensationeller Einstiegspreis von rund 15.000 Euro. Damit würde Stellantis Platzhirsche wie den kommenden Renault Twingo Electric oder den VW ID.1 preislich deutlich unterbieten.

Comeback einer Legende: Die „Ente“ kehrt elektrisch zurück

Die Pläne für das sogenannte „E-Car“-Projekt nehmen bereits rasant Gestalt an. Hinter dem Namen verbirgt sich weit mehr als ein trockenes Industrieprojekt: Das „E“ steht laut Konzernangaben für europäisch, emotional, elektrisch und umweltfreundlich („eco-friendly“). Und emotional wird es garantiert, denn Stellantis plant unter anderem das Comeback einer absoluten Kult-Legende.

Neben einem neuen, stylischen City-Flitzer für Fiat soll auch Citroën eine Ikone wiederbeleben: Die legendäre „Ente“ (2CV) kehrt als minimalistisches, extrem bezahlbares Elektroauto zurück! Erste Teaser-Bilder deuten bereits auf die charakteristische Silhouette des Originals von 1948 hin – kombiniert mit modernster, hocheffizienter Batterietechnik.

„Unsere Kunden wünschen sich eine Renaissance kleiner, stilvoller Fahrzeuge, die mit Stolz in Europa produziert werden und die zudem erschwinglich und umweltfreundlich sind.“

Ein Hauch von Japan: Die neue EU-Klasse für E-Autos

Dass ein solch niedriger Preis für in Europa gebaute Fahrzeuge überhaupt realisierbar wird, liegt auch an einer neuen Initiative aus Brüssel. Die EU-Kommission arbeitet intensiv an einer neuen Fahrzeugklasse namens „M1E“ – quasi einer europäischen Variante der extrem populären japanischen „Kei Cars“.

  • Kompakte Maße: Die Fahrzeuge sollen auf eine Länge von etwa 3,50 bis 3,80 Metern begrenzt sein.
  • Reduzierter Ballast: Durch den bewussten Verzicht auf überladene und teure Assistenzsysteme sinken die Produktionskosten drastisch.
  • Urbaner Fokus: Weniger Gewicht und eine moderate Motorleistung reichen für den alltäglichen Pendelverkehr völlig aus.

Italienische Fertigung mit fernöstlichen Genen

Produziert werden sollen die neuen E-Cars ab dem Jahr 2028 im geschichtsträchtigen italienischen Werk Pomigliano d’Arco bei Neapel, wo derzeit noch der Fiat Panda gefertigt wird. Damit sendet Stellantis ein starkes Signal für den Erhalt europäischer Arbeitsplätze in Design und Produktion.

Um die aggressive Preismarke von 15.000 Euro zu knacken, holt sich der Konzern allerdings Schützenhilfe aus Fernost. Für die technische Plattform kooperiert Stellantis eng mit seinem chinesischen Partner Leapmotor. Das Ziel ist klar: Von der kosteneffizienten Entwicklung der Chinesen lernen und die Technologie im eigenen Werk so umsetzen, dass am Ende ein echtes europäisches Volks-Elektroauto entsteht.