Der Sportwagenbauer hat sich zu einem drastischen Schritt entschlossen: Im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen steht die Produktion des Elektro-Vorzeigemodells Taycan vorübergehend still. Was offiziell unter anderem mit Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten begründet wird, hat einen handfesten Hintergrund, der die gesamte Branche aufhorchen lässt. Die Nachfrage nach dem teuren Luxus-Stromer ist massiv eingebrochen.

Bereits in den vergangenen Wochen häuften sich die sogenannten Schließtage in der Fertigung. Die einst begehrten Fahrzeuge stapeln sich bei den Händlern, während Neubestellungen ausbleiben. Ein Unternehmenssprecher räumte ein, dass man auf die Marktrealität reagiere.

"Wir richten unsere Fertigung nach der Auftragslage aus, dadurch kommt es naturgemäß zu Schwankungen."

Zahlen, die in Zuffenhausen alarmieren

Ein Blick auf die Bilanzen des ersten Quartals zeigt das Ausmaß des Problems. Weltweit lieferte der Hersteller nur noch rund 3.420 Einheiten des Taycan aus – ein herber Rückgang von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Besonders schmerzhaft ist die Entwicklung auf dem wichtigsten Einzelmarkt. In China, wo heimische Hersteller mit technologisch hochentwickelten, aber deutlich günstigeren Modellen drängen, brachen die Verkaufszahlen markenübergreifend um über 20 Prozent ein. Für ein Fahrzeug, das einst die Speerspitze der elektrischen Revolution aus Deutschland bilden sollte, sind das alarmierende Signale.

Strategiewechsel: Rückkehr zum Verbrenner?

Die schwache Resonanz auf das vollelektrische Angebot zwingt das Management offenbar zum Umdenken. Die konsequente Abkehr vom Verbrennungsmotor in den kommenden Jahren scheint vorerst vom Tisch zu sein.

  • Beliebte Verbrenner- und Hybridmodelle wie der Cayenne oder der Panamera sollen nun bis weit in die 2030er-Jahre angeboten werden.
  • Geplante Elektro-Projekte und neue rein elektrische Plattformen werden zeitlich nach hinten geschoben.
  • Randprojekte im Bereich der Elektromobilität stehen auf dem Prüfstand, um den Fokus wieder auf das profitable Kerngeschäft zu lenken.

Das Luxusproblem des Taycan zeigt exemplarisch: Selbst klangvolle Namen und Rekordzeiten auf dem Nürburgring reichen aktuell nicht aus, um die Zurückhaltung der Käufer bei teuren Premium-Elektroautos zu durchbrechen. Die Kunden fordern heute offenbar mehr als nur brachiale Beschleunigung; sie suchen nach ausgereifter Alltagstauglichkeit und werthaltigen Investitionen – Kriterien, bei denen das Vertrauen in die Elektromobilität noch wachsen muss.