Eigentlich sollte der kompakte Ableger der legendären Mercedes G-Klasse ausschließlich als reines Elektroauto auf den Markt kommen. Doch nun gibt es eine handfeste Überraschung: Der intern oft liebevoll als „Little G“ bezeichnete Offroader wird zur geplanten Markteinführung im kommenden Jahr 2027 auch mit einem Verbrennungsmotor anrollen. Ausschlaggebend für diesen Strategiewechsel war vor allem der massive Druck aus einem der weltweit wichtigsten Absatzmärkte.

Lange Zeit galt bei den Schwaben die strikte „Electric Only“-Devise. Entsprechend sollte die geschrumpfte Kult-Kiste das elektrische Einstiegsmodell in die rustikale Offroad-Welt werden. Doch die Realität auf den internationalen Automobilmärkten sieht aktuell anders aus. Die Verkaufszahlen großer Elektro-SUVs entwickeln sich vielerorts verhaltener als noch vor einigen Jahren prognostiziert – auch bei der erst kürzlich eingeführten rein elektrischen Variante der großen G-Klasse griffen Kunden zuletzt wieder deutlich häufiger zum klassischen Benziner.

Ein klares Veto aus Übersee

Die endgültige Entscheidung für die zweigleisige Antriebsstrategie fiel Berichten zufolge jedoch nicht am heimischen Schreibtisch in Stuttgart, sondern in den Vereinigten Staaten. Bei regelmäßigen Befragungen machten die amerikanischen Händler unmissverständlich klar, dass ein rein elektrischer Mini-Offroader in weiten Teilen der USA angesichts der enormen Distanzen und einer teils löchrigen Ladeinfrastruktur nur sehr schwer verkäuflich sei. Um das Potenzial des neuen Modells nicht künstlich zu beschneiden, lenkte die Konzernführung schließlich ein.

Aus der Führungsetage der Sportwagen-Schmiede AMG wurde dieser pragmatische Ansatz mittlerweile auch ganz offiziell bestätigt. Man habe den Wunsch nach einem adäquaten Benziner sehr ernst genommen und konsequent in die laufende Fahrzeugentwicklung integriert.

"Das eindeutige Feedback unserer US-Händler, die wir von Zeit zu Zeit befragt haben, lautete, dass wir eine Version mit Verbrennungsmotor brauchen. Wir sagten: Ja, okay. Dann nehmen wir eine Version mit Verbrennungsmotor ins Programm. Sie muss über ausreichend Leistung verfügen, und das wird definitiv umgesetzt."

Was unter der eckigen Haube steckt

Trotz der deutlich kompakteren Abmessungen soll die neue Baureihe keinesfalls ein weichgespültes City-SUV werden. Optisch orientiert sich das Modell eng an der großen Ikone: Ein sehr kantiges Design, auffallend kurze Überhänge und das charakteristische, außenliegende Reserverad an der Hecktür gelten als gesetzt. Auch auf der technischen Seite verspricht der Hersteller echte Kletterfähigkeiten abseits befestigter Straßen.

Die Käufer haben ab 2027 voraussichtlich die Wahl zwischen zwei komplett unterschiedlichen Antriebswelten:

  • Der Verbrenner: Anstelle eines wuchtigen V8-Motors dürfte ein besonders effizienter 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit intelligenter Mildhybrid-Technik zum Einsatz kommen. Rund 190 PS und ein integriertes Elektromodul sollen für mehr als ausreichend Durchzugskraft und moderate Verbrauchswerte sorgen.
  • Die Elektro-Version: Stromer-Fans gehen keineswegs leer aus. Das rein elektrische Modell wird mit modernster Technologie und leistungsstarkem Allradantrieb erwartet. Branchenkenner rechnen hier mit alltagstauglichen Reichweiten von deutlich über 500 Kilometern.

Pragmatismus als neues Erfolgsrezept

Mit der doppelten Antriebsstrategie für den kleinen G beweist der Autohersteller eine bemerkenswerte taktische Flexibilität. Anstatt dogmatisch an reinen Elektro-Plänen festzuhalten, reagiert man blitzschnell auf regionale Kundenbedürfnisse. Ob nun als flüsterleiser Stromer oder als effizienter Verbrenner – die kompakte G-Klasse dürfte mit diesem kundenorientierten Angebot zu einem der absolut spannendsten Neuzugänge des kommenden Automobiljahres werden.