Der kalifornische Elektroautobauer Lucid Motors schaltet in den Angriffsmodus. Mit einem echten Überraschungscoup an der Führungsspitze, einer gewaltigen Finanzspritze von über einer Milliarde US-Dollar und einem massiv ausgeweiteten Robotaxi-Deal will der Tesla-Herausforderer nun endgültig den Massenmarkt erobern.

Vom Aufzug-Chef zum Autoboss

Den Weg aus der Nische soll ein branchenfremder Manager ebnen: Silvio Napoli, der bis vor kurzem noch einen Schweizer Aufzugs- und Fahrtreppenkonzern leitete, übernimmt ab sofort das Lenkrad. Der bisherige Interims-Chef Marc Winterhoff rückt auf die Position des Chief Operating Officer (COO) und macht Platz für Napoli, der nun eigens aus der Schweiz in die USA übersiedelt. Die Erwartungen an den neuen starken Mann sind immens – er soll nicht nur die Produktion der bisherigen Luxusmodelle skalieren, sondern auch ein völlig neues, erschwingliches Mittelklasse-Modell für unter 50.000 Dollar auf die Straße bringen.

Frische Milliarden für die nächste Wachstumsphase

Geldnöte scheinen für das ehrgeizige Vorhaben vorerst passé zu sein. Das Unternehmen konnte ein massives Finanzierungspaket schnüren, das insgesamt rund 1,05 Milliarden Dollar in die Kassen spült:

  • 550 Millionen Dollar fließen als neues Investment über wandelbare Vorzugsaktien durch einen Ableger des saudi-arabischen Staatsfonds (PIF).
  • 200 Millionen Dollar steuert der Fahrdienstleister Uber als frisches Kapital bei.
  • 300 Millionen Dollar generiert der Autobauer durch eine weitere öffentliche Aktienausgabe.

Eine Flotte von 35.000 Robotaxis

Der eigentliche Paukenschlag ist jedoch die drastische Erweiterung der Partnerschaft mit Uber. Der Fahrtenvermittler hat sich verpflichtet, mindestens 35.000 speziell modifizierte Lucid-Fahrzeuge für einen geplanten globalen Robotaxi-Dienst abzunehmen. Bereits seit Ende letzten Jahres laufen erste autonome Testfahrten im realen Verkehr, und noch in diesem Jahr wird ein kommerzieller Start in der San Francisco Bay Area angepeilt.

"Die neuen Vereinbarungen beweisen die wachsende Stärke unserer Partnerschaft mit Uber und zeigen eindrucksvoll, welche enormen Vorteile unsere softwaredefinierten Plattformen für die Mobilitätsnetzwerke der Zukunft bieten."

Ob der unkonventionelle neue Chef und der prall gefüllte Geldbeutel ausreichen, um die ambitionierten Ziele in die Tat umzusetzen, werden die kommenden Monate zeigen. Die Weichen für ein echtes Comeback sind jedenfalls gestellt.