Eigentlich galt der Plan als in Stein gemeißelt: Ab 2028 sollten bei der legendären britischen Sportwagenmarke Lotus nur noch reine Elektroautos vom Band rollen. Doch die Realität auf dem globalen Automarkt erzwingt nun ein drastisches Umdenken. Die ehrgeizige Elektro-Strategie wird zugunsten einer flexibleren Ausrichtung stark entschärft.
Mit dem neuen Geschäftsplan „Focus 2030“ peilt das inzwischen zum Geely-Konzern gehörende Unternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts einen Absatzmix an, der zu 60 Prozent aus Plug-in-Hybriden und nur noch zu 40 Prozent aus reinen Batterie-elektrischen Fahrzeugen (BEV) besteht. Die anhaltende Kaufzurückhaltung bei luxuriösen Stromern hat diesen pragmatischen Schritt in der Autoindustrie zuletzt bei vielen Herstellern notwendig gemacht.
Ein Super-Hybrid als Retter in der Not?
Um diese neue Ära einzuläuten, bringt Lotus ein echtes Technologie-Feuerwerk nach Europa. Den Anfang macht ab Ende 2026 das gewaltige Luxus-SUV Eletre X, das die sogenannte „X-Hybrid-Technologie“ nutzt. Hierbei handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Plug-in-Antrieb, sondern um ein System, das kompromisslose Leistung mit enormer Ausdauer verbindet.
Die Leistungsdaten des neuen Kraftpakets lesen sich dabei wie ein Auto-Quartett der Superlative:
- Eine gigantische Systemleistung von bis zu 952 PS.
- Ein Sprint von 0 auf 100 km/h in atemberaubenden 3,3 Sekunden.
- Rund 350 Kilometer rein elektrische Reichweite dank eines üppigen 70-kWh-Akkus.
- Über 1.200 Kilometer Gesamtreichweite, da der integrierte Verbrennungsmotor während der Fahrt als 150-kW-Generator dient und massig Strom nachproduziert.
Brückentechnologie statt Leichtbau-Dogma
Für Hardcore-Fans der Marke, deren Gründer Colin Chapman einst das Motto „Vereinfache, dann füge Leichtigkeit hinzu“ prägte, mag ein rund 2,6 Tonnen schweres Hybrid-SUV wie ein Kulturschock wirken. Doch wirtschaftlich ergibt der Kurswechsel absolut Sinn.
"Die neue Architektur liefert die unmittelbare Reaktion eines Elektroautos, beseitigt aber durch den Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer jegliche Ladeangst auf langen Strecken."
Trotz des verstärkten Fokus auf Hybrid-Modelle wird das Elektroauto aber keineswegs beerdigt. Die britischen Entwickler betonen, dass die Forschung an reinen Stromern mit Hochdruck weitergeht. Die beim Eletre X genutzte, hochmoderne 900-Volt-Architektur, die das Aufladen des Akkus in nur neun Minuten von 20 auf 80 Prozent ermöglicht, zeigt eindrucksvoll: Die elektrische Zukunft steht weiterhin im Mittelpunkt – nur eben vorerst mit einem doppelten Netz.