Eigentlich wollte die britische Traditionsmarke Lotus ab 2028 ausschließlich Elektroautos bauen. Doch die schwächelnde Nachfrage im Luxussegment zwingt die Sportwagenschmiede nun zu einem drastischen Kurswechsel: Das elektrische Vorzeige-SUV Eletre bekommt einen Verbrennungsmotor spendiert. Als Plug-in-Hybrid „Eletre X“ soll das Kraftpaket das Problem der Reichweitenangst mit brachialer Gewalt und einem satten Benzintank aus der Welt schaffen.
Unter der Haube des rund 2,6 Tonnen schweren Kolosses arbeitet ein raffiniertes Antriebssystem. Lotus kombiniert in dem neuen Power-SUV gleich mehrere Welten: Leistungsstarke Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse werden durch einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner unterstützt. Dieser dient im effizienten Atkinson-Zyklus in erster Linie als Generator, um Strom für den Akku zu produzieren, kann aber bei Bedarf auch direkt die Vorderräder antreiben.
Kompromisslose Leistung statt klassischem Leichtbau
Von der einstigen Philosophie des Firmengründers Colin Chapman – „Simplify, then add lightness“ – ist der neue Eletre X weit entfernt. Das Kampfgewicht ist enorm, doch die ausgeklügelte Systemleistung macht das mehr als wett:
- Die Kombination der Antriebe liefert unglaubliche 952 PS (700 kW) und 935 Newtonmeter maximales Drehmoment.
- In nur 3,3 Sekunden katapultiert sich das Power-SUV von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 230 km/h.
- Dank einer von 112 auf 70 kWh geschrumpften Batterie und einem 52-Liter-Benzintank soll die Gesamtreichweite bei über 1.200 Kilometern liegen. Rein elektrisch sind immerhin rund 350 Kilometer machbar.
"Der Eletre X ist ein SUV auf Steroiden."
Angriff auf die Benzin-Elite
Der Schritt zurück zum Verbrenner zeigt deutlich, wie stark der Druck auf die Hersteller im Luxussegment gewachsen ist. Lotus zielt mit dem für Herbst 2026 angekündigten Eletre X direkt auf zahlungskräftige Kunden, die den Sprung in die kompromisslose Elektromobilität noch scheuen. Mit einem angepeilten Startpreis von knapp unter 100.000 Euro ist der Wagen eine direkte Kampfansage an etablierte Platzhirsche wie den deutlich teureren Lamborghini Urus oder den Porsche Cayenne PHEV.
Ganz nebenbei punktet das Fahrzeug mit einer hochmodernen 900-Volt-Architektur. Ist die Batterie einmal leer, lässt sie sich an einer Schnellladesäule in gerade einmal neun Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen. Damit beweist Lotus: Auch wenn der reine Elektro-Traum vorerst pausieren muss, bleibt die technologische Innovationskraft der Marke ungebrochen.