Der deutsche Automarkt gilt als die härteste Nuss, die es zu knacken gibt, doch der chinesische Export-Gigant Chery lässt nicht locker. Nach dem Start der Schwestermarke Omoda schickt der Konzern nun die „abenteuerlustige“ Marke Jaecoo ins Rennen. Das erste Modell, der Jaecoo 7, rollt dabei nicht als reiner Stromer, sondern als technisch aufgerüsteter Plug-in-Hybrid (PHEV) zu den Händlern. Die Strategie ist klar: Viel Auto für vergleichsweise wenig Geld – verpackt in einem Design, das verdächtig nach britischem Landadel aussieht.

Was hinter dem Kürzel „SHS“ steckt

Der Namenszusatz SHS steht für „Super Hybrid System“ und ist das Herzstück der deutschen Markteinführung. Statt auf reine Elektromobilität zu setzen, kombiniert Jaecoo einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem kräftigen Elektromotor. Das Ergebnis auf dem Papier kann sich sehen lassen:

  • Systemleistung: Satte 205 kW (ca. 279 PS) sorgen für ordentlich Vortrieb.
  • Elektrische Reichweite: Rund 90 Kilometer sollen rein elektrisch möglich sein – mehr als genug für die meisten Pendlerstrecken.
  • Gesamtreichweite: Mit vollem 60-Liter-Tank und geladener 18,3-kWh-Batterie verspricht der Hersteller bis zu 1.200 Kilometer am Stück.

Besonders interessant für Laternenparker und Eilige: Der Jaecoo 7 SHS lässt sich nicht nur an der Wallbox nuckelnd aufladen, sondern verträgt auch bis zu 40 kW am Schnelllader (DC). In der Praxis bedeutet das eine Kaffeepause von etwa 20 Minuten, um den Akku wieder auf 80 Prozent zu bringen.

Kante zeigen: Design und Ausstattung

Optisch macht der Jaecoo 7 keinen Hehl aus seinen Vorbildern. Die kantige Silhouette, der wuchtige Kühlergrill und die versenkbaren Türgriffe erinnern stark an Range Rover. Doch während man für das britische Original ein kleines Vermögen hinlegen muss, startet der Chinese zu einem Kurs, für den man bei deutschen Premium-Herstellern oft nur einen gut ausgestatteten Kompaktwagen bekommt.

Im Innenraum setzt sich die Materialschlacht fort: Ein riesiger 14,8-Zoll-Touchscreen dominiert das Cockpit, ein Sony-Soundsystem sorgt für die Beschallung, und diverse Offroad-Modi sollen suggerieren, dass dieser SUV nicht nur für den Bordstein vor der Kita gemacht ist. Ob das „All Road Drive Intelligent System“ (ARDIS) im schlammigen Brandenburger Forst hält, was es verspricht, werden erste Tests zeigen müssen.

Kampfpreis gegen die Platzhirsche

Mit einem Einstiegspreis von 36.900 Euro für den Plug-in-Hybrid positioniert sich Jaecoo aggressiv. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan eHybrid kostet schnell mal 10.000 Euro mehr. Chery versucht hier, über den Preis und eine fast Vollausstattung in den Markt zu drücken.

„Wir wollen nicht nur online verkaufen, sondern nah am Kunden sein.“

Anders als manche Start-ups setzt Chery dabei nicht rein auf Direktvertrieb, sondern baut ein klassisches Händlernetz auf. Die ersten Partner, wie Autohaus Tönjes oder Pichel, sind bereits an Bord. Das Ziel ist Vertrauen – ein Gut, das bei neuen Marken oft Mangelware ist. Mit dem Jaecoo 7 SHS liegt nun ein Angebot auf dem Tisch, das zumindest auf dem Papier extrem verlockend klingt.