Lange Ladezeiten und hohe Preise sind die größten Hürden für den Umstieg aufs E-Auto – zumindest war das bisher so. Jetzt rollt ein neuer Herausforderer auf den deutschen Markt, der genau diese Probleme lösen will. Mit 800-Volt-Technik serienmäßig, riesigem Platzangebot und einem Preis, der die Konkurrenz nervös machen dürfte.
Wer bisher ein Elektroauto mit 800-Volt-Technologie wollte, musste meist tief in die Tasche greifen. Autos wie der Porsche Taycan oder der Audi e-tron GT machten es vor: Ultraschnelles Laden in der Kaffeepause. Doch im bezahlbaren Segment? Da herrscht oft noch die 400-Volt-Klasse vor, die an der Ladesäule gerne mal eine halbe Stunde und länger braucht.
Genau in diese Lücke stößt nun Xpeng mit dem neuen P7+. Die Ansage des chinesischen Herstellers ist selbstbewusst: Eine große Reise-Limousine mit Technik aus der Oberklasse, aber zum Preis eines gut ausgestatteten Kompakten. Ab 46.600 Euro soll der Spaß in Deutschland losgehen – und das könnte für etablierte Platzhirsche wie das Tesla Model 3 oder den VW ID.7 ungemütlich werden.
Porsche-Ladetempo für den Massenmarkt
Das Highlight des P7+ verbirgt sich unter dem Blech: Die serienmäßige 800-Volt-Architektur. Während viele Konkurrenten in dieser Preisklasse noch mit maximal 170 kW laden, drückt der Xpeng den Strom förmlich in die Akkus. Der Hersteller verspricht, dass der Ladestand in nur rund 12 Minuten von 10 auf 80 Prozent springt.
Für den Alltag bedeutet das: Ein kurzer Stopp an der Autobahnraststätte reicht, um wieder Hunderte Kilometer Reichweite zu gewinnen. Die Zeiten, in denen man seine Langstreckenfahrten minutiös um Ladesäulen herumplanen musste, sollen damit der Vergangenheit angehören. Kombiniert wird das Ganze mit effizienten LFP-Akkus, die zwar etwas weniger Energie speichern als teure NMC-Batterien, dafür aber als robuster und langlebiger gelten.
Platzangebot: S-Klasse-Maße zum Passat-Preis
Doch nicht nur beim Laden klotzt der Neue, auch bei den Abmessungen. Mit einer Länge von über fünf Metern (5,07 Meter) entwächst der P7+ der Mittelklasse deutlich. Das Design als „Fastback“ – eine Mischung aus Limousine und Coupé – sorgt nicht nur für eine windschnittige Optik, sondern auch für ein Raumwunder im Inneren.
Vor allem Familien dürften beim Blick in den Kofferraum aufhorchen: Bis zu 725 Liter Ladevolumen stehen zur Verfügung, bei umgeklappten Rücksitzen wächst der Stauraum sogar auf über 2.200 Liter. Das sind Werte, von denen viele SUVs nur träumen können.
KI statt Laser: Der neue Weg beim Autopiloten
Technisch geht Xpeng ebenfalls in die Vollen und setzt voll auf das Thema Künstliche Intelligenz. Anders als beim Vorgänger oder vielen chinesischen Konkurrenten verzichtet der P7+ auf die teuren LiDAR-Sensoren (Laser-Radar) auf dem Dach. Stattdessen setzt man – ähnlich wie Tesla – auf ein reines Kamerasystem namens „AI Hawkeye“.
Hochauflösende Kameras und intelligente Software sollen die Umgebung erfassen und teilautonomes Fahren ermöglichen. Ob das System auf deutschen Autobahnen und im wuseligen Stadtverkehr genauso gut funktioniert wie in den chinesischen Megacitys, müssen erste Tests zeigen. Die Ambition ist jedoch klar: Das Auto soll sich durch Software-Updates ständig weiterentwickeln und schlauer werden.
Der Clou: Made in Europe?
Ein Argument könnte für deutsche Käufer besonders wichtig sein: Xpeng plant, die Produktion teilweise nach Europa zu verlegen. Die Partnerschaft mit Magna Steyr in Graz (Österreich) ist ein starkes Signal. Wenn der P7+ künftig mit „österreichischer Qualität“ vom Band rollt, könnte das letzte Vorbehalte gegenüber chinesischen Marken abbauen.
Mit dem P7+ liefert Xpeng ein Gesamtpaket ab, das auf dem Papier kaum Schwächen zeigt: Schnellstes Laden, massig Platz und moderne Technik zu einem Preis, der den Wettbewerb unter Druck setzt. Für die deutschen Autofahrer sind das gute Nachrichten – der Preiskampf im Elektrosegment hat gerade erst richtig begonnen.