Die "Neue Klasse" von BMW rollt an – und sie bringt eine kleine Revolution für den heimischen Stromzähler mit. Mit dem Marktstart des neuen Elektro-SUVs iX3 und der kommenden Elektro-Limousine i3 bringt der Münchner Autobauer das bidirektionale Laden in die Breite. Das Auto ist damit nicht mehr nur ein reiner Stromverbraucher, sondern wird zum aktiven Teil des Energiemarktes.

Was heißt bidirektionales Laden konkret?

Bisher kannten Elektroautofahrer nur die Einbahnstraße: Strom fließt aus dem Netz in die Fahrzeugbatterie. Bidirektionales Laden hebt diese Beschränkung auf. BMW unterscheidet dabei drei wesentliche Nutzungsszenarien:

  • Vehicle-to-Home (V2H): Hierbei wird das Auto in Kombination mit einer heimischen Photovoltaikanlage zum Heimspeicher. Tagsüber lädt der i3 oder iX3 den überschüssigen Sonnenstrom, abends und nachts gibt er ihn an das Hausnetz ab.
  • Vehicle-to-Grid (V2G): Das Auto ist mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden und fungiert als Puffer. Ist viel Wind- oder Sonnenstrom im Netz, wird geladen. Bei Spitzenlasten speist das Fahrzeug den Strom gegen eine Vergütung wieder zurück in das Netz.
  • Vehicle-to-Load (V2L): Mit speziellen Adaptern können externe elektrische Geräte wie E-Bikes, Camping-Zubehör oder Laptops direkt über die Energie der Autobatterie betrieben werden.

Das eigene Auto als Geldquelle: Die Vorteile für Verbraucher

Für den Autofahrer ergeben sich durch die neue Technologie handfeste finanzielle Vorteile. BMW hat für den Start in Deutschland gleich zwei namhafte Energiepartner an Bord geholt.

Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, profitiert von speziellen Heimenergie-Kooperationen. Anstatt in einen teuren, stationären Akku im Keller zu investieren, übernimmt die gigantische Batterie des BMW diese Aufgabe. Das erhöht den Eigenverbrauch des günstigen Solarstroms massiv und drückt die Stromrechnung.

Richtig lukrativ wird es beim V2G-Modell, bei dem BMW mit seinem Energiepartner den ersten serienreifen Tarif Deutschlands auf den Markt gebracht hat. Der Clou: Kunden erhalten allein für das Anstecken an die Wallbox einen fixen stündlichen Bonus.

"Einfach nach Hause kommen, anstecken und Geld verdienen. Die intelligente Software erledigt den Rest."

Konkret winken hier bis zu 720 Euro pro Jahr. Laut Berechnungen des Herstellers reicht diese Prämie aus, um den neuen iX3 jährlich bis zu 14.000 Kilometer weit quasi kostenlos zu bewegen. Sorgen um einen leeren Akku am nächsten Morgen muss sich dabei niemand machen: Über die hauseigene Smartphone-App legen Nutzer einfach den gewünschten Mindestladestand und die geplante Abfahrtszeit fest.

Welche Anforderungen gibt es?

Um in den Genuss des rollenden Stromspeichers zu kommen, müssen einige technische und vertragliche Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Das richtige Fahrzeug: Aktuelle Plug-in-Hybride oder ältere Elektromodelle unterstützen die Technik nicht. Erforderlich ist ein reines Batteriefahrzeug der sogenannten "Neuen Klasse", also beispielsweise der neue iX3 oder der kommende i3.
  2. Die passende Hardware: Zwingend notwendig für V2H und V2G ist eine bidirektional fähige Ladestation, wie die speziell entwickelte BMW Wallbox Professional.
  3. Smart Meter: Ein intelligentes Messsystem im Stromkasten ist Pflicht, um die Energieströme exakt abrechnen zu können.
  4. Stromvertrag: Für die lukrative V2G-Prämie bedarf es eines passenden Ökostrom- und Einspeisevertrags des Kooperationspartners.
  5. Zusatzausstattung: Wer die Vehicle-to-Load-Funktion nutzen möchte, benötigt die werksseitige Sonderausstattung für professionelles Wechselstromladen sowie einen entsprechenden Adapter.

Für Neuwagenkäufer ist die Technologie ein starkes Argument. Wer sich künftig für ein Modell der Neuen Klasse entscheidet, bekommt nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern eine fahrende Powerbank, die ihre eigenen Betriebskosten senkt.