Nach Jahren des rigorosen Modellabbaus – man denke nur an das schmerzhafte Ende von Klassikern wie Fiesta, Focus und Mondeo – wagt Ford auf dem europäischen Markt den großen Neustart. Der US-Autobauer hat eine umfassende Technologie- und Produktoffensive angekündigt, die das angekratzte Image aufpolieren und die zuletzt auf rund 3,3 Prozent geschrumpften Marktanteile in Deutschland wieder anheben soll. Das Zauberwort der neuen Strategie lautet „Ready-Set-Ford“.

Hinter diesem Slogan verbirgt sich ein ehrgeiziger Plan: Bis zum Jahr 2029 will die Marke gleich sieben neue Modelle auf die europäischen Straßen bringen. Dabei verabschiedet sich Ford offenbar ein Stück weit von der kompromisslosen Elektro-Brechstange und setzt stattdessen verstärkt auf sogenannte „Multi-Energy“-Fahrzeuge. Das bedeutet konkret, dass den Käufern flexibel Verbrenner, Plug-in-Hybride oder reine Elektroantriebe angeboten werden. Ein deutlicher Appell ging dabei auch an die Politik: Die regulatorischen Rahmenbedingungen müssten sich an der Lebensrealität der Verbraucher orientieren, um einen flexiblen Übergang zu ermöglichen.

Fünf neue Pkw: Vom City-Flitzer bis zum Offroader

Der Pkw-Sektor wird mit fünf brandneuen Modellen umgekrempelt. Dabei setzt der Hersteller auf die emotionalen Kernwerte „Thrill“ und „Adventure“.

Folgende Highlights stehen auf dem Programm:

  • Der Bronco-Bruder: Ab 2028 soll im spanischen Valencia ein robustes Kompakt-SUV vom Band laufen. Es orientiert sich optisch stark am ikonischen Geländewagen Bronco, nutzt aber eine zivile Plattform für den Alltag.
  • Das Fiesta-Comeback: Dank einer Kooperation mit Renault plant Ford einen kompakten Elektro-Kleinwagen. Er könnte in die Fußstapfen des Fiesta treten und auf erschwingliche E-Mobilität setzen.
  • Elektrisches City-SUV: Ebenfalls durch die französische Partnerschaft befeuert, kommt ein kompaktes Crossover-Modell auf Renault-Basis für den urbanen Raum.
  • Zwei weitere Crossover-Modelle: Diese sollen mit Rallye-Genen und den besagten flexiblen Antriebskonzepten punkten, um das Volumen im europäischen B- und C-Segment abzusichern.

Nutzfahrzeuge bleiben die sichere Bank

Während das Pkw-Geschäft wieder auf Kurs gebracht werden muss, surft die Nutzfahrzeugsparte „Ford Pro“ seit elf Jahren auf der Erfolgswelle und ist Marktführer in Europa. Diese Position wird nun mit zwei extremen Neuzugängen weiter ausgebaut.

Für härteste Einsätze in Forstwirtschaft, Bergbau oder bei Rettungsdiensten kommt der „Ranger Super Duty“. Ein echtes Arbeitstier, das ein zulässiges Gesamtzuggewicht von enormen acht Tonnen stemmen soll. Genau am anderen Ende des Spektrums positioniert sich der „Transit City“. Dieser kompakte, vollelektrische Transporter zielt auf Handwerker und Lieferdienste, die sich künftig durch immer strengere Umweltzonen in europäischen Großstädten navigieren müssen.

„Ford Pro ist das Rückgrat unseres Europageschäfts. Wir verkaufen nicht nur Transporter und Pick-ups, wir liefern ein integriertes Ökosystem aus Fahrzeugen, Software und Dienstleistungen.“

Mit intelligenten Datendiensten will Ford zudem sicherstellen, dass gewerbliche Flotten noch produktiver werden. Werkstattbesuche sollen präventiv geplant werden können, bevor ein Fahrzeug überhaupt ausfällt. Ob dieser Mix aus pragmatischen Nutzfahrzeugen, bezahlbaren Elektro-Zwergen und abenteuerlustigen SUVs reicht, um Ford in Europa wieder zu alter Stärke zu führen, werden die nächsten drei Jahre zeigen.