Der Nürburgring gilt in der Automobilbranche als die ultimative Reifeprüfung. Erst vor Kurzem feierte der reguläre Denza Z seine viel beachtete Premiere beim legendären Goodwood Festival of Speed. Schon dort sorgte der sportliche Elektro-Zweitürer mit stolzen 1.605 PS aus drei Elektromotoren für reichlich Aufsehen. Doch BYD – der mächtige Mutterkonzern hinter der Premiummarke Denza – gibt sich damit nicht zufrieden. Um den amtierenden Elektro-König auf der Nordschleife zu entthronen, wurde nun ein extrem modifizierter Prototyp bei Testfahrten nach offiziellem Streckenschluss erwischt. Unter der Bezeichnung Denza Z Di-Aero P2000+ formiert sich eine radikale Evolution des Serienfahrzeugs.

Kohlefaser-Diät und Aero-Wahnsinn für maximale Performance

Die optischen Veränderungen des Erlkönigs gegenüber der zivilen Version des Denza Z lassen keinen Zweifel an den Rennstrecken-Ambitionen aufkommen. Jedes Karosserieteil wurde im Dienste der Aerodynamik und des extremen Anpressdrucks neu geformt.

Zu den auffälligsten Modifikationen gehören:

  • Ein massiver, feststehender Heckflügel, der für enormen Abtrieb bei hohen Geschwindigkeiten in schnellen Kurven wie dem „Schwedenkreuz“ oder der „Fuchsröhre“ sorgt.
  • Ein extrem weit nach vorn gezogener Frontsplitter, der fast über den Asphalt zu schrammen scheint.
  • Deutlich verbreiterte Seitenschweller und ein komplett überarbeiteter, aggressiver Heckdiffusor.
  • Eine radikale Leichtbau-Strategie, bei der die gesamte Karosserie sowie die Dachstruktur aus ultraleichter Kohlefaser (Carbon) gefertigt sind, um das Fahrzeuggewicht massiv zu senken und gleichzeitig die Verwindungssteifigkeit zu maximieren.

Zusätzlich vertraut BYD beim Track-Monster auf eine weiter optimierte Version des hauseigenen, hochentwickelten „e3“-Antriebssystems mit drei Elektromotoren, einer cleveren Drehmomentverteilung (Torque Vectoring) und einem aktiven, intelligenten Fahrwerk. Das Kürzel „Di“ im Namen steht dabei traditionell für die intern entwickelten High-Tech-Systeme des BYD-Konzerns, während „Aero“ und „P2000+“ die Marschrichtung unmissverständlich vorgeben.

Ist das Leistungsversprechen von 2.000 PS realistisch?

Einige Branchenbeobachter reagierten zunächst skeptisch auf das Gerücht einer Systemleistung von über 2.000 PS (ca. 1.973 mechanische PS). Doch bei genauerer Betrachtung der technischen Basis ist dieser Wert absolut im Bereich des Machbaren.

Der serienmäßige Denza Z schöpft bereits beeindruckende 1.605 PS aus seinem Tri-Motor-Setup. Um die magische 2.000-PS-Marke zu knacken, müsste BYD lediglich die Leistungsdichte der E-Maschinen optimieren und den Entladestrom der Batterie kurzzeitig anheben. Dass ein solcher Eingriff in das Energiemanagement wahre Wunder bewirken kann, hat Porsche erst kürzlich bewiesen. Bei deren Performance-Kit für den Taycan wurde die Stromstärke der Leistungselektronik von 1.100 auf 1.300 Ampere gesteigert, was zu einer spürbaren Mehrleistung führte.

Da BYD als einer der weltweit größten Batterieproduzenten über ein enormes Know-how bei Hochleistungs-Akkus verfügt, ist es extrem wahrscheinlich, dass die Ingenieure für die Rekordjagd eine speziell abgestimmte Batterie mit extrem hoher Entladerate entwickelt haben. Die 2.000 PS sind also kein reines Marketing-Versprechen, sondern eine technisch absolut plausible Ansage.

Das große Ziel: Die Demütigung der etablierten Konkurrenz

Dass der Denza Z Di-Aero P2000+ so eilig über die Nordschleife gejagt wird, hat einen handfesten Grund. BYD will sich im prestigeträchtigen Club der superschnellen Elektroautos ganz oben positionieren. Im Visier hat man dabei vor allem zwei harte Konkurrenten.

Zum einen ist da der Porsche Taycan Turbo GT mit Manthey Kit. Die deutsche Elektro-Limousine setzte mit einer offiziell beglaubigten Zeit von 6:55,533 Minuten die absolute Benchmark für straßenzugelassene Oberklasse-Stromer auf der Nordschleife. Zum anderen lauert der chinesische Rivale Xiaomi, dessen SU7 Ultra mit einer Rundenzeit von 7:04,957 Minuten ebenfalls eindrucksvoll vorgelegt hat.

Für BYD ist die Rekordjagd auf dem Nürburgring weit mehr als nur ein Marketing-Gag. In Branchenkreisen gilt eine Fabelzeit auf der Nordschleife als die ultimative Reifeprüfung für jeden Sportwagenhersteller. Ein Erfolg würde beweisen, dass die chinesischen Ingenieure nicht nur bei Infotainment und Batteriekapazität glänzen können, sondern auch das komplexe Zusammenspiel von Fahrwerk, Lenkung und Aerodynamik auf absolutem Weltklasse-Niveau beherrschen.

Sollte es dem Denza Z Di-Aero P2000+ tatsächlich gelingen, die Fabelzeit des Porsche Taycan mit Manthey-Upgrade zu unterbieten, wäre das ein mittelschweres Erdbeben für die europäische Sportwagen-Elite. BYD würde damit eindrucksvoll demonstrieren, dass chinesische Elektrofahrzeuge nicht mehr nur über den Preis und die Reichweite punkten, sondern auch in Sachen kompromissloser Querdynamik und Rennstrecken-Performance zur absoluten Weltspitze gehören.