Es kommt selten vor, dass ein Facelift fast ein komplett neues Auto hervorbringt. Doch beim BYD Atto 3 Evo, der im Frühjahr 2026 zu den deutschen Händlern rollt, bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Während sich optisch nur Details wie der Dachspoiler und die Stoßfänger ändern, haben die Ingenieure unter dem Blech Tabula rasa gemacht. Der Grund ist simpel: Der bisherige Atto 3 war zwar solide, patzte aber genau dort, wo es deutschen Autofahrern wehtut – an der Ladesäule und bei der Reichweite auf der Autobahn.
Schluss mit der Lade-Schnecke
Das wichtigste Upgrade versteckt sich im Unterboden. BYD verabschiedet sich von der alten 400-Volt-Architektur und spendiert dem Evo-Modell ein modernes 800-Volt-System. Das Ergebnis ist ein Quantensprung bei der Ladeperformance:
- Maximale Ladeleistung: Stieg von mageren 88 kW auf beeindruckende 220 kW.
- Ladedauer: Der Standard-Sprint von 10 auf 80 Prozent gelingt nun in rund 25 Minuten.
Damit zieht der chinesische Kompakt-SUV an vielen Konkurrenten der "Golf-Klasse" vorbei und macht das Modell endlich langstreckentauglich. Möglich wird dies durch die Integration der Zellen direkt in die Karosserie (Cell-to-Body), was zudem Platz für einen größeren Akku schafft. Statt rund 60 kWh speichert der Energiespeicher nun satte 74,8 kWh.
Heckantrieb und Frunk-Premiere
Auch beim Antrieb dreht BYD den Spieß um – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Frontantrieb ist Geschichte. Die Basisversion „Design“ kommt nun als klassischer Hecktriebler mit 230 kW (313 PS), während das Topmodell „Excellence“ mit einem zusätzlichen Frontmotor zum Allradler wird und in sportwagentauglichen 3,9 Sekunden auf Landstraßentempo sprintet.
Ein Detail dürfte deutsche Kunden besonders freuen: Da der Motor vorne gewandert ist (oder beim Hecktriebler ganz fehlt), bietet der Atto 3 Evo nun endlich einen Frunk. Mit 101 Litern Volumen ist das Fach unter der Fronthaube riesig und schluckt Ladekabel sowie den Wocheneinkauf problemlos.
"Der Evo ist technisch gesehen ein neues Auto im alten Gewand – eine Kampfansage an die etablierte Konkurrenz, die sich bei der 800-Volt-Technik oft noch zurückhält."
Der Preis ist heiß – aber anders als gedacht
Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Die Zeiten des günstigen Einstiegs sind vorbei. Mit einem Startpreis von 44.900 Euro für die Basisversion und über 50.000 Euro für den Allradler positioniert sich BYD selbstbewusst neu. Ob die Kunden bereit sind, diesen Aufschlag für die massive technische Aufwertung zu zahlen, wird sich zeigen müssen. Technisch jedenfalls hat der Atto 3 Evo seine Hausaufgaben gemacht.