Der BMW X5 gilt seit jeher als unangefochtener König der Premium-SUVs – ein rollendes Statussymbol, das insbesondere in China heiß begehrt ist. Doch mit der gerade enthüllten fünften Generation (interner Code G65) und der vollelektrischen Variante iX5 wagt BMW einen radikalen Schnitt. Die bayerische Marke überträgt die futuristische Designphilosophie ihrer neuen Fahrzeuggeneration auf das Flaggschiff. Im chinesischen Netz, wo die Reaktionen der Fachpresse und Autofans oft den Erfolg eines Modells besiegeln, brennt seither die Luft.

„Schweinenase“ und Emoji-Scheinwerfer: Die Design-Kontroverse

Die größte optische Veränderung betrifft das Gesicht des SUVs. BMW hat die riesigen, breiten Nieren der Vorgängergeneration eingestampft. Stattdessen prangt an der Front nun ein schmaler, extrem vertikaler und beleuchteter Doppelkühlergrill. In den chinesischen sozialen Netzwerken dauerte es nur Minuten, bis das neue Design mit einer „Schweinenase“ verglichen wurde. Memes und amüsante Vergleiche mit Zeichentrickfiguren fluten die Foren.

Nicht minder umstritten sind die neuen Scheinwerfer. Das traditionelle „Doppelrund“-Design der Tagfahrlichter weicht einer doppelten „X“-Form. Während progressive Käufer den Hightech-Look feiern, klagen Puristen über mangelnde Eleganz. In den Kommentaren wird die neue Lichtsignatur spöttisch als „Emoticon-Gesicht“ bezeichnet. Ein weiteres Detail, das für Stirnrunzeln sorgt: Die futuristischen Türgriffe, die nahtlos in der Fensterleiste sitzen, könnten in China aufgrund strenger neuer Sicherheitsgesetze für die geplante Langversion angepasst werden müssen.

Das Aus für die geteilte Heckklappe bricht Fan-Herzen

Die schmerzhafteste Amputation betrifft jedoch das Heck. Nach vier Generationen und fast 30 Jahren verabschiedet sich BMW von der legendären, zweigeteilten Heckklappe – in China liebevoll „Himmel-und-Erde-Tor“ genannt. Die Möglichkeit, den unteren Teil separat abzuklappen, um darauf zu sitzen oder Gepäck einzuladen, galt für viele als die Seele des X5.

Dass BMW dieses Feature zugunsten einer besseren Aerodynamik und Gewichtsreduktion durch eine herkömmliche, einteilige elektrische Klappe ersetzt hat, sorgt in China für echte Enttäuschung. Für die detailverliebten Kunden im Reich der Mitte geht damit ein großes Stück Identität und Camping-Romantik verloren.

Technische Brillanz mit gewichtigem Haken

Abseits der optischen Diskussionen überschlägt sich die chinesische Fachpresse jedoch mit Lob für die technische Umsetzung. Insbesondere der neue, rein elektrische iX5 setzt Ausrufezeichen:

  • Gigantischer Akku: Mit einer Batteriekapazität von bis zu 141 kWh (Netto-Kapazität) ist er der BMW mit dem größten Energiespeicher der Markengeschichte.
  • Enorme Reichweite: Laut WLTP-Messung soll der Stromer bis zu 845 Kilometer weit kommen – ein Spitzenwert in dieser Klasse.
  • Ultraschnelles Laden: Dank 800-Volt-Architektur und einer maximalen Ladeleistung von 460 kW lässt sich die Batterie in nur 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllen.

Allerdings erkauft sich BMW diese Leistung mit einem massiven Gewichtsnachteil. Mit über 2,8 Tonnen Leergewicht ist der iX5 ein wahrer Koloss. Die Fahrdynamik soll dank des neuen, zentralen Steuerungssystems „Heart of Joy“ dennoch phänomenal sein, doch das enorme Gewicht schränkt den Nutzwert abseits befestigter Straßen stark ein – ein Punkt, den BMW-Manager bereits offen einräumten, indem sie betonten, dass Geländegängigkeit beim neuen X5 ohnehin keine Priorität mehr hatte.

Der brutale Kampf gegen Chinas „neue Kräfte“

In China trifft der neue X5 auf eine völlig veränderte Wettbewerbslandschaft. Wo früher nur Mercedes-Benz und Audi die Gegner waren, dominieren heute heimische Tech-Giganten und Elektro-Start-ups das Luxussegment ab 50.000 Euro. Marken wie Li Auto, Nio oder Aito jagen den etablierten deutschen Herstellern mit cleveren Hybridkonzepten, riesigen Bildschirmen im Innenraum und integrierten Kühlschränken massiv Marktanteile ab.

Während der BMW X5 in Sachen Prestige und mechanischer Fahrkultur nach wie vor eine Klasse für sich ist, hinkt er bei der Digitalisierung hinterher. Die chinesische Presse bemängelt, dass das Infotainment und die Sprachsteuerung im Vergleich zu den blitzschnellen, KI-gestützten Systemen der chinesischen Konkurrenz träge wirken. Auch der Verzicht auf physische Tasten und den beliebten iDrive-Drehknopf im extrem minimalistischen Cockpit wird als mutig, aber gewöhnungsbedürftig eingestuft.

„Der neue BMW X5 ist ein exzellentes Auto, das versucht, in einer hyper-digitalen Welt seine mechanische Krone zu verteidigen. Doch im Kampf gegen Chinas Elektro-Elite reicht der glänzende Name allein nicht mehr aus.“