Es ist selten, dass ein neues Auto in der Redaktion für so viel Gesprächsstoff sorgt, bevor der Motor überhaupt gestartet wurde. Der Leapmotor C10 tritt mit einem selbstbewussten Versprechen an: Er will den Komfort und die Technik der 60.000-Euro-Klasse zum Preis eines Einsteiger-Stromers bieten. Möglich macht das die ungewöhnliche Allianz mit dem Autoriesen Stellantis. Das Ergebnis ist ein SUV, das auf dem Papier fast zu gut klingt, um wahr zu sein. Wir haben den C10 über deutsche Autobahnen, Landstraßen und durch den Stadtverkehr gescheucht, um herauszufinden, ob hier wirklich ein „Volks-Stromer“ heranwächst.

Innenraum: Ein Hauch von Oberklasse

Wer beim Preis von rund 36.500 Euro Hartplastik-Wüsten erwartet, wird beim Einsteigen eines Besseren belehrt. Der Innenraum des C10 wirkt aufgeräumt, modern und überraschend hochwertig. Die Materialien fassen sich weich an, die Verarbeitung ist solide – hier klappert nichts. Das riesige Panorama-Glasdach flutet die Kabine mit Licht und sorgt für ein Raumgefühl, das man sonst eher aus deutlich teureren Segmenten kennt.

Besonders die Sitze verdienen ein Lob: Sie sind eher Sessel als Sportsitze, was perfekt zum entspannten Charakter des Wagens passt. Das Infotainment-System reagiert flüssig, auch wenn die Menüführung – wie bei vielen chinesischen Modellen – eine kurze Eingewöhnung erfordert. Dass man fast alles über den Touchscreen steuern muss, ist Geschmackssache, aber in dieser Preisklasse mittlerweile Standard.

Fahren und Laden: Komfort schlägt Sport

Auf der Straße gibt sich der C10 als Gleiter. Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten souverän weg, die Lenkung ist leichtgängig. Wer sportliche Ambitionen hat, ist hier falsch, aber als Familienkutsche macht der Leapmotor eine exzellente Figur. Der 218-PS-Motor im Heck schiebt ordentlich an, ohne dabei Bäume auszureißen.

Ein Kritikpunkt der ersten Modelle war die Ladegeschwindigkeit. Doch hier hat Leapmotor für das Modelljahr 2026 nachgelegt: Mit der neuen 800-Volt-Option (je nach Ausstattung) verkürzen sich die Ladezeiten spürbar. Wer zur Basis greift, muss zwar immer noch etwas mehr Geduld an der Säule mitbringen als bei einem Hyundai Ioniq 5, für den Alltag und die Urlaubsfahrt reicht es aber allemal. Die WLTP-Reichweite von rund 420 Kilometern ist realistisch genug, um im echten Leben entspannt 300 bis 350 Kilometer abzuspulen.

Der Stellantis-Joker

Das vielleicht stärkste Argument für den C10 ist nicht im Auto selbst verbaut: Es ist das Werkstattnetz. Anders als bei anderen Newcomern aus Fernost müssen Käufer keine Angst haben, im Service-Fall allein dazustehen. Wartung und Reparatur laufen über das riesige Händlernetz von Stellantis. Das schafft Vertrauen, das in Deutschland oft kaufentscheidend ist.

  • Fazit: Der Leapmotor C10 ist kein Perfektionist, aber er ist ein verdammt gutes Angebot. Für den Preis eines nackten ID.3 bekommt man hier ein ausgewachsenes Familien-SUV mit Wohlfühl-Faktor.

"Wer auf das letzte Quäntchen Dynamik verzichten kann, findet hier das aktuell vielleicht beste Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt."