Lange Zeit taten sich die elektrischen EQ-Modelle von Mercedes in den USA schwer. Das viel kritisierte rundliche Design der bisherigen Limousinen kam bei der amerikanischen Kundschaft nur mäßig an. Doch mit der neuen Elektro-C-Klasse, die Anfang 2027 auf den US-Markt rollt, scheint Stuttgart aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Amerikanische Auto-Experten loben die Rückkehr zu klassischeren Proportionen, gepaart mit einer aerodynamischen Fastback-Linie und einem markanten Kühlergrill.
Ein Hauch von S-Klasse für die Mittelklasse
Besonders angetan zeigt sich die US-Presse vom Platzangebot und Fahrkomfort. Dank der neuen 800-Volt-Architektur wächst der Radstand deutlich an, was vor allem der Beinfreiheit zugutekommt. In ersten Berichten wird das Fahrzeug wegen seiner Laufruhe gar als "Mini-S-Klasse" gehandelt.
Zudem glänzt das US-Einstiegsmodell, der C 400 4MATIC, mit beeindruckenden Leistungswerten:
- Satte 482 PS Leistung durch zwei Elektromotoren.
- Eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in knapp 4 Sekunden.
- Vorausschauende Luftfederung, die Fahrbahnunebenheiten im Vorfeld ausgleicht.
- Hinterachslenkung für maximale Wendigkeit im dichten Stadtverkehr.
"Die größte Schwachstelle früherer Luxus-Stromer war der Innenraum. Man zahlte einen Premiumpreis und bekam ein Premium-Emblem, aber Platz und Qualität passten nicht immer dazu. Mercedes hat dieses Problem mit der elektrischen C-Klasse für 2027 gelöst".
Im Schatten des BMW i3?
Trotz der Euphorie um Fahrwerk und Leistung blicken US-Analysten auch kritisch auf die blanken Reichweiten-Zahlen im direkten Vergleich zur Konkurrenz. Mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 762 Kilometern steht der Stuttgarter in Europa gut da, doch nach dem strengeren amerikanischen EPA-Zyklus erwarten Tester rund 610 bis 640 Kilometer (380 bis 400 Meilen).
Damit liegt die neue C-Klasse bei den Papierwerten leicht hinter ihrem schärfsten Konkurrenten. Der ebenfalls neu vorgestellte BMW i3 soll in den USA bis zu 440 Meilen (EPA) weit kommen und an der Schnellladesäule mit 400 kW laden – die C-Klasse schafft in der Spitze 330 kW. Dennoch reiche das laut Beobachtern völlig aus, um an der Ladesäule in zehn Minuten genug Strom für über 320 Kilometer nachzutanken. Für den typischen amerikanischen Roadtrip sei das Fahrzeug absolut wettbewerbsfähig und mache Schluss mit der Reichweitenangst.
Kritik am gigantischen Cockpit
Wo sich die amerikanische Presse jedoch am meisten reibt, ist der 39,1 Zoll große, optionale "MBUX Hyperscreen", der sich ohne Unterbrechung über das gesamte Armaturenbrett spannt. Während der Hersteller das System als Hightech-Zentrale mit Künstlicher Intelligenz preist, schütteln einige US-Journalisten ungläubig den Kopf.
Kritisiert wird vor allem eine massive Reizüberflutung. Es wird bemängelt, dass klassische Eleganz, edle Hölzer und schöne Details durch eine gigantische digitale Werbetafel ertränkt würden, auf der in großen Teilen oft nur leere Bildschirmschoner zu sehen seien. Anstelle von Premium-Luxus erinnere das Cockpit in seiner optischen Aufdringlichkeit stark an eine grelle Arcade-Spielhalle. Das Fehlen klassischer Tasten und die schiere Dimension der Bildschirme lenkten extrem vom Fahren ab.
Insgesamt ist das Gesamtfazit aus Übersee jedoch sehr ermutigend für Mercedes-Benz: Die elektrische C-Klasse fährt sich überragend, bietet enorm viel Raum und korrigiert die umstrittenen Design-Entscheidungen der ersten Elektro-Limousinen. Wer sich an der dominierenden Bildschirm-Landschaft nicht stört, bekommt ab 2027 eines der sportlichsten und stärksten Elektroautos der Mittelklasse.