Einleitung

Der Microlino ist eine charmante Hommage an die barocke BMW Isetta und bringt frischen Wind in die urbane Elektromobilität. Das Schweizer Unternehmen Micro hat hier ein Fahrzeug geschaffen, welches die Lücke zwischen Motorrad und vollwertigem PKW füllt. Als Leichtfahrzeug der Klasse L7e konzipiert, konzentriert sich der Kabinenroller auf das absolute Wesentliche. Er richtet sich an Individualisten, die eine platzsparende und dennoch stilvolle Lösung für den Stadtverkehr suchen. Mit seinem elektrischen Antrieb bietet er eine umweltfreundliche Alternative für kurze Pendelstrecken und tägliche Erledigungen. Dabei sorgt das besondere Konzept garantiert für Aufmerksamkeit im Straßenbild.

Design & Verarbeitung

Das Design des Microlino besticht durch seine unverwechselbare Eiform und die markante Fronteinstiegstür. Im Vergleich zu den ersten Prototypen wurde die Karosserie deutlich verbessert und besteht nun aus robustem Blech. Moderne LED-Lichtbänder an Front und Heck verleihen der Knutschkugel ein zeitgemäßes Erscheinungsbild. Die Räder wirken zwar winzig, passen aber proportional perfekt in das nostalgisch angelehnte Gesamtkonzept. Eine optionale Zweifarblackierung unterstreicht den hohen Lifestyle-Faktor dieses kleinen City-Mobils zusätzlich. Insgesamt wirkt die Verarbeitung für ein Leichtfahrzeug überraschend solide und wertig.

Innenraum & Komfort

Der Einstieg durch die Fronttür ist ein echtes Erlebnis und macht das Einsteigen in engen Parklücken besonders einfach. Im Innenraum bietet eine durchgehende Sitzbank Platz für zwei Personen, wobei man sich an die minimalistische Ausstattung schnell gewöhnt. Ein manuelles Faltschiebedach sorgt im Sommer für frische Luft und ein beinahe Cabrio-ähnliches Fahrgefühl. Trotz der geringen Außenlänge von nur 2,52 Metern findet sich im Heck ein Kofferraum mit 230 Litern Volumen. Das Cockpit ist aufgeräumt und modern, verzichtet jedoch auf eine klassische Klimaanlage oder eine Sitzheizung. Die feste Lenksäule erfordert beim Ein- und Aussteigen etwas Gelenkigkeit von den Fahrgästen.

Infotainmentsystem

Das Infotainmentsystem im Microlino ist konsequent auf funktionale Schlichtheit ausgelegt und verzichtet auf unnötigen Ballast. Ein zentrales digitales Display liefert dem Fahrer alle wichtigen Metriken wie Fahrgeschwindigkeit und den aktuellen Batteriestatus auf einen Blick. Die Bedienung der restlichen Fahrzeugfunktionen erfolgt intuitiv über eine schmale Touch-Leiste im Sichtbereich. Auf ein integriertes Navigationssystem oder komplexe App-Integrationen wurde zugunsten der Effizienz verzichtet. Nutzer können jedoch ihr eigenes Smartphone als zentrale Medieneinheit verwenden, um Musik zu hören oder Routen zu planen. Dieser Fokus auf die Mobilität passt perfekt zum puristischen Grundgedanken des gesamten Fahrzeugs.

Antrieb & Fahrverhalten

Angetrieben wird der Microlino von einem 12,4 kW starken Elektromotor im Heck, der den Kleinen agil durch den Stadtverkehr schiebt. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ist er deutlich vielseitiger einsetzbar als gedrosselte 45-km/h-Modelle. In rund fünf Sekunden erreicht der Zweisitzer das Stadttempo von 50 km/h, was für flinke Ampelstarts ausreicht. Das Fahrverhalten ist durch den kurzen Radstand und die straffe Federung eher unruhig und phasenweise etwas hoppelig. Auf Landstraßen schwimmt er gut mit, während er sich auf Autobahnen jedoch eher deplatziert fühlt. Die Lenkung vermittelt direkten Kontakt zur Straße und macht den Wagen zum wendigen Kurvenkünstler.

Reichweite & Verbrauch

Bei der Batteriekapazität bietet der Hersteller drei unterschiedliche Pakete an, um individuellen Reichweitenbedürfnissen gerecht zu werden. Die größte Batterie ermöglicht laut Datenblatt eine Reichweite von bis zu 228 Kilometern, was für ein Stadtfahrzeug beachtlich ist. Geladen wird der Microlino unkompliziert an jeder herkömmlichen Haushaltssteckdose oder an öffentlichen AC-Ladesäulen. Die maximale Ladeleistung ist zwar begrenzt, reicht aber aus, um den kleinen Akku über Nacht vollständig zu füllen. Dank des geringen Gesamtgewichts bleibt der spezifische Energieverbrauch des Fahrzeugs pro gefahrenem Kilometer angenehm niedrig. Das sorgt nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern schont auch den Geldbeutel im täglichen Betrieb.

Sicherheit & Assistenzsysteme

In der Kategorie der Leichtfahrzeuge müssen konstruktionsbedingt Abstriche bei der passiven und aktiven Sicherheit hingenommen werden. Der Microlino verfügt weder über Airbags noch über ein Antiblockiersystem oder eine elektronische Stabilitätskontrolle. Zwar bietet die neue Stahlkarosserie eine stabilere Fahrgastzelle als zuvor, doch ein Vergleich mit PKW-Standards ist unzulässig. Besonders bei starken Bremsmanövern aus hohen Geschwindigkeiten zeigt der kurze Radstand eine gewisse Instabilität. Fahrer sollten sich daher der schmalen Sicherheitsmarge bewusst sein und eine vorausschauende Fahrweise wählen. Euro-NCAP-Crashtests werden für diese Fahrzeugklasse offiziell nicht durchgeführt, was das Risiko für Insassen im Ernstfall erhöht.

Fazit

Der Microlino ist weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel; er ist eine emotionale Entscheidung für urbanen Lifestyle. Er löst das Parkplatzproblem in Großstädten bravourös und bietet dabei deutlich mehr Fahrspaß als herkömmliche Kleinstwagen. Der stolze Anschaffungspreis macht ihn jedoch eher zu einem Liebhaberobjekt für einkommensstarke Haushalte. Wer über die fehlenden Sicherheitsassistenten und den begrenzten Komfort hinwegsehen kann, findet hier ein einzigartiges Fahrzeug. Er zeigt eindrucksvoll, wie minimalistisch und charmant die Elektromobilität der Zukunft in unseren Metropolen aussehen könnte.