Einleitung

Der KGM Actyon markiert den mutigen Neuanfang der Marke SsangYong unter der Flagge der KG Group. Als Schrägheck-SUV im Mittelklasse-Segment positioniert, zielt er direkt auf etablierte Platzhirsche wie den VW Tiguan oder Skoda Kodiaq ab. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Kombination aus extrem attraktiver Preisgestaltung und einem Design, das deutliche Anleihen an britische Luxus-Geländewagen nimmt. Er bietet Käufern eine interessante Alternative, die Wert auf moderne Optik und bewährte Großserientechnik legen. Trotz seiner konventionellen Basis richtet sich das Fahrzeug an preisbewusste Nutzer, die keine Kompromisse bei der Fahrzeuggröße eingehen möchten.

Design & Verarbeitung

Optisch ist der Actyon ein echter Hingucker, dessen Silhouette stark an einen Range Rover erinnert, was durch die markanten LED-Signaturen und 20-Zoll-Felgen unterstrichen wird. Die Karosserie wirkt wuchtig und modern, wenngleich Detailanalysen wie variierende Spaltmaße und sichtbare Schrauben einen gewissen Sparzwang offenbaren. Im Interieur gefällt das minimalistische Layout mit großen Bildschirmen und einer schwebenden Mittelkonsole, die für ein luftiges Raumgefühl sorgt. Während die Materialwahl im direkten Sichtbereich wertig erscheint, findet sich im unteren Bereich sowie an den Türverkleidungen leider vermehrt einfacher Hartkunststoff. Dennoch überzeugt die solide Gesamtmontage, die im Fahrbetrieb kaum Knistergeräusche zulässt und einen robusten Eindruck hinterlässt.

Innenraum & Komfort

Das Raumangebot gehört zu den größten Stärken des Actyon und übertrifft in puncto Beinfreiheit und Kofferraumvolumen viele gängige Konkurrenten in seiner Preisklasse. Die Sitze bieten bereits in der Basis praktische Heiz- und Belüftungsfunktionen, wirken für großgewachsene Passagiere über 1,85 Meter jedoch etwas unterdimensioniert in der Beinauflage. Der Fahrkomfort ist insgesamt ordentlich, wobei das Fahrwerk auf kurzen Unebenheiten oder Querfugen mitunter etwas hölzern auf die Insassen reagiert. Die Geräuschdämmung hält Windgeräusche bei moderatem Tempo gut draußen, lässt den Motor bei starker Beschleunigung jedoch hörbar in den Vordergrund treten. Dank der erhöhten Sitzposition genießen Fahrer und Passagiere zudem eine hervorragende Übersicht über das aktuelle Verkehrsgeschehen.

Infotainmentsystem

Hier zeigt der Actyon seine aktuell größten Schwächen, da die technische Basis spürbar an Rechenleistung und moderner Softwarearchitektur mangelt. Die beiden 12,3-Zoll-Monitore reagieren oft verzögert auf Eingaben, und die Menüführung wirkt in vielen Bereichen verschachtelt oder weist zu kleine Touch-Flächen auf. Funktionen wie Apple CarPlay und Android Auto stehen zurzeit leider nur kabelgebunden zur Verfügung, was im aktuellen Marktumfeld für ein Neufahrzeug nicht mehr zeitgemäß ist. Die Bedienung der Klimaeinstellungen erfolgt fast ausschließlich über das Display, was während der Fahrt unnötige Aufmerksamkeit vom Fahrer fordert. Hinzu kommen gelegentliche Software-Ruckler, die laut Hersteller aber durch zukünftige Updates verbessert werden sollen.

Antrieb & Fahrverhalten

Der 1,5-Liter-Turbobenziner mit 163 PS sorgt für ausreichende Fahrleistungen im Alltag, stößt aber bei voller Beladung oder steilen Bergpassagen an seine Leistungsgrenzen. Das Sechsgang-Automatikgetriebe von Aisin schaltet bei defensiver Fahrweise sehr sanft, neigt bei plötzlichem Leistungsabruf jedoch zu Gedenksekunden oder hält die Gänge unnötig lange fest. Die Lenkung ist betont leichtgängig abgestimmt und macht das große SUV im Stadtverkehr überraschend handlich, bietet bei höheren Geschwindigkeiten jedoch wenig Rückmeldung. Das Fahrverhalten bleibt in Kurven stets sicher und berechenbar, wenngleich die Seitenneigung aufgrund der weichen Grundabstimmung deutlich spürbar ist. Insgesamt ist der Actyon eher ein Auto für gemütliche Gleiter als für sportlich ambitionierte Fahrer.

Verbrauch & Unterhalt

In dieser Disziplin verliert der Koreaner wichtige Punkte, da der Durchschnittsverbrauch des konventionellen Benziners im Testbetrieb oft zwischen 9 und 10 Litern Super liegt. Auf der Autobahn können die Verbrauchsnoten sogar leicht zweistellig werden, was die Reichweite des 50-Liter-Tanks spürbar einschränkt. KGM versucht diesen Nachteil durch einen sehr fairen Anschaffungspreis und eine exzellente Serienausstattung zu kompensieren, die bei anderen Marken teure Optionspakete erfordern würde. Die fünfjährige Herstellergarantie bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern bietet Käufern zudem eine gute Planungssicherheit für die ersten Betriebsjahre. Dennoch sollten Interessenten mit höheren laufenden Kraftstoffkosten rechnen, solange die angekündigten Hybridversionen noch nicht verfügbar sind.

Sicherheit & Assistenzsysteme

Der Actyon ist serienmäßig mit einer langen Liste an digitalen Helferlein ausgestattet, die von der 360-Grad-Kamera bis zum Totwinkelwarner reichen und die Sicherheit erhöhen sollen. In der täglichen Fahrpraxis fallen die Systeme jedoch oft durch übertrieben häufige akustische Warnmeldungen und eine teils nervöse Regelcharakteristik auf. Der adaptive Tempomat hält zwar zuverlässig den Abstand, bremst bei hohem Tempo jedoch gelegentlich recht spät ab, was für Verunsicherung sorgen kann. Die Verkehrszeichenerkennung arbeitet unter schwierigen Lichtverhältnissen nicht immer fehlerfrei, was zu unnötigen Warnsignalen im Cockpit führt. Sehr positiv hervorzuheben sind hingegen die kurzen Bremswege aus 100 km/h, was der standfesten Bremsanlage und der hochwertigen Werksbereifung von Michelin zu verdanken ist.

Fazit

Der KGM Actyon ist ein faires Angebot für Pragmatiker, die Wert auf moderne Optik und ein massives Platzangebot legen, ohne dabei Premium-Preise zahlen zu wollen. Er punktet mit einer Vollausstattung, für die man bei europäischen Herstellern meist hohe Aufpreise zahlt, erfordert im Gegenzug jedoch eine gewisse Toleranz bei Software und Effizienz. Wer ein geräumiges Familien-SUV mit Luxus-Ausstrahlung sucht und mit dem höheren Verbrauch sowie der trägen Infotainment-Hardware leben kann, findet hier ein ehrliches Paket. Vor allem für Kunden, die großen Wert auf Garantie und Preiswürdigkeit legen, stellt der Südkoreaner eine ernstzunehmende Konkurrenz dar. Er ist zwar nicht der technisch perfekteste SUV auf dem Markt, aber definitiv einer der preiswertesten in seiner Größenordnung.