Die Premium-Elektromarke Zeekr aus dem Geely-Konzern landet nun doch schneller als erwartet in Deutschland: Ab sofort sind die Modelle Zeekr X, 7X und 001 konfigurier- und bestellbar – mit Preisen ab 37.990 Euro und klarer Kampfansage an BMW, Audi, Mercedes und Tesla im lukrativen Dienstwagenmarkt.

Direktangriff auf Deutschlands wichtigsten Firmenwagen-Markt

Zeekr wählt Deutschland nicht zufällig als ersten großen Schritt in Europa. Rund zwei Drittel aller Neuwagen hierzulande werden gewerblich zugelassen – damit ist der hiesige Markt das Epizentrum für Dienst- und Flottenwagen in Europa. Genau dort will die junge Marke ansetzen: mit vollelektrischen Premium-Modellen, die konsequent auf Firmenkunden und Dienstwagenfahrer zugeschnitten sind.

Die Fahrzeuge wurden auf Geely-Plattformen entwickelt und im europäischen Designzentrum in Göteborg gestaltet. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich direkt – also ohne klassische Händler. Bestellt wird online oder über die Einkaufsabteilungen von Unternehmen, flankiert von Roadshows und Testaktionen vor Ort.

Zeekr-Europa-Chef Lothar Schupet bringt es so auf den Punkt:

„Unternehmen brauchen E-Dienstwagen, die zuverlässig, wirtschaftlich und auf die Anforderungen von Flotten zugeschnitten sind – genau darauf ist unser Direktmodell ausgelegt.“

Die drei Modelle im Schnellcheck

Zum Start stehen drei vollelektrische Baureihen im Konfigurator, die ein breites Spektrum vom kompakten City-SUV bis zum Taycan-Rivalen abdecken.

Zeekr X: Kompakt-SUV als EQA- und Model‑Y-Jäger

Der 4,4 Meter lange Zeekr X zielt auf Kompakt-SUV wie Mercedes EQA, Volvo EX30 oder Tesla Model Y. Der Einstieg beginnt bei 37.990 Euro.

Technisch tritt der X mit einem 200-kW-Heckantrieb (272 PS) oder als Allradvariante mit 315 kW (428 PS) an. Die Normreichweite liegt je nach Version bei bis zu 446 Kilometern (WLTP), der Verbrauch im offiziellen Zyklus bei rund 16 bis 17 kWh je 100 Kilometer – konkurrenzfähig im Segment.

Zeekr positioniert den X als urbanen Dienstwagen für Vertriebsmitarbeiter und City-Pendler: kompakte Außenmaße, ordentlich Platz innen, viel Leistung und Premium-Anmutung, aber preislich noch unter vielen deutschen Kontakt-SUV mit ähnlicher Ausstattung.

Zeekr 7X: 800-Volt-SUV für Vielfahrer

Der 7X ist mit gut 4,8 Metern Länge ein klassisches Mittelklasse-SUV – also direkte Konkurrenz zu BMW iX3, Mercedes EQE SUV oder Audi Q6 e‑tron, preislich aber darunter angesiedelt. Los geht es ab 54.990 Euro.

Herzstück ist ein 800-Volt-System, das besonders schnelles Laden ermöglichen soll. Laut Hersteller benötigt der 7X an geeigneten Schnellladesäulen nur etwa 13 Minuten (75-kWh-Batterie) oder 16 Minuten (100-kWh-Batterie), um den Akku von niedrigem auf hohen Ladezustand zu bringen – Werte, mit denen Zeekr selbstbewusst in den Bereich der schnellsten Lader am Markt vorstößt.

Leistungsmäßig stehen Heckantrieb mit 310 kW (422 PS) und Allrad mit 475 kW (646 PS) zur Wahl. Der WLTP-Verbrauch liegt je nach Version um 18 bis 20 kWh/100 km.

Damit richtet sich der 7X klar an Vielfahrer und Fuhrparks, die regelmäßig Langstrecken abspulen: leistungsstark, reichweitenstark und mit sehr kurzen Ladestopps – ein Paket, mit dem Zeekr Dienstreisenden die Angst vor der Ladepause nehmen will.

Zeekr 001: Shooting Brake als Taycan-Rivale

Am oberen Ende des Portfolios steht der Zeekr 001, ein knapp fünf Meter langer Shooting Brake, der optisch und fahrdynamisch klar auf sportliche E-Premium-Modelle wie Porsche Taycan Sport Turismo oder Audi e‑tron GT zielt – preislich aber deutlich tiefer ansetzt. Der Grundpreis: 59.990 Euro.

Zur Wahl stehen eine Long-Range-Version mit 200 kW (272 PS) und Heckantrieb sowie Allradvarianten mit 400 kW (544 PS). Je nach Konfiguration gibt Zeekr WLTP-Reichweiten von rund 585 bis 620 Kilometern an – damit bewegt sich der 001 auf Augenhöhe mit etablierten Langstrecken-Elektrosportlern, kostet aber zum Teil deutlich weniger als deutsche Premium-Flaggschiffe.

Viel Ausstattung, wenig Aufpreis: Die Preis-Leistungs-Strategie

Ein Kern des Zeekr-Angebots ist die sehr umfangreiche Serienausstattung. Besonders bei den gehobenen Ausstattungsstufen – etwa 7X oder 001 in der Privilege-Ausführung – sind Features wie 22-kW-Onboard-Lader, Wärmepumpe, Matrix-LED-Scheinwerfer, Panoramadach, Luftfederung und Komfortsitze mit Massagefunktion bereits inkludiert.

Während viele deutsche Premiumhersteller für vergleichbare Pakete lange Optionslisten und hohe Aufpreise pflegen, setzt Zeekr auf schlanke Linien mit weitgehend fixen Paketen. Das reduziert die Komplexität in Fuhrparks und erleichtert die Kalkulation der Total Cost of Ownership (TCO) – ein entscheidender Punkt für Flottenmanager.

Hinzu kommt: Alle drei Baureihen unterschreiten die in Deutschland wichtige Preisgrenze für den geldwerten Vorteil von 0,25 Prozent bei Dienstwagen. Damit lassen sich die Fahrzeuge für Fahrer steuerlich ähnlich günstig darstellen wie viele Plug-in-Hybride oder kleinere E-Modelle, obwohl sie leistungsmäßig deutlich höher angesiedelt sind.

Service-Netz, Garantie & Direktvertrieb: Was Flotten wissen müssen

Ohne stationäre Händler stellt sich die Frage nach dem Service. Zum Start stehen in Deutschland laut Hersteller 40 zertifizierte Servicebetriebe bereit, die Wartung, Reparaturen, Ersatzteile und Probefahrten abdecken. Bis zum zweiten Quartal 2026 soll das Netz auf über 100 Standorte anwachsen. Zeekr kooperiert dafür mit einem etablierten Werkstattverbund, der bereits Flottenerfahrung mitbringt.

Bei den Garantien gibt sich die Marke ebenfalls großzügig: Fünf Jahre oder 100.000 Kilometer Fahrzeuggarantie sind serienmäßig, bei Einhaltung der Wartungsintervalle kann diese auf bis zu zehn Jahre beziehungsweise 200.000 Kilometer verlängert werden. Die Hochvoltbatterie ist mit acht Jahren oder maximal 200.000 Kilometern abgesichert.

Für Flottenbetreiber ist das Gesamtpaket entscheidend: transparente Kosten, kalkulierbare Restwerte, zuverlässiger Service. Hier muss Zeekr – wie alle neuen Marken – erst noch Vertrauen aufbauen. Dass Geely mit Marken wie Volvo, Polestar und Lynk & Co bereits erfolgreich in Europa unterwegs ist, dürfte die Einstiegshürde allerdings senken.

Für wen lohnt sich welcher Zeekr?

Zeekr X eignet sich vor allem für urbane Flotten, Außendienstler mit vielen Stadt- und Regionalfahrten sowie Privatnutzer, die über Firmenprogramme einsteigen. Kompakte Abmessungen, relativ günstiger Einstiegspreis und ausreichende Reichweite machen ihn zur elektrischen Alternative zu Golf-Klasse-Dienstwagen.

Zeekr 7X ist das Langstrecken- und Managementauto im Portfolio. Wer regelmäßig Autobahnkilometer schrubbt, profitiert von der 800-Volt-Technik und dem großen Akku. Für klassische Dienstwagenfahrer, die bisher BMW 5er Touring, Audi A6 Avant oder Premium-SUV fahren, dürfte er die interessanteste Option darstellen – insbesondere, wenn Leasingraten und Steuervorteile passen.

Zeekr 001 adressiert Fuhrparks mit hoher User-Chooser-Freiheit und Fahrer, die bewusst etwas Besonderes wollen: sportlicher Shooting Brake statt SUV-Einheitsbrei, viel Leistung und trotzdem alltagstaugliche Reichweiten. In Chefetagen und bei dienstwagenberechtigten Performance-Fans könnte der 001 schnell zum Geheimtipp werden.

Wichtig für alle drei Modelle: Unternehmen sollten das noch junge Servicenetz und die bislang fehlenden Langzeiterfahrungen im Blick behalten. Sinnvoll sind daher zunächst Pilotflotten oder kleinere Kontingente, um reale Verbrauchs- und Restwertdaten zu sammeln.

Was Zeekrs Start für den deutschen E-Automarkt bedeutet

Der Zeitpunkt des Markteintritts ist brisant: Nach einem Dämpfer 2024 ziehen die Neuzulassungen reiner Elektroautos in Deutschland wieder an, getrieben von sinkenden Preisen, mehr Modellen und verstärkten Aktivitäten der Hersteller. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Margen der etablierten Marken. Dass Zeekr trotz EU-Strafzöllen von bis zu 35 Prozent auf in China produzierte E-Autos mit aggressiven Preisen starten kann, zeigt, wie viel Kostenpuffer in der Wertschöpfungskette steckt.

Für deutsche Premiumhersteller ist der Zeekr-Start ein weiterer Warnschuss: China-Marken kommen nicht mehr nur mit günstigen Kleinwagen, sondern mit hochwertig verarbeiteten, stark motorisierten und reichweitenstarken Elektroautos, die exakt die klassischen Dienstwagen-Segmente treffen. Für Fuhrparks eröffnet sich damit eine neue Option – für die Platzhirsche ein zusätzlicher Wettbewerber, der den Preisdruck im oberen Segment spürbar erhöhen dürfte.

Ob Zeekr den Sprung vom Flotten-Newcomer zum festen Bestandteil deutscher Fuhrparks schafft, wird sich in den kommenden Leasingzyklen zeigen. Klar ist: Mit X, 7X und 001 wird der Dienstwagenpark in vielen Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich chinesischer – und das bei Technik- und Ausstattungsniveau auf Premiumniveau.