Wer heute in Deutschland ein neues Elektroauto im Premium-Segment kaufen möchte, erwartet in der Regel edle Showrooms, einen Verkäufer im Anzug und einen Espresso an der Bar. Doch die junge Elektro-Marke Zeekr bricht nun radikal mit dieser Tradition. Der ehrgeizige Ableger des chinesischen Geely-Konzerns hat für seinen Deutschlandstart einen völlig anderen Plan im Gepäck: Man bestellt den Wagen bequem vom Sofa aus und steuert für die Probefahrt oder Inspektion eine freie Werkstatt an.

Der Ansatz ist ebenso pragmatisch wie mutig. Statt Millionen in ein eigenes, klassisches Händlernetz zu pumpen, setzt Zeekr auf den digitalen Direktvertrieb und kooperiert eng mit einem etablierten Verbund markenunabhängiger Kfz-Betriebe. Über dieses Netzwerk sollen nicht nur sämtliche Wartungen, Unfallreparaturen und die Ersatzteillogistik abgewickelt werden. Auch die ersten Kontaktpunkte für Neukunden, wie Fahrzeugübergaben und Probefahrten, wandern in die Hand der freien Meisterbetriebe.

Flottenbetreiber und Dienstwagenfahrer im Visier

Zeekr hat es auf dem hart umkämpften deutschen Markt vor allem auf das lukrative Geschäft mit Firmenkunden abgesehen. Gerade Flottenmanager und Dienstwagenfahrer legen immensen Wert auf planbare Kosten, kurze Standzeiten und ein engmaschiges Servicenetz. Durch die clevere Kooperation kann der Autobauer vom Start weg eine solide Infrastruktur präsentieren, ohne jahrelang eigene Niederlassungen hochziehen zu müssen.

  • Zum Marktstart stehen bundesweit zunächst rund 40 zertifizierte Service-Stützpunkte bereit.
  • Bis Mitte des Jahres soll das Netz auf über 100 Partnerbetriebe anwachsen.
  • Alle beteiligten Mechaniker werden intensiv auf die Modelle und die markenspezifische Hochvolt-Technik geschult.

Ein Hauch von Risiko in der Luxusklasse

Ganz ohne Skepsis wird der Vorstoß in der Branche allerdings nicht beobachtet. Gerade bei Fahrzeugen, die preislich oft jenseits der 50.000 Euro liegen, sind deutsche Käufer extrem anspruchsvoll. Sie vertrauen traditionell auf etablierte Autohäuser und fordern bei Problemen einen lückenlosen Premium-Service.

"Wer den Sprung in die Premiumklasse wagt, muss nicht nur mit Spaltmaßen und Software überzeugen, sondern auch im rauen Werkstatt-Alltag fehlerfrei abliefern."

Ob das Konzept der freien Werkstätten die verwöhnte Kundschaft dauerhaft binden kann, wird sich schon bald zeigen. Die ersten Auslieferungen, unter anderem des reichweitenstarken SUVs Zeekr 7X, sind bereits angelaufen. Sollte diese unkonventionelle Service-Rechnung aufgehen, könnte sie den klassischen Autohandel nachhaltig verändern – und den deutschen Premiumherstellern eine ganz neue Art von Konkurrenz bescheren.