Volkswagen geht einen großen Schritt in Richtung unkomplizierter Elektrifizierung und bringt seine allerersten echten Vollhybride auf den deutschen Markt. Ab sofort ist der neu entwickelte Hybridantrieb für die beiden absoluten Bestseller Golf und T-Roc im Vorverkauf bestellbar. Zum Start schickt VW eine kraftvolle Variante mit einer Systemleistung von 125 kW (170 PS) ins Rennen. Die Technologie verspricht deutliche Verbrauchseinsparungen im Alltag und die Möglichkeit, kürzere Strecken im Stadtverkehr rein elektrisch zurückzulegen – ganz ohne externe Ladesäule. Doch der Einstieg in die kabellose Spar-Ära ist alles andere als billig.
Clevere Technik: Wie der Vollhybrid ohne Kabel spart
Bislang bot Volkswagen im Kompaktsegment entweder Mild-Hybride (eTSI) mit kleiner 48-Volt-Unterstützung oder komplexe Plug-in-Hybride (eHybrid) mit großem Akku und externem Ladeanschluss an. Der neue Vollhybrid, der am Heck schlicht das Label „Hybrid“ trägt, schließt nun genau diese Lücke. Das Herzstück des Systems basiert auf der bewährten MQB-evo-Plattform des Konzerns. Darin arbeiten ein hocheffizienter 1,5-Liter-TSI-Benziner (Evolutionsstufe evo2) mit zwei Elektromaschinen zusammen.
Die erste E-Maschine fungiert primär als Generator, der die mechanische Energie des Verbrennungsmotors oder die beim Bremsen zurückgewonnene Kraft (Rekuperation) in Strom umwandelt. Der zweite Elektromotor übernimmt den eigentlichen Vortrieb und sorgt für ein direktes, elektroauto-ähnliches Beschleunigungsgefühl aus dem Stand. Gespeichert wird die Energie in einer kompakten, im Heckbereich im Fahrzeugboden integrierten Batterie mit einer Bruttokapazität von 1,6 kWh.
Das Zusammenspiel läuft im Alltag vollautomatisch ab:
- Rein elektrisches Fahren: Bei niedrigen Geschwindigkeiten, etwa beim Anfahren, beim Rangieren oder im Stop-and-go-Verkehr der Innenstadt, rollen Golf und T-Roc oft völlig lautlos und lokal emissionsfrei, während der Benziner abgeschaltet bleibt.
- Fließender Übergang: Erst ab etwa 60 km/h auf der Landstraße oder Autobahn wird der Verbrenner zum primären Antrieb, während die E-Maschine ihn bei Beschleunigungsvorgängen als kraftvoller Booster unterstützt.
- Spritsparen im Schiebebetrieb: Geht man vom Gas oder bremst ab, arbeitet der Elektromotor als Generator und speist die gewonnene Energie sofort wieder in die Batterie ein.
Effizienz-Plus: Bis zu 15 Prozent weniger Verbrauch
Der Aufwand unter der Haube soll sich an der Zapfsäule schnell bezahlt machen. Volkswagen verspricht für die neuen Vollhybrid-Varianten im Vergleich zu einem herkömmlichen, ähnlich ausgestatteten Mild-Hybriden (wie dem Golf 1.5 eTSI mit 110 kW) eine Kraftstoffersparnis von satten 10 bis 15 Prozent. Gleichzeitig bietet das System durch die zusätzliche Elektro-Power eine spürbar bessere Dynamik: Die Systemleistung von 125 kW (170 PS) und ein kombiniertes Drehmoment von 309 Nm ermöglichen einen Sprint von 0 auf 100 km/h in flotten 7,4 Sekunden beim Golf und 8,1 Sekunden beim T-Roc.
Die Höchstgeschwindigkeit ist bei beiden Modellen elektronisch auf 180 km/h begrenzt, was für den Alltag mehr als ausreichend sein dürfte. Später soll das Angebot noch um eine etwas schwächere und damit voraussichtlich günstigere Einstiegsvariante des Vollhybrids mit einer Systemleistung von 100 kW (136 PS) ergänzt werden.
Preis-Schock im Konfigurator: Die Krux mit der Ausstattung
Wer sich nun freut, einen sparsamen Golf oder T-Roc für den schmalen Geldbeutel ergattern zu können, wird beim Blick auf die offiziellen Preise allerdings kalt erwischt. Der Vorverkauf für den Golf Hybrid startet erst ab stolzen 41.400 Euro. Wer lieber das Kompakt-SUV T-Roc mit dem neuen Vollhybrid-Antrieb fahren möchte, muss sogar mindestens 44.470 Euro auf den Tisch legen.
Der Grund für diese extrem hohen Einstiegshürden liegt in der Modellpolitik der Wolfsburger. Zum Verkaufsstart koppelt VW den neuen Antrieb an relativ hohe und somit teure Ausstattungslinien:
- Der Golf Hybrid ist vorerst ausschließlich in der sportlichen und ohnehin hochpreisigen R-Line bestellbar.
- Der T-Roc Hybrid rollt zum Start mindestens in der gehobenen Ausstattungslinie Style zu den Kunden.
Zum Vergleich: Ein herkömmlicher T-Roc der neuen Generation in der Basisausstattung mit dem 116 PS starken 1.5 eTSI Mildhybrid ist bereits ab rund 30.845 Euro zu haben. Der Aufpreis für den Vollhybriden ist somit auf den ersten Blick gigantisch. Kunden müssen also für sich selbst ausrechnen, ob sich die unbestreitbar hohe Effizienz des kabellosen Hybridantriebs über die Haltedauer amortisiert – oder ob der Griff zu einem klassischen Mild-Hybriden am Ende doch die wirtschaftlichere Entscheidung bleibt.
"Die Kombination aus spritsparendem E-Antrieb und der Unabhängigkeit von Ladesäulen ist für viele Autofahrer das ideale Konzept – doch bei diesen Einstiegspreisen schrumpft der finanzielle Sparvorteil im Vergleich zum klassischen Mild-Hybriden erheblich zusammen."